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hey leudde... hab hier mal ne sau geile geschichte über ne band hingetan... die band heißt MY CHEMICAL ROMANCE die machen punk-rock und sind sau geil...
die geschichte hat sich ein fan von der band AUSGEDACHT.. müsster mal lesen ist echt einfach nur geil...
--> einfach aushalten is zwar lang aber lohnt sich....
--->hab auch ein paar tage gebraucht aber man is richtig stolz wenn man es geschaft hat...

--->noch ein hinweis is manchmal nich so jungenfrei ^^ und das was am anfang bei der geschichte passiert is das was am ende von der geschichte nochmal passiert...!!


--->hier noch was wichtiges über die band was man für die geschichte wissen muss...
frankie und gerard sind nich schwul die sind nur sau gute freunde und mögen sich voll gerne... mikey und gerad sind auch im echten leben brüder... ja das wars und jetzt viel spaß beim lesen



Autor: Schenny
Genre: Drama/Romanze, Slash
Pairing: Frank/Gerard
FSK: 18
Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an den Mitglieder von My Chemical Romance. Diese Geschichte und die restlichen Charaktere entspringen meiner Fantasie.
Sonstiges: Frank und Mikey sind 17 und Gerard 18.

Take My Fuckin’ Hand

Prolog

Ich kann nicht anders, als dich anzustrahlen. Ich war glücklich.
So glücklich, wie noch nie in meinem Leben.
Erschöpft liege ich in deinen Armen. Kann deinen immer noch etwas schnelleren Atmen auf meiner Haut, das stetige Heben und Senken deines Brustkorbes an meinem Körper spüren. Ich hebe meinen Kopf. Mein Blick trifft den deinen. So viel Wärme und Zuneigung liegt in deinen Augen.
Eine kleine Schweißperle bahnt sich den Weg, deine Stirn hinunter. Ich verfolge ihren Weg über dein wunderschönes Gesicht. An deinen Lippen kommt sie zum stoppen. Behutsam lege ich meine eigenen darauf, nur um dich danach wieder eingehend zu mustern.
Deine Hand streichelt unaufhörlich über meinen nackten Rücken, ein angenehmes Kribbeln verursachend.
Nie mehr will ich den Blick von dir abwenden. Nie mehr will ich deine Berührungen missen wollen. Nie wieder werde ich dich gehen lassen.
„Ich liebe dich“, flüsterst du mir sanft ins Ohr und küsst meine Wange.
Verliebt lächele ich dich an. Noch nie hatte mir das jemand mit so viel Wärme, Gefühl und mit so viel Ehrlichkeit gesagt.
„Ich dich auch“, erwidere ich, bevor ich schon wieder deine Lippen auch meinen spüre.
Sanft lässt du deine Zunge über meine Unterlippe gleiten, um Einlass bittend, den ich dir nur zu gern gewähre. Liebevoll lassen wir unsere Zunge mit einander spielen.
Nach einer für mich unendlichen Zeit trennst du dich wieder von mir und schenkst mir ein gefühlvolles Lächeln, welches ich so an dir liebe.

Mit der Hand, die eben noch meinen Rücken gestreichelt hat, greifst du nun nach meiner. Zärtlich drückst du sie und führst sie zu deinem Mund, einen Kuss darauf hauchend.
„Danke“, sagst du leise und ziehst mich näher an dich heran. Unsere Finger verhaken sich ineinander.
Ich lächele dich liebevoll an. Du brauchst mir nicht zu danken. Ich habe dir zu danken.
Ich drücke dir noch einen kleinen Kuss auf deine Lippen, bevor ich meinen Kopf an deine Brust lehne. Du legst deinen Arm um mich. Ich fühle mich geborgen und nur du kannst mir dieses Gefühl geben.
Das unaufhörliche Klopfen deines Herzens, dein gleichmäßiges Atmen und das sanfte Streicheln deiner Hand, wiegen mich bald in den Schlaf.


Kapitel 1 - Live My Life Alone

Wieder eine neue Stadt. Und ich hasste sie jetzt schon.
Ich würde mir nicht die Mühe machen Freunde zu finden, denn sobald ich welche gefunden hatte, kam die nächste Stadt.
Durch den Job meiner Mutter waren wir gezwungen oft umzuziehen. Ich weiß nicht wie oft wir das bis jetzt hatten tun müssen. Aber es war zu oft.
Und jedes Mal hoffte ich, dass es diesmal das letzte Mal gewesen war. Doch bis jetzt wurde ich immer enttäuscht.
„Frank. Du musst los.“, ertönte die Stimme meiner Mutter von unten.
Ich seufzte. Mein erster Schultag.
Wieder eine neue Schule, neue Lehrer, neue Schüler. Und so oft wie ich das nun schon erlebt hatte, jedes Mal war die Angst vor dem ersten Schultag wieder da. Dutzende Schüler, die den Neuen musterten. Ich hasste es.
Widerwillig machte ich mich auf den Weg nach unten, packte das Essen ein, welches mir meine Mutter hingelegt hatte und war mit einem „Tschüß Mum“ verschwunden.

Mit dem Stundenplan in meiner Hand, bahnte ich mir meinen Weg durch die Gänge der Schule. Ich hatte in der ersten Stunde Englisch und keine Ahnung wo ich mich befand und wo ich hin musste.
Ich verglich die Zahlen auf dem Zettel mit denen an der Tür und immer wenn ich dachte ich war auf dem Richtigen Weg, wurde ich kurz darauf enttäuscht.
Noch den Blick auf den Zettel heftend, lief ich gegen etwas, was sich, nachdem ich aufsah, als einen Jungen mit schwarzen langen Haaren herausstellte.
„Kannst du nicht aufpassen, Du Penner.“, schrie er mich an und drängte sich unsanft an mir vorbei. Ich schaute ihm kurz nach, bevor ich unbekümmert meine Suche fortsetzte. Natürlich war ich wieder schuld, aber der Typ hatte doch schließlich auch Augen im Kopf.
Ich lief noch etliche Minuten orientierungslos in der Schule herum und bemerkte, dass sich die Gänge langsam leerten. Ich warf einen Blick auf meine Uhr. Verdammt. Jede Sekunde würde es zur Stunde klingeln und ich wusste immer noch nicht wo ich hinmusste.
Lange nachdem es zur ersten Stunde geklingelt hatte, fand ich schließlich auch den Raum und musste feststellen, dass ich schon ganz am Anfang daran vorbei gelaufen war.

Vorsichtig klopfte ich an und trat ein. Eine freundlich wirkende Frau, drehte sich zu mir um und begrüßte mich. „Hallo. Du musst Frank sein. Du kommst spät. Wir haben dich schon erwartet.“, sagte sie lächelnd. Ich murmelte eine kurze Begrüßung. „Ich habe mich verlaufen.“, erklärte ich ihr dann noch mein zu Spätkommen und fühlte mich sehr unwohl, so viele Blick auf mir wissend.
Die Lehrerin nickte darauf nur grinsend.
„Am besten setzt du dich dort hinten neben Mikey.“, sagte sie wieder und wies auf den einzigen freien Platz. Ich nickte und begab mich schnell dort hin, da ich es hasste so im Mittelpunkt zu stehen. Mikey und ich begrüßten uns kurz und folgten dann schweigend dem Unterricht.
Aber ich war nicht wirklich aufmerksam. Immer wieder schweifte mein Blick aus dem Fenster und ich dachte an meine Freunde, die ich wieder einmal zurücklassen musste. Sie hatten die Schule wenigstens etwas erträglich gemacht. Doch diesmal musste ich da allein durch. Dann wäre es nicht so hart weiter zu ziehen. Es war ein scheiß Gefühl ständig alle zu verlieren und von vorn anzufangen. Zwar hatten sie mir geschworen, dass wir in Kontakt bleiben würden. Das war immer so und früher oder später riss der Kontakt doch ab.
Diesmal wollte ich das nicht mehr. Deshalb beschloss ich einfach erst gar keine Freundschaften aufzubauen. Ich würde sie doch nur wieder verlieren und das hielt ich nicht noch einmal aus.
„Frank..“
Ich riss den Kopf herum und bemerkte erst jetzt wie abwesend ich gewesen war. Die Schüler um mich herum packten ihre Sachen zusammen und strömten aus dem Zimmer.
„Es hat geklingelt.“ Mikey war so freundlich um mich darauf hinzuweisen.
„Oh…ok“, stammelte ich und tat es den anderen gleich.
„Wo hast du jetzt? Ich kann dir sagen wohin du musst, damit du dich nicht wieder verläufst.“, bot er mir auch gleich sein Hilfe an. Ich musste zu geben, dass er sehr sympathisch erschien. Dennoch schüttelte ich den Kopf. „Danke. Ich werde es schon finden.“, sagte ich und verließ den Raum um mich gleich wieder orientierungslos umzuschauen. Vielleicht hätte ich sein Angebot annehmen sollen. Doch nein. Ich schaffe das auch allein. Ich musste es.

Diesmal schaffte ich es fast pünktlich zur nächsten Stunde. Aber eben auch nur fast. Wieder starrten mich alle an und der Lehrer wies mir einen Platz zu, neben einem Mädchen mit langen blonden Haaren. „Hallo Frank“, begrüßte sie mich.
Erstaunt schaute ich sie an. Ich hatte mich nicht vorgestellt, geschweige denn der Lehrer.
Sie schien zu verstehen. „Oh ich hab auch Englisch mit dir.“, fügte sie schnell hinzu.
„Achso“, gab ich zurück um nicht weiter darauf einzugehen.
„Übrigens ich bin Amy.“, stellte sie sich nun selbst vor, worauf ich nur kurz nickte. Sie schien nicht bemerkt zu haben, dass mich das gar nicht interessierte und dass ich erst recht keine Lust auf ein Gespräch mit ihr hatte.
„Also Frank. Woher kommst du?“, wollte sie von mir wissen.
Höflichkeitshalber antwortete ich. „New York.“
„Oh und was verschlägt dich dann hier her.“, fragte sie interessiert weiter.
„Die Arbeit meiner Mutter.“, antworte ich so kurz wie möglich.
Sie wollte schon zur nächsten Frage ansetzten, wobei der Lehrer sie, glücklicherweise, unterbrach.
„Amy könntest du bitte an die Tafel kommen und der Klasse die Hausaufgaben vorstellen?“
Sie gab einen mürrischen Laut von sich, folgte aber der Aufforderung.
Ich atmete tief aus und dankte ihm innerlich. Ich lehnte mich zurück, froh darüber nicht weiter gelöchert zu werden.

Nachdem ich weitere 2 langweilige Stunden hinter mich gebracht hatte, klingelte es zur Mittagspause. Ich schnappte mir meinen Rucksack und bahnte mir meinen Weg durch die engen Gänge, in den sich die Schüler drängten, nach draußen.
Ich hasste Mittagspausen, wenn sie sich alle in einen Raum zwängten und ihr Essen verschlangen. Deshalb zog ich die frische Luft vor. Ich suchte mir abseits des Schulhofes einen ruhigen Platz, wo ich mich ungestört niederlassen konnte.
Ich zündete mir eine Zigarette an, die ich mir soeben aus meinem Rucksack gefischt hatte und lehnte mich langsam zurück.
Ich inhalierte den Rauch. Es entspannte mich, ließ mich für einen Augenblick meine Probleme vergessen.
Ich schloss die Augen und genoss die Ruhe um mich herum.

„Du kleiner Bastard, schlaf lieber mit einem offenen Auge, denn wenn wir dich das nächste Mal erwischen geht das nicht so glimpflich für dich aus. Guck lieber öfter mal nach hinten und jetzt hau ab du Schwuchtel“, ertönte eine Stimme, die bis zu mir zu hören war.
Ich öffnete die Augen, konnte aber die Quelle nicht ausfindig machen. Wahrscheinlich kam es vom Schulhof, auf dem sie mal wieder einem Jungen das Leben zur Hölle machten. Schule war eben doch überall dasselbe. Oft war ich selbst derjenige gewesen, den sie auf dem Kieker hatten.
Doch diesmal wäre es mir sogar egal, wenn ich wieder derjenige wäre, den sie fertig machten. Es könnte nur hilfreich sein. Jedenfalls würde es helfen das alles hier noch mehr zu hassen und es nicht zu vermissen, wenn wir wieder umzogen.
Ich konnte noch einige Rufe vernehmen, bis plötzlich schnelle Schritte ertönten und eine dunkle Gestalt um die Ecke kam.
Diese hatte eine schwarze Mappe unter dem Arm und kam geradewegs auf mich zu, schien mich aber nicht bemerkt zuhaben.
Uns trennten nur noch wenige Meter, als er seinen Blick hob und sofort stoppte als er mich entdeckte. Ich erkannte den Jungen, mit dem ich heute Morgen zusammengestoßen war, wieder. Er schenkte mir einen bösen Blick und setzte seinen Weg in eine andere Richtung fort. Was hatte ich nun schon wieder gemacht?
Ich beobachte ihn wie er sich ein Stückchen von mir entfernt niederließ.
Seine Mappe hatte er nun in seinem Schoss und schlug sie auf. Soweit ich es von der Entfernung erkennen konnte, fing er an zuzeichnen.
Ich musterte ihn. Er war so auf seine Zeichnung konzentriert, dass er meine Blicke nicht bemerkte.
Er war anders. Ich konnte nicht sagen warum, aber er unterschied sich von anderen. Das war wohl auch der Grund, dass andere auf ihm rumhakten.

„Frank da bist du ja“
Ich schreckte auf und sah in das Gesicht von Amy. Und ich dachte ich hätte hier meine Ruhe. „Ich hab dich schon überall gesucht.“
Warum? Verdammt. Ich zwang mich zu einem Lächeln. „Ich wollte etwas Ruhe haben“, erwiderte ich wahrheitsgetreu.
„Achso. Na ja kommst du jetzt mit rein. Es klingelt gleich und ich hab vorhin gesehen, dass wir die nächste Stunde zusammen haben.“
Jetzt konnte ich nicht einmal mehr ein Lächeln erzwingen. Wie konnte man nur so aufdringlich sein? Merkte sie sich nicht, dass sie mir gehörig auf die Nerven ging?
Dennoch nickte ich. Warum auch immer. Vielleicht weil ich doch nicht ganz allein sein wollte?
Ich stand auf und folgte ihr schweigend. Dabei warf ich noch einmal einen Blick zu dem dunkelgekleideten Jungen rüber. Er schaute ebenfalls in meine Richtung und unsere Blicke trafen sich. Schnell senkte er den Kopf und starrte wieder auf das Blatt Papier vor sich.
Auch ich wendete meinen Blick wieder ab und ging mit Amy zusammen ins Schulhaus.
Im Klassenzimmer angekommen, setzte ich mich neben sie, gezwungener Maßen. Na gut ich hätte vorhin auch einfach nein sagen können. Aber das hatte ich nicht getan.
Während des Unterrichts setzte sie ihre Fragerei von heute morgen fort. Und als ihr keine Fragen mehr einfielen, die ich so knapp wie möglich beantworten konnte, erzählte sie von sich selbst.
Ich schaltete ab, da es mich kein bisschen interessierte was sie von sich gab. Ich mochte keine Leute, die zu neugierig waren und dann auch noch stundenlang über sich selbst reden konnten. Und soweit ich es mitbekam, hatten wir nichts gemeinsam, wirklich nichts.
Ich war vollkommen in meine Gedanken vertieft, als ich einen Finger spürte, der mir in die Schulter gespießt wurde und mich wieder in die Realität zurückholte. „Frank? Ich hab dich was gefragt?“, hörte ich Amys nervtötende Stimme.
Ich schaute zu ihr rüber. „Oh Sorry. Was hast du mich gefragt?“ Amy seufzte und wiederholte ihre Frage. „Ich hab dir gerade erzählt, dass ich am Freitag meinen Geburtstag feiere und wollte wissen ob du Lust hast zukommen.“
Fragend und mit einem strahlenden Lächeln schaute sie mich an. Erstaunt erwiderte ich ihren Blick. Sie kannte mich gerade mal ein paar Stunden und lud mich schon zu ihrer Geburtstagsfeier ein? Sie wurde mir immer suspekter.
„Ich weiß nicht.“, erwiderte ich und ihr Lächeln verblasste allmählich. „Och Frank bitte, du würdest mir damit eine große Freude machen.“, versuchte sie mich zu überreden.
„Wieso? Du kennst mich doch kaum“
„Das kann man ja ändern, denn ich finde dich wirklich nett.“, sagte sie und setzte wieder ihr Lächeln auf.
Wunderbar sie fand mich nett. Leider beruhte das nicht auf Gegenseitigkeit. „Was ist nun. Kommst du?“, fragte sie noch ein mal nach.
Ich dachte darüber nach. Sie würde wahrscheinlich keine Ruhe geben bis ich zugesagt hatte. Obwohl ich nicht sehr angetan war, stimmte ich zu. Ich konnte mich ja mal blicken lassen und schnell wieder verschwinden, wenn es mir nicht gefiel, wovon ich allerdings stark ausging.
„Oh danke Frank“, rief Amy begeistert und fiel mir förmlich um den Hals. Ich bemerkte wie sich einige aus der Klasse umdrehten und uns interessiert anstarrten.
In diesem Moment wünschte ich mich an einen anderen Ort.
Der Lehrer räusperte sich und ich schob Amy langsam von mir weg.

Der Rest meines Schultages verlief ohne besondere Vorkommnisse. Ich war froh als es am Ende der letzten Stunde klingelte und ich endlich dieses Gebäude verlassen konnte. Sofort machte ich mich auf dem Heimweg und dachte dabei noch mal über die vergangen Stunden nach. Ich hatte schon jede Menge Menschen kennen gelernt. Aber Amy übertraf fast alle. Ich hatte keine Ahnung was sie von mir wollte und mir wie ein treudoofer Dackel hinter her rannte. Es war mir auch egal.
Keine 10 Minuten später kam ich auch schon zu hause an. Sofort machte ich mich auf den Weg nach drin, wo mich auch schon meine Mum erwartete. Sie hatte noch einen freien Tag. Sonst war ich die meiste Zeit allein.
„Und Frankie, wie war dein erster Schultag? Hast du schon neue Leute kennen gelernt?“, fragte sie mich. Ich stellte meinen Rucksack zur Seite und zog mir meine Schuhe aus, während ich ihr antwortete. „Ja ein paar. Ich bin am Freitag zu einer Party eingeladen.“
Meine Mum lächelte mich an. „Das ist schön. Es freut mich dass du so schnell Anschluss findest. Bestimmt hast du bald wieder jede Menge Freunde. In der Küche steht was zu Essen für dich.“, sagte sie und verschwand.
Ärgerlich stapfte ich in die Küche. Bestimmt hast du bald wieder jede Menge Freunde? Wie stellte sie sich das vor? Das man alte Freunde einfach durch neue ersetzen konnte?
Es freute sie zu hören, wenn ich Anschluss fand. Sie wusste nicht wie sehr ich darunter litt, dass wir immer wieder umzogen. Woher auch? Ich sprach nicht mit ihr darüber. Wenn ich sagen würde, dass ich das nicht mehr will, würde sie nur sagen, dass sie das alles nur für uns tut. Ich konnte also nichts daran ändern. Also sagte ich ihr das was sie hören wollte. Ganz angelogen hatte ich sie aber nicht. Ich hatte neue Leute kennen gelernt. Ob ich diese nun mochte, war eine andere Sache.
Ich wollte schließlich keine Freunde. Ich brauchte keine.


Kapitel 2 - You’re never gonna fit in much, kid

Dienstagmorgen. Englischunterricht. Ich hörte kaum zu, ließ alles nur an mir vorbei rieseln. Lustlos malte ich auf meinen Block herum und wartete, dass die Zeit verging. Dieser Unterricht war mit abstand der Langweiligste, den ich je erlebt hatte.
Mikey, der neben mir saß, schien es nicht anders zu ergehen.
„Ist das immer so?“, fragte ich ihn leise.
Er nickte und sah mich mitleidig an. „Ja leider“
Ich verdrehte die Augen. „Und ich dachte meine letzte Englischlehrerin wäre langweilig gewesen.“, sagte ich und lachte leise.
„Tja Jersey setzt allen noch einen drauf.“, erwiderte Mikey und stimmte in mein Lachen ein.
Ich schaute auf und sah, wie die Lehrerin ungestört ihren Unterricht weiterführte, na ja den Stoff herunterrasseln würde es eher treffen. Ein Blick durch die Klasse, verriet mir, dass auch die anderen nicht von dieser Art zu unterrichten angetan waren. Viele schliefen, manche unterhielten sich mit ihrem Nachbarn und andere schrieben irgendetwas, was allerdings nicht zum Thema gehören konnte.
„Du weißt gar nicht wie Recht du hast.“, sagte ich. Den Eindruck hatte ich jedenfalls bis jetzt. Sofort kam mir wieder Amy in den Sinn, die vorne in der ersten Reihe saß und wahrscheinlich die einzige war, die aufmerksam zuhörte.
Mikey und ich unterhielten uns noch einige Zeit über belanglose Dinge, bis wir auf das Thema Musik zusprechen kamen. Ich musste feststellen, dass sich unser Geschmack in Sachen Musik in manchen Punkten überschnitt und dass er mit der gleichen Begeisterung davon sprach, die ich empfand.

„Du spielst echt Gitarre?“, fragte er mich neugierig, nachdem ich es beiläufig erwähnt hatte. Ich nickte bestätigend. „Ja schon seit einigen Jahren. Hab auch schon in einigen Bands gespielt.“, erzählte ich ihm und konnte einen traurigen Unterton nicht vermeiden. Ich dachte daran zurück. Wir waren zwar nicht unbedingt gut gewesen, dennoch hatten wir großen Spaß.
Mikey schien mitbekommen zu haben, dass etwas unglücklich darüber war. „Ich denke du wirst schnell eine neue Band finden. Gibt bestimmt etliche, die einen guten Gitaristen suchen.“
Ich nickte nur abwesend und dachte über seine Worte nach. Darüber hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich war mir nicht sicher, ob ich wieder in einer Band spielen wollte. Es brachte doch nichts, wenn ich bald nicht mehr hier sein würde.
Alleine zu spielen war zwar nicht ganz so toll, aber für die Zeit in New Jersey sollte es reichen.
„Worüber denkst du nach?“, fragte Mikey und holte mich damit aus meinen Gedanken. Er schaute mich fragend an. Okay, er war mir zwar sehr sympathisch. Doch dachte ich nicht, dass ihn das was angehen würde. Ich wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als es zur Pause klingelte. Schnell packte ich meine Sachen zusammen, rief Mikey im Gehen noch ein „Wir sehen uns“ zu und war aus dem Raum verschwunden, bevor Amy mich erwischen konnte. Ich wusste, dass sie nur auf eine Gelegenheit wartete mich wieder anzuquatschen. Und mir war auch bewusst, dass sie das früher oder später schaffen würde. So einfach wollte ich es ihr aber nicht machen und über jede Sekunde Ruhe vor ihr war ich sehr glücklich.

Wie auch schon gestern, begab ich mich während der Mittagspause nach draußen.
Ich lief wieder zu demselben Platz wie gestern, um ein bisschen zu entspannen und in Ruhe eine rauchen zu können. Als ich gerade um die Ecke bog und somit den Schulhof verließ, konnte ich schon von weitem eine Gestalt, die genau dort saß, wo ich gestern gesessen hatte, erkennen.
Auch ohne ihn von dieser Entfernung genau zu erkennen, wusste ich dass er es war.
Ich ging näher heran und konnte nun deutlich sehen wie er da saß und auch wie gestern zeichnete.
Ich sah keinen Grund warum ich mich nicht zu ihm setzen sollte und nahm ihm gegenüber platz.
Er hob den Kopf und schaute mich argwöhnisch an, bevor er ihn wieder senkte und ohne sich stören zu lassen weiterzeichnete. Mich faszinierte es wie er die ganze Zeit dasaß und sich nur darauf konzentrierte.
Ich stecke mir eine Zigarette an während ich ihn weiter beobachte.

„Was zeichnest du?“, fragte ich nach einer Weile, weil ich es mich wahnsinnig neugierig gemacht hatte, ihm zu zusehen.
„Geht dich nichts an“, murmelte er ohne aufzusehen.
„Entschuldigung. Ich wollte dir nicht zu nahe treten.“, erwiderte ich und wendete meinen Blick ab. Ich hätte wissen sollen, dass er mir nicht auf meine Frage antworten würde, so wir er mir gestern begegnet war.
„Lässt du mich in Ruhe, wenn ich es dir sage?“, ertönte nach einiger Zeit seine Stimme wieder. Ich drehte meinen Kopf wieder in seine Richtung und sah ihn nun direkt an, da auch er von seinem Blatt aufgeschaut hatte.
„Ich mach doch gar nichts.“, erwiderte ich.
„Du sitzt da und beobachtest mich.“, gab er zurück.
Ich zuckte mit den Schultern. „Was ist daran so schlimm?“
„Ich mag es nicht, wenn man mich beobachtet.“ Seine Augen verengten sich und ich hatte das Gefühl, dass wenn ich noch länger hier bleiben würde, er sich wie ein wildes Tier auf mich stürzen und zerfetzen würde.
Ich seufzte.
„Lass mich aufrauchen und dann bin ich weg.“
Er nickte und widmete sich dann wieder seinen Block. Ich nahm einen letzten Zug und war schon fast im Begriff zugehen, als er erneut seine Stimme erhob.
„Es soll ein Comic werden.“, sagte er und fing wieder an zu zeichnen. Einen Comic? Das machte mich nun noch neugieriger als ihn nur beim Zeichnen zuzusehen. Am liebsten hätte ich einen Blick drauf geworfen. Doch ich hielt es für besser ihn nicht danach zu fragen. Es grenzte ja schon an ein Wunder, dass er mir überhaupt das verriet.
„Ich liebe Comics.“, erwiderte ich nur begeistert.

„Fraaaank“, ertönte in diesem Moment eine schrille Stimme bevor er noch irgendetwas sagen konnte. Mit einer schlimmen Vorahnung drehte ich mich um und konnte Amy erkennen, wie sie auf mich zugelaufen kam. Ich hatte richtig gelegen.
„Oh nein“, entfuhr es mir. Bis jetzt hatte ich es geschafft ihr an diesem Tag aus dem Weg zu gehen. Vielleicht sollte ich mir morgen einen anderen Platz suchen an dem ich meine Mittagspause verbringen konnte.
Schnell kam sie auf mich zu gelaufen und kam vor mir zum Stehen. „Hey Frank.“, sagte sie lächelnd und zog mich zu Begrüßung in eine Umarmung.
Als sie wieder von mir abgelassen hatte, fiel ihr Blick auf den Jungen. Angewidert verzog sie das Gesicht. „Was machst du denn mit DEM hier?“, fragte sie mich, „Du bist doch nicht etwa schwul oder?“
Irritiert schaute ich zwischen den beiden hin und her. Er schüttelte nur breit grinsend den Kopf und widmete sich wieder seinem Comic. Amy dagegen musterte mich misstraurig, ob sie irgendetwas Auffälliges an mir erkennen konnte. „Ähm…nein“, erwiderte ich und fragte mich was die Frage sollte. Amy schien sichtlich aufzuatmen.
„Gut. Aber jetzt komm lieber mit.“, sagte sie und zog mich am Arm mit sich, während sie dem Jungen noch einem abschätzenden Blick zu warf.
Wir entfernt uns von ihm und betraten wieder den Schulhof, der noch recht belebt war.
„Du solltest dich nicht in seiner Nähe aufhalten.“, sagte sie und schleifte mich auf eine Gruppe zu.
„Wieso?“, fragte ich nach.
Sie ging nicht auf meine Frage ein, da wir vor einigen Leuten stehen geblieben waren.
„Das ist Frank.“, stellte sie mich den anderen vor, „Er ist neu hier.“
Diese nickten mir nur zu und Amy fuhr fort. „Und das Frank sind Lucy, Jessica, Ben, Katie und David.“, stellte sie mir die andern vor, während sie auf einen nach dem anderen zeigte. Ich konnte nicht behaupten, dass mir sofort einer von ihnen sympathisch erschien. Meiner Meinung nach sahen sie alle recht arrogant aus. Keine Menschen, die ich mir sonst als Freunde suchen würde. Aber das war vielleicht auch das Beste an der Sache.
Nachdem sie mich den anderen vorgestellt hatte, beantwortete sie mir auch meine Frage.
„Gerard ist ein Loser. Du solltest dich nicht in seiner Nähe sehen lassen. Wir wollen ja nicht, dass du dir gleich einen schlechten Ruf machst. Du kannste deine Pausen gern immer mit uns verbringen.“, sagte Amy und lächelte mich wieder an.
Mich kümmerte mein Ruf wenig. Ich hatte bis jetzt noch nie einen sonderlich guten. Also warum jetzt damit anfangen? Aber vielleicht zu Abwechslung mal?
„Ja Gerard ist ein verdammter Psycho“, ergänzte einer von den Jungs, David, wenn ich mich nicht irrte. Ich war noch nie gut im Namen merken.
„Du hältst dich wirklich besser von ihnen fern.“, fügte eines der Mädchen hinzu.
„Okay er scheint ein bisschen aufbrausend und verschlossen zu sein, aber warum Psycho?“, wollte ich nun wissen, da es mich irgendwie interessierte.
„Und guck ihn dir doch bitte mal an. Ich habe ihn seit ich ihn kenne nie etwas Farbiges tragen sehen.“, antwortete Amy.
Und auch die anderen fingen jetzt an mir zu erklären, warum sie ihn für einen Psycho hielten.
„Er sieht so aus als ob er nachts über Friedhöfe laufen würde.“, ergänzte ein blondes Mädchen und das ihr gegenüberstehende fing heftig an mit dem Kopf zunicken.
„Ich hab sogar mal gehört, dass er einem Hamster den Kopf abgebissen haben soll.“, sagte sie.
„Stimmt hab ich auch gehört.“, bestätigte eine andere.
„Außerdem hat sieht man ihm nie mit jemanden anders reden sehen, als mit seinem Bruder.“ Alle nickten. „Ja er läuft immer nur mit seiner komischen Mappe darum.“, sagte Amy.
„Der absolute Einzelgänger halt“, fügte sie noch hinzu.
„Und schwul!“, sagte nun David.
„Ja eine verdammte Schwuchtel!“
„Er wollte sich schon mal an einen Typ aus dem Football Team ranmachen“, erklärte mir Amy.
„Ich hab ihn mal mit einem Typen rumknutschen sehen.“, sagte der andere Junge.
„Das ist abartig.“, sagte ein Mädchen und verzog das Gesicht.
„Und er soll ein Junkie sein.“
„Ja ich hab gehört, dass er alles was er in die Finger bekommt einschmeißt.“
„Und dazu auch noch ein Alkoholproblem hat.“
Stumm verfolgte ich das Gespräch zwischen den sechs. Ich bereute in diesem Moment, dass ich überhaupt gefragt hatte. Zwar kannte ich diesen Gerard nicht und er schien mir im ersten Moment nicht gerade freundlich. Dennoch mochte ich es nicht, wenn man so über einen Menschen herzog. Sie zählten noch einige andere Sachen auf. Doch ich hörte schon gar nicht mehr hin und schweifte mit meinen Gedanken ab.
„Siehst du nun Frank, warum er ein Psycho ist?“
Ich schreckte auf und nickte nur.
Kapitel 3 - If it looks like I'm laughing I'm really just asking to leave

So geschah es also, dass ich die nun kommenden Pausen mit Amy und ihren Freunden verbrachte. Ich konnte nicht sagen, dass ich die Zeit genoss, da sie meistens über Dinge sprachen, die mich nicht interessierten, bei denen ich nicht mitsprechen konnte, oder über ihre Mitschüler herzogen. Also saß ich die meiste Zeit still zwischen ihnen, hörte manchmal zu, dachte aber den größten Teil an ganz andere Dinge.
Wie in diesem Moment auch. Ich dachte an Gerard. Ich hatte ihn heute nur kurz gesehen, wie er sich mit seiner Mappe auf den Weg gemacht hatte um sich einen ruhigen Platz zusuchen, wo er vor seinen Mitschülern verschont blieb. Er tat mir leid.
Natürlich kannte ich ihn nicht. Ich wusste nicht ob es stimmte was sie über ihn sagten, konnte mir aber denken, dass das meiste über ihn nur ausgedacht war, zumindest manches. Aber auch wenn es vielleicht doch stimmte. Es gab ihn allen kein Recht, so über ihn zu reden.
Aber was kümmerte es mich eigentlich? Ich kannte ihn nicht und wollte das auch nicht ändern.
Ich versuchte wieder dem Gespräch zu folgen, welches anscheinend von Amys Geburtstagsfeier handelte. Ach ja die kam ja auch noch auf mich zu.
„Du kommst also auch, Frank?“, fragte mich Jessica. Ich drehte meinen Kopf in ihre Richtung und sah wie sie mich sanft anlächelte. Dieses erwiderte ich leicht und nickte.
„Das ist schön“, erwiderte sie und ihr Lächeln wurde noch breiter.
Sie war die einzige aus der Gruppe, bei der das Lächeln zumindest etwas glaubwürdig aussah. Und sie kam mir auch nicht so arrogant und eingebildet vor. Überhaupt fragte ich mich, was sie in dieser Gruppe suchte. Sie passte nicht rein. Aber dasselbe könnte man sich bei mir wohl auch fragen.
„Ach ja Frank. Was hältst du davon wenn du am Freitag so gegen 8 bei mir bist.“, mischte sich nun Amy ein.
Wieder nickte ich und zwang mich zu einem leichten Lächeln. „Du musst mir aber noch sagen wo du wohnst.“, sagte ich.
Darauf war es an Amy zu nicken. „Ja ich weiß. Ich hab dir aufgeschrieben wie du zu mir kommst.“, erwiderte sie und drückte mir einen Zettel, den sie soeben aus ihrer Tasche geholt hatte, in die Hand. Ich nahm ihn an mich und steckte ihn, ohne ein Blick darauf zuwerfen, ein.

In der letzten Stunde an diesem Tag saß ich wieder neben Mikey. Wir setzten das Gespräch von unserer letzten Englischstunde fort. Er fragte und ich antworte ihm. Jedoch anders wie bei Amy. Ich redete gern mit ihm. Er fragte mich über die Bands aus, in denen ich schon gespielt hatte, wollte alles darüber wissen. Ich wunderte mich warum er so besessen darauf war, das alles von mir zu erfahren. Diese Frage beantwortete er aber von selbst.
„Weißt du ich würde auch gern mal so was machen. Leider kann ich kein Instrument spielen.“, sagte er.
„Dann lern es doch.“, erwiderte ich. Schließlich war es dafür nie zu spät.
„Hm…ich weiß nicht. Ich glaub nicht, dass ich das hinbekommen würde.“
Ich lächelte ihn aufmunternd an. „Du hast es doch noch nicht einmal probiert, also woher willst du das wissen?“
Nun breitete sich auch ein Lächeln auf seinem Gesicht ab. „Du hast Recht.“
Grinsend nickte ich.
„Sag mal wo wohnst du eigentlich?“, fragte Mikey dann auf einmal und wechselte das Thema. Ich erklärte es ihm und freudig strahlte er mir entgegen.
„Toll das ist ja gar nicht so weit von mir.“, erwiderte und ich erfuhr, dass er nur 2 Blöcke weiter wohnte.
„Ich glaub dich schickt der liebe Gott.“, fügte er noch lachend hinzu. Sofort dachte ich wieder daran, dass ich eigentlich gar nicht hier sein wollte. Der liebe Gott hätte mich lieber dort lassen sollen, wo ich hergekommen bin. Ich sagt jedoch nichts, sondern stimmte in sein Lachen ein. Nicht das ich was gegen Mikey hätte unter anderem Umständen, hätte ich es sogar für möglich gehalten, dass ich mich mit ihm angefreundet hätte.

„Wenn du willst können wir zusammen nach Hause gehen.“, sagte er nachdem endlich das erlösende Klingelzeichen zu hören war. „Alleine nach Hause laufen ist langweilig und mein Bruder wartet meistens nicht auf mich.“
„Du hast einen Bruder, der auch auf diese Schule geht?“, fragte ich, da ich ihn noch nie mit jemand gesehen hatte.
Er nickte. „Ja, aber du kennst ihn sicher nicht. Er ist eine Klasse höher und er zieht es vor allein zu sein.“, erklärte er mir.
„Also was ist?“, fragte er dann nach. Ich musste kurz überlegen was er gemeint hatte, bis mir einfiel, dass er mich ja etwas gefragt hatte.
„Achso ja klar gern.“, antwortete ich.
Wir packten unsere Sachen ein und machten uns dann zusammen auf den Weg nach draußen.
Vor der großen Schultür, die uns ins Freie führen sollte, stand Amy. Ich hatte sie schon weitem gesehen. Doch es führte kein Weg an ihr vorbei. Es kam der Verdacht in mir auf, dass sie auf mich gewartet hatte.
„Bis morgen Frank.“, säuselte sie und verabschiedete sich mit einem Kuss auf die Wange von mir.

Schweigend liefen wir nebeneinander her. Ich überlegte, ob es richtig gewesen war, zuzustimmen. Ich glaube nicht, dass jemand der sich vorgenommen hatte alles zu hassen, dass tun würde. Also warum tat ich es?
Mikey unterbrach meine Gedankengänge als er zu sprechen ansetzte. „Kann ich dich etwas fragen?“
Ich schaute zu ihm herüber und nickte.
Er senkte den Kopf, schien nach Worten zu suchen. „Ich also…weißt du…ich“, stammelte er.
„Ja? Was ist mir dir?“, fragte ich nach. Ich hatte nicht die geringste Ahnung was so schwer daran war mich etwas zu fragen.
„Ach weißt du vergiss es. Es war dumm.“, erwiderte er und schüttelte mit dem Kopf.
Ich zuckte irritiert mit den Schultern.
„Das da vorn ist mein Bruder.“, lenkte er ab und deute mit seinem Finger nach vorn.
Ich schaute nach vorn und erkannte niemanden anderen als Gerard.
„Gerard ist dein Bruder?“, fragte ich.
Überrascht schaute er zu mir und nickte. „Ja woher kennst du ihn denn?“
„Naja was heißt kennen. Ich bin ihm in den Mittagspausen begegnet.“
Sofort fiel mir wieder das Gespräch von Amy und den anderen ein. Ich entschied mich Mikey darauf anzusprechen anzusprechen.
„Dein Bruder scheint nicht sehr beliebt zu sein oder?“, fragte ich ihn und beobachte dabei wie Gerard um eine Ecke bog.
Er schüttelte den Kopf. „Nein wir beide sind nicht gerade beliebt. Aber Gerard noch weniger als ich. Ich schließe daraus du hast die Sachen gehört, die über ihn erzählt werden.“
Ich nickte. „Ja ein paar. Zum Bespiel, dass er schwul ist, ein Drogen- und Alkoholproblem hat und dass er Hamstern die Köpfe abbeißt.“, erzählte ich ihm und wir bogen nun ebenfalls um die Ecke, hinter welcher Gerard verschwunden war. Und ich sah, dass er tatsächlich verschwunden war. Denn er lief nicht mehr so wie ich eigentlich erwartet hatte vor uns.
„Wow ok, das mit dem Hamster ist mir neu“, sagte Mikey und lachte kurz. „Aber ansonsten immer dasselbe.“
„Warum denken die sich so was aus?“, fragte ich weiter.
„Naja ich hab nicht gesagt, dass das alles ausgedacht ist.“
Verblüfft schaute ich ihn an. „Wie meinst du das?“
Gerade als Mikey zum Reden ansetzen wollte, ertönte eine Stimme hinter uns. „Nein die denken sich das nicht aus. Mein lieber Bruder erzählt es ihnen.“
Erschrocken drehten wir uns beide um und sahen in das Gesicht von Gerard. Keine Gefühlsregungen spiegelten sich darin wieder. Ich konnte nicht sagen, ob er wütend war oder ob es ihn nicht interessiert, dass wir über ihn geredet hatten.
„Oh…Gerard. Es…Es tut mir leid.“, stammelte Mikey
Doch Gerard zuckte nur mit den Schultern.
„Erzähl ihm nur alles über mich. Ein paar Gerüchte mehr oder weniger. Was macht das schon.“
Ich starrte ihn an. Seine Stimme klang kalt. So ganz anders als in der Pause, in der ich ihn auf seine Zeichnungen angesprochen hatte, wobei er da auch nicht sehr freundlich war. Aber das was er sagte, machte mich ärgerlich.
„Wieso gehst du davon, dass ich Gerüchte über dich in die Welt setzen würde?“, fragte ich ihn. Er schenkte mir einen eiskalten Blick. „Wieso solltest du anders als die Anderen sein?“, antwortete er mir mit einer Gegenfrage.
„Wieso sollte ich genauso sein?“, tat ich es ihm gleich und wusste nicht worauf dieses Gespräch hinaus führen sollte.
Seine Augen funkelten mich an und ich konnte so wie vorhin nichts daraus ablesen.
„Dann hast du dir aber die falschen Freunde gesucht.“, erwiderte er.
Verblüfft blickte ihn inzwischen an.
„Ich hab mir gar keine Freunde gesucht und ich habe es auch nicht vor.“, erklärte ich ihm und spürte wie Wut in mir hoch kroch.
„Wieso nicht? Jeder Mensch braucht Freunde.“
Ich wurde nicht schlau aus ihm. Was ging es ihn überhaupt an an? Und wieso sagte er so was. Er hatte doch selbst keine.
„Ich brauch keine.“, antwortete ich ihm und drehte mich weg. Dieses Gespräch war sinnlos, war es schon von Anfang an gewesen.
Derweil schaute mich Mikey überrascht an. „Warum guckst du mich so an?“, fragte ich nun ein bisschen zu ruppig, wie ich aber erst zu spät bemerkte.
Daraufhin schaute er gleich wieder weg.
„Ach unser Mikey ist nur eifersüchtig auf dich.“, mischte sie Gerard ein.
Wieder schaute ich zu ihm. Auf meinen fragenden Blick hin, sprach er weiter.
„Ja, weil du es gleich am ersten Tag hier geschafft hast dich an Amy ranzuschmeißen in die wie wir alle wissen Mikey total verschossen ist.“, sagte er und ein Grinsen umspielte seine Lippen.
„In die?“, entfuhr es mir, „Oh Mikey. Um alles in der Welt würde ich mit dir tauschen, aber leider schmeiße ich mich nicht an sie ran, sondern sie an mich.“
„Also ich kann es ihr nicht verübeln“, sagte Gerard und zog eine Augenbraue hoch. Bei seinem Blick, lief es mir eiskalt den Rücken runter.
Ich wusste nicht was ich jetzt darüber denken sollte. War er wirklich?
Er grinste mich an, da er genau zu wissen schien, was ich dachte.
„Na gut. Ich muss dann mal. Alkohol und Drogen besorgen. Ach ja und meinem Freund einen blasen.“
Er zwinkerte mir noch zu und war mit diesen Worten um die nächste Ecke verschwunden.
„Er ist ein Arschloch.“, sagte Mikey nun, der sich die ganze Zeit zurückgehalten hatte.
„Er brauch sich gar nicht wundern, dass so viele Sachen über ihn geredet werden.“, fügte er noch hinzu und wurde dabei immer lauter.
„Ihn scheint es aber nicht weiter zu kümmern.“, warf ich ein.
Mikey schüttelte den Kopf. „Nein überhaupt nicht. Er lässt alle in dem Glauben. Ja und ich hab darunter zu leiden. Wer will schon mit dem Bruder eines ‚Psychos’ was zu tun haben?“
Ich erkannte worauf er hinauswollte, hielt mich jedoch zurück, da ich es für besser hielt jetzt nichts zu sagen.
Auch Mikey sagte nichts mehr, stapfte nur wütend neben mir her. Ich dachte währenddessen an die Begegnung von eben. Ich hätte Gerard anders eingeschätzt. Nicht so eiskalt und undurchschaubar. Nicht nachdem ich ihn auf seinen Comic angesprochen hatte. Er hatte mir ja nicht einmal sagen wollen, dass es sich um einen handelte.
Warum? Und wieso machte es sich im Gegensatz dazu nichts daraus die Gerüchte, die über ihm im Umlauf waren zu verstärken. Ich wurde wirklich nicht schlau aus ihm. Sein ganzes Verhalten war einfach nur merkwürdig. Aber Mikey auf dieses Verhalten anzusprechen, verkniff ich mir lieber.
Ohne bemerkt zu haben, dass wir schon einen so langen Weg schweigend zurückgelegt hatten, kamen wir an dem Haus an, indem ich und meine Mutter wohnten.
Ich verabschiedete mich von Mikey.
„Bis Morgen.“, murmelte dieser nur und ging zügig weiter.


Kapitel 4 -I never wanted it to be this way

Ich bahnte mir den Weg durch die engen Gänge der Schule zu meinem Spind. Langsam fand ich mich zu recht hier. Zwar verlief ich mich immer noch manchmal, aber es hatte sich gebessert, zumindest schaffte ich es pünktlich zum Unterricht.

Ich nahm mir das Buch, welches ich für die folgende Stunde brauchte aus meinem Spind und schlug die Tür zu, als ich einen leisen Schrei des Entsetzens ausstieß, da keine andere als Amy dahinter zum Vorschein kam. Ich fühlte mich so langsam aber sicher verfolgt. Was wollte sie denn von mir?
„Hallo Frank“, flötete sie und grinste mich fröhlich an.
„Wie geht es dir?“, wollte sie wissen.
„Gut.“, erwiderte ich nur. Jedenfalls ging es mir bis gerade eben gut.
Und auch wenn ich es nicht für möglich gehalten hätte, aber ihr Grinsen wurde noch breiter.
„Ich hoffe du hast nicht vergessen, dass heute Abend meine Geburtstagfeier ist.“
Wie könnte ich? Schließlich wurde ich täglich daran erinnert.
„Nein.“
„Gut dann sehen wir uns heute Abend.“, sagte sie.
Und von dem folgenden, hätte ich nicht einmal im Traum daran gedacht, dass Amy dazu im Stande sein könnte.
Sie beugte sich zu mir herüber und presste so als ob es selbstverständlich wäre ihre Lippen gegen meine. Ich war zu geschockt um mich zu wehren. Was fiel ihr ein?
Amy schien sich nicht daran zustören, dass ich den Kuss nicht erwiderte. Erst als ich wieder Herr über mich selber war und sie vorsichtig von mir weg schob, ließ sie von mir ab.
Sie schenkte mir noch breites Lächeln und entfernte sich von mir.
Ich lehnte mich gegen meinen Spind und atmete laut aus. Die Frage was sie von mir wollte, war nun also geklärt.
Das konnte ja eine tolle Party werden. Und wie immer wenn ich an diese Party dachte, machte sich ein krampfendes Gefühl in meinem Bauch breit, diesmal nur stärker. Aber ich hatte zugesagt und nun musste ich da auch hin. Vielleicht ergab sich ja eine Gelegenheit Amy zu sagen, dass das so nicht weitergehen konnte.

Schnell stopfte ich das Buch in meine Tasche und machte mich schleunigst auf den Weg zum Kunstraum. Ich wollte das eben geschehene schnellstens vergessen. Wie konnte man nur so…so…argh mir fielen keine Worte dafür ein. Und wieso konnte ich ihr nicht einfach sagen, dass sie mich nervte und mich in ruhe lassen sollte? Das hätte ich schon längst tun sollen, das weiß ich. Es war so gar nicht meine Art. Dennoch hielt mich etwas davon ab.
Ich wollte gerade den Raum betreten, als ich gegen jemanden prallte, der mir entgegen kam. Ich blickte auf und sah wie mich Gerard böse anfunkelte, aber ohne ein Wort an mir vorbei ging.
Ich schüttelte nur den Kopf. Ich hatte keine Ahnung was er gegen mich hatte oder wieso ich immer ausgerechnet mir ihm zusammen stieß. Im Grunde war es mir aber auch egal, also warum sollte ich mir den Kopf darüber zerbrechen.
Ich betrat den Raum und konnte schon Mikey in der ersten Reihe erkennen. Er schaute aus dem Fenster und schien nicht sehr glücklich.
Ob es vielleicht etwas mit Gerard zu tun hatte? Bis jetzt hatte ich nicht den Eindruck gewonnen, dass die beiden sich wirklich mochten. Also vielleicht hatten sie sich gestritten oder so. Ich ging auf ihn zu und wollte gerade meinen Rucksack auf dem Tisch ablegen und mich niederlassen, als Mikey seinen eigenen rüber schob und mir damit den Platz versperrte. Erstaunt schaute ich ihn an. Was hatte er denn auf einmal?
„Was soll das?“, fragte ich ihn.
Er hielt seinen Kopf gesenkt. „Ich glaub du suchst dir einen anderen Platz.“, murmelte er.
Ich glaubte mich verhört zu haben. „Wieso?“, fragte ich perplex.
Doch Mikey gab mir keine Antwort und richtete seinen Blick wieder nach draußen.
Ich seufzte und suchte mir einen anderen Platz. Diese Brüder sollte einer verstehen.
Einer undurchsichtiger als der andere. Aber okay. Dann wollte Mikey eben nicht mehr, dass ich neben ihm saß. Mir war es gleich.
Gelangweilt folgte ich dem Unterricht. Lieber hätte ich jetzt mit Mikey über unsere Lieblingsbands gefachsimpelt oder so etwas in der Art.
Erst jetzt bemerkt ich, wie sehr ich schon an die Gespräche mit ihm gewöhnt war.
Das war nicht gut. Es war nicht gut, sich an irgendetwas hier zu gewöhnen. Sollte ich Mikey deshalb vielleicht sogar dankbar sein? Schließlich machte er es mir so einfacher.

Es klingelte. Doch so richtig darüber freuen, dass ich jetzt nach Hause konnte, konnte ich mich nicht. Ich wusste, dass dieser Tag nur noch schlimmer werden konnte. Widerwillig stand ich auf und verließ das Schulhaus um mich auf den Heimweg zu machen. Diesmal wieder allein. Die letzten beiden Tage war ich mit Mikey nach Hause gegangen. Heute hatte ich ihn nach dem Unterricht nicht mehr entdeckt. Am liebsten hätte ich ihn noch einmal darauf angesprochen. Es interessierte mich schon, warum er auf einmal so abweisend war. Hatte ich vielleicht irgendwas Falsches gesagt? Ich könnte mich nicht entsinnen.
Zuhause angekommen, schmiss ich meine Schulsachen in die Ecke, legte eine CD ein und stellte diese so laut wie möglich.
Ich ging zu meinem Bett und ließ mich drauf fallen. Ich lauschte der Musik und brauchte einmal über nichts nachdenken, nicht über das was heute in der Schule passiert war und nicht über das was heute noch kommen würde.
Ich konnte einfach nur da liegen und entspannen. Ich griff mir eine Zigarette aus der Schachtel, die auf meinem Nachtschränkchen lag, und steckte sie mir an. Meine Mutter mochte es zwar nicht, wenn ich im Haus rauchte, aber das war mir gerade mehr als egal.
Ich inhalierte den Rauch, stieß ihn kurze Zeit später wieder aus und beobachtete wie er sich im Raum verteilte.

Ich wusste nicht wie lange ich einfach nur so dalag, hatte jegliches Gefühl für die Zeit verloren. Nichts um mich herum nahm ich mehr war, nicht einmal dass die CD schon längst zu ende war.
Erst als das Telefon begann zu klingeln, schrak ich auf. Ich beschloss es einfach klingeln zulassen. Erstens weil ich keine Lust auf irgendeine Art von Kommunikation hatte und zweitens weil es sowieso nicht für mich sein konnte.
Aber der Anrufer ließ sich nicht so einfach abwimmeln und das stetige Klingeln setzte mir langsam zu. Als es nach 5 Minuten immer noch nicht aufgehörte hatte, stand ich murrend auf.

„Ja?“, knurrte ich in den Hörer.
Eine zeitlang war es still, bis ich ein leichtes Räuspern vernehmen konnte und schließlich auch eine weibliche Stimme ertönte.
„Frank?“
Beinahe wäre mir das Telefon aus der Hand gefallen, so erschrocken war ich darüber, diese Stimme zu hören. Ich wusste genau wer am anderen Ende der Leitung war, wusste genau warum sie anrief. Und deswegen dachte ich auch daran sofort wieder aufzulegen. Aber ich konnte nicht.
„Frank…“, ertönte es wieder.
Ich schwieg eine zeitlang und sie wartete.
„Woher hast du meine Nummer?“, fragte ich und hätte mich am liebsten danach selber gleich geohrfeigt. So viele Fragen schwirrten mir durch den Kopf und gerade die dümmste musste ich aussprechen.
„Das tut nichts zur Sache.“, antwortete sie leise und mir schien, dass sie nicht überrascht von meiner Frage gewesen war.
Wieder trat schweigen ein.
Ich hatte versucht das alles zu Verdrängen. Doch ich war gescheitert, da es mich jetzt wieder einholte, aber das konnte ich nicht zulassen.
„Wieso hast du sie mir nicht von dir aus gegeben?“, fragte sie mich nun.
Ich überlegte. Wie sollte ich ihr das denn erklären? Sie würde mich sowieso nicht verstehen. Sie wusste nicht wie es war. Ich hatte schon versucht es ihr zu erklären, warum ich nicht wollte, dass wir weiter in Kontakt blieben.
„Das weißt du. Es hat keinen Sinn.“, erwiderte ich nur.
„Natürlich hat es keinen Sinn, wenn du von Anfang an davon ausgehst, dass es nicht funktioniert. Warum?“, sagte sie nun schon etwas lauter. Ich war es leid. Oft genug hatten wir diese Diskussion schon geführt, nachdem verstand, dass ich umziehen würde.
„Ich weiß, dass es nicht funktionieren würde. Versteh mich doch.“, bat ich sie. Wir sollten das einfach ruhen lassen.
„Tut mir leid ich kann dich nicht verstehen. Ich liebe dich doch. Wieso tust du das?“, fragte sie mich. Wieso ich das tat? Ich konnte einfach nicht anders.
„Es ist das Beste so.“, erklärte ich.
„Das Beste für wen? Für mich ist es nicht das Beste.“, fuhr sie mich an. Sie bemerkte aber, dass es nicht der richtige Ton war um mit mir ein Gespräch zu führen und fügte leiser hinzu: „Ich vermisse dich.“
„Das Beste für mich.“, sagte ich und ging auf das letzte gar nicht ein.
Ich hörte wie sie am anderen Ende schluckte, wie schwer es ihr fiel weiter zu reden.
„Vermisst du mich nicht?“, fragte sie und ihre Stimme war kurz vorm Versagen.
Ich antwortete nicht, konnte vernehmen wie sie anfing zu schluchzen.
„Liebst du mich noch?“, fragte sie weiter und es fiel ihr immer schwerer.
Die Frage vor der ich mich gefürchtet hatte, aber genau wusste, dass sie kommen würde. Ich hätte gleich auflegen sollen. Es war keinen geholfen, wenn wir uns etwas vormachten. Wir waren zu weit von einander entfernt.
„Nein.“, erwiderte ich.


Kapitel 5 - I’m not okay (I promise)

Mary. Meine Freundin aus New York. Ich hatte sie weinen hören kurz bevor sie ohne ein weiteres Wort aufgelegt hatte. Danach hatte ich mir meine Jacke gegriffen und war nach draußen gestürmt. Und hier war ich nun. Orientierungslos lief ich durch die Straßen. Ich war wütend, auf sie, auf mich und diese Wut musste ich irgendwie abreagieren.
Warum musste sie sich jetzt melden? Warum heute? Warum überhaupt?
Ich hatte sie vergessen wollen und ihr gesagt, dass ich keine Fernbeziehung führen wollte. Wieso hatte sie das nicht akzeptieren können? Und wieso war ich so blöd. Ich hätte wissen sollen, dass das sie sich nicht so einfach damit zufrieden geben würde.
Ich zündete mir eine Zigarette an und zog hektisch daran.
In mir herrschte das reinste Chaos. Ich wusste nicht was ich denken sollte, wusste nicht wie ich fühlen sollte. Aber es brach mir das Herz, dass ich sie verletzten musste. Doch es ging nicht anders. Es gab einfach keinen anderen Weg. Ich wusste, dass es nicht lange gut gehen würde. Also warum sollten wie uns unnötig quälen?
Ich hatte eine schöne Zeit mit ihr und hatte sie wirklich gemocht. Aber ich war nicht mehr in New York. Das alles war vorbei.

Als ich wieder zu hause ankam war es bereits dunkel. Wir ging es zwar kein Stück besser, aber ich entschied mich jetzt mich auf den Weg zu Amys Party zu machen. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es bereits nach neun war. Deshalb ließ ich mir Zeit, zu spät war ich sowieso. Ich kramte den Zettel, den sie mir gegeben hatte, hervor und folgte den Beschreibungen. Es dauerte nicht lange bis ich vor einem großen Haus zum stehen kam. Laute Musik dröhnte heraus. Okay nicht unbedingt mein Geschmack. Aber ich wollte mich sowieso nur mal kurz blicken lassen und dann wieder verschwinden.
Die Party schien schon im vollen Gange zu sein, als ich eintrat und mein Blick prüfend schweifen ließ. Es war sehr voll. Überall standen Leute mit roten Plastikbechern in der Hand, redeten auf einander ein, lachten und bewegten sich zur Musik, sodass kaum Platz zum gehen war. Ich drängte mich dennoch durch die Menge in die Küche. Wenn ich schon mal hier war, konnte ich auch was trinken.
Die Küche war bis auf die anderen Räume leer, bis auf ein Pärchen, dass heftig knutschend gegen die Wand gelehnt war und sich förmlich auszog.
Ich drückte mich an ihnen vorbei, nahm mir einen der Becher und setzte meinen Weg fort.

„Fraaaank.“, hörte ich ein Kreischen und drehte mich in die Richtung aus der ich es vermutete. Und Richtig. Von dort kam Amy freudestrahlend auf mich zugelaufen.
„Da bist du ja endlich. Ich dachte du kommst nicht.“, sagte sie gespielt schmollend, lächelte mich kurz danach aber wieder an.
„Komm die anderen erwarten dich auch schon.“, sagte sie und zog mich am Arm hinter sich her.
„Warum kommst du denn erst jetzt?“, fragte sie, während sie mich nach draußen führte.
Was sollte ich ihr denn sagen? Das mich der Anruf meiner Freundin so aus der Bahn geworfen hatte, dass ich einfach die Zeit vergessen hatte?
„Mir ist was dazwischen gekommen.“, sagte ich stattdessen nur und fand mich zwischen ein paar bekannten Gesichter wieder.
Ben, David und Lucy saßen auf einer kleinen Bank, ebenfalls mit je einem Becher in der Hand, und unterhielten sich mit einigen Leuten, die ich nicht kannte.
Amy, welche gleich mit in das Gespräch einstieg, und ich setzen uns dazu.
Ich hörte eine Weile zu und trank meinen Becher aus, der mir kurz daraufhin gleich wieder nachgefüllt wurde. Das ging eine ganz Zeit lang so, bis ich bemerkte wie der Alkohol langsam wirkte. Nach einiger Zeit schaltete ich ab, starrte vor mich hin, genoss das berauschende Gefühl und trank noch mehr.

Kurz darauf tauchte auch Jessica wie aus dem Nichts auf und setzte sich neben mich.
„Oh Frank du bist ja auch endlich da. Amy wäre vorhin schon fast ausgeflippt, weil du nicht aufgetaucht bist.“, flüsterte sie mir ins Ohr.
„Ach wirklich?“, gab ich teilnahmslos zurück. Mich interessiert es kein bisschen, dass sie auf mich gewartet hatte.
„Sie nervt dich wohl ganz schön, was?“, fragte sie mich daraufhin.
Seufzend nickte ich. „Das ist gar kein Ausdruck.“, erwiderte ich und konnte Jess leise lachen hören.
„Mich nervt sie auch.“, erklärte sie mir. Sie redete so leise, dass nur ich sie verstehen konnte. Sowieso wurden wir von den anderen nicht beachtet, da sie zu vertieft in ihr eigenes Gespräch waren.
Ich schaute sie fragend an und sie sprach weiter. „Meine Eltern sind mit ihren befreundet und sie wollen, dass wir das auch sind.“
„Das ist also der Grund. Ich hatte mich schon gefragt, warum du dich mit ihnen abgibst. Du passt da irgendwie nicht rein.“, erwiderte ich und grinste sie leicht an.
Sie erwiderte mein Grinsen. „Das hast du echt mitbekommen?“, fragte sie.
Ich nickte bestätigend. „Ja ich weiß nicht. Du bist irgendwie anders, viel netter. Und ich denke mit dir kann man sich auch über mehr als nur Make Up und Jungs unterhalten.“, erläuterte ich ihr und ihr Grinsen wurde breiter.
„Danke, dass kann ich nur zurückgeben, also das mit dem anders und nett. Ehrlich gesagt kann ich auch gar nicht verstehen warum dir Amy so hinterher rennt. Normalerweise hat sie nicht so einen guten Geschmack.“, sagte sie und zwinkerte mir zu. Ich lachte auf. „Sollte das jetzt ein Kompliment sein?“, fragte ich nach.
Sie nickte lächelnd. „Ja und ich find dich wirklich sehr nett, nicht so wie die anderen, die ein paar Vorurteile gegen dich haben, weil sie dich mal mit Gerard reden sahen.“
Ich zog eine Grimasse. „Bei euch muss man ja wirklich aufpassen mit wem man redet.“
„Allerdings.“, erwiderte sie und lächelte gequält. „Das ist der Grund, warum ich noch hier sitze.“
Ich verstand sie. Wer wollte schon gern der sein auf dem alle rumhackten? „Ich versteh dich sehr gut. Ich war nicht in jeder Stadt wirklich beliebt. Ich war sehr oft derjenige, den sie fertig gemacht hatten. Aber ich hatte dennoch Freunde, nicht viele, aber richtige Freunde, die das ganze erträglicher gemacht haben.“, erzählte ich ihr.
„Du musst das alles vermissen, oder?“
Ich senkte den Kopf und zuckte mit den Schultern. „Es muss weitergehen“, sagte ich und schaute zu ihr. Sie schenkte mir ein warmes Lächeln. Ich weiß nicht warum, aber in diesem Moment kam mir Mary in den Sinn. Ihr Lächeln. Es hatte für mich die Welt bedeutet. Es hatte mich aufgeheitert, wenn ich traurig war. Ich hatte es so an ihr geliebt. Schnell schaute ich wieder weg und schlug die Augen zu, um die aufsteigenden Tränen zu unterbinden.
„Hey, was ist? Hab ich was Falsches gesagt?“, fragte sie besorgt und bekam nur ein Kopfschütteln meinerseits als Antwort.
Nachdem ich sichergehen konnte, dass ich es geschafft hatte die Tränen bekämpft zu haben, öffnete ich die Augen wieder und starrte vor mich ins Leere.
„Ich merk doch das was nicht stimmt. Mir kannst du es doch sagen.“, drängte sie mich.
Ich blickte wieder zu ihr und überlegte, ob ich mich ihr anvertrauen sollte.
„Keine Angst. Ich behalt es auch für mich.“, sagte sie und lächelte mich ermutigend an.
Ich gab einen kleinen Seufzer von mir und gab mich geschlagen.
„Ach…Ich musste nur grad an meine Freundin aus New York denken. Ich…Sie hat mich heute angerufen…und…na ja ich hab sozusagen Schluss gemacht…ich denke so könnte man das nennen…ja“, erklärte ich ihr und konnte dabei einen traurigen Unterton nicht vermeiden. Mitleidig sah Jess mich an. „Das tut mit wirklich leid.“

„Komm mit“, sagte sie kurz darauf und ergriff meine Hand. Völlig überrumpelt folgte ich ihr. „Wo willst du hin?“, wollte ich wissen.
Doch sie schüttelte nur ihren Kopf. „Wirst du schon noch früh genug sehen.“
Wir gingen nach drinnen. Sie führte mich durch die, nun schon sehr angetrunkene, Meute, schaute prüfend in alle Richtungen und folgte anschließend einer Treppe nach oben.
Ich war unsicher auf was das hinauslaufen sollte, folgte ihr aber stillschweigend. Sie schaute sich noch einmal um, bevor sie eine Tür öffnete. Nachdem wir beide den Raum betreten hatten, schloss sie diese wieder und drehte sich dann zu mir um.
„Ich hab gedacht hier haben wir etwas mehr Ruhe.“, sagte sie und lächelte mich wieder an. Erst jetzt schaute ich mich im Zimmer um und musste erkennen, dass wir anscheinend in Amys gelandet waren.
Ich hatte nicht bemerkt, wie Jess auf mich zukam und erschrak als ich plötzlich ihre Hand auf meinem Arm spürte.
Verwirrt schaute ich sie an. Und da war es wieder. Dieses Lächeln. Sie ließ ihre Hand an meinem Arm hinunter gleiten.
„Ich denke du brauchst etwas Ablenkung.“, flüsterte sie mir ins Ohr und tat noch einen Schritt auf mich zu. Es war offensichtlich welche Art von Ablenkung sie meinte. Ich mochte sie. Aber so?
„Denk nicht über Richtig oder Falsch nach.“, sagte sie, da sie merkte, dass ich zögerte.
Um es mir leichter zu machen, drückte sie sich nun noch enger an mich, sodass sich unsere Körper berührten, mir die ganze Zeit in die Augen blickend, beugte sie sich dann zu mir vor und hauchte mir einen leichten Kuss auf die Lippen.
Wieder lächelte sie mich an, bevor sie ihre Lippen ein weiteres Mal die meinen berührten, fordernder. Und ohne groß weiter darüber nachzudenken, erwiderte ich ihn. Wahrscheinlich trug auch der Alkohol in meinem Blut einen großen Anteil daran.
Der Kuss wurde immer intensiver. Ich strich ihr mit meiner Zunge über die Unterlippe, woraufhin sie ihren Mund öffnete und mir mit ihrer entgegen kam. Zärtlich umspielte sie meine, während sie ihre Hände über meinen Körper wandern ließ.
Ich verschwendete keinen Gedanken mehr daran was wir hier taten. Ich tat es einfach.
Ihre Hände hatten den Weg unter mein Shirt gefunden und streichelten meine Haut, die darunter zum Vorschein kam, bevor sie mir mein Shirt über den Kopf zog, um mich danach wieder in einen innigen Kuss zu verwickeln. Ich tat es ihr gleich und einige Moment später lagen auch unsere restlichen Sachen auf dem Boden verstreut.
Sie legte eine Hand in meinen Nacken und zog mich so mit ihr zum Bett.
Kurz davor blieb sie stehen und ließ sich langsam nach hinten fallen, während sie meine Hand ergriff und ich ihr folgte. Ich stützte mich mit meinen Armen zu beiden Seiten von ihr ab. Wieder fanden sich unsere Lippen zu einem Kuss zusammen, während ihre Hände weiter meinen Körper erkundeten.
Ich löste mich von ihr und ließ meinen Mund ihren Hals hinunter gleiten, bedeckte ihren Oberkörper mit zarten Küssen.
Sie zog mich wieder zu sich herauf, sah mich herausfordernd an, gleichzeitig ließ sie ihre Hand immer tiefer wandern. Ich legte den Kopf in den Nacken und stöhnte auf, als sie ihre Hand um mein Glied legte und es sanft massierte.

„Frank. Ich will dich.“, hauchte sie mir ins Ohr, „Jetzt.“
Sie entfernte ihre Hand wieder legte sie mir in den Nacken um mich für einen weiteren Kuss nach unten zuziehen.
Ihrer Aufforderung nachkommend platzierte ich mich vor ihr und drang mit einem kräftigen Stoß in sie ein, worauf sie ein leises Stöhnen von sich gab. Sie bog sich mir entgegen, damit ich noch besser und tiefer in sie eindringen konnte.
"Nimm mich. Härter.", flehte sie und ich grinste in mich hinein, doch kam ihrer Bitte nach, zog mich aus ihr zurück und stieß noch einmal kräftiger zu. Sie zog meinen Kopf zu sich herunter und stöhnte mir leise ins Ohr, was mich nur noch mehr dazu anspornte kräftiger zuzustoßen. Ich wollte sie stöhnen hören. Laut.
Ich richtete mich auf umfasste ihre Hüften und zog sie näher an mich heran. Wieder zog ich mich ein Stück aus ihr heraus, hob ihr Becken leicht an und stieß wieder zu. Sie presste die Lippen aufeinander und verhinderte so, dass sie laut aufstöhnte.

Ich spürte wie ich mich auf meinen Höhepunkt zu bewegte, als ein Schluchzen an mein Ohr drang. Ich öffnete die Augen und sah wie Jess weinend unter mir lag. "Bitte Frank, lass mich los... Ich will nicht, lass mich los...“, schluchzte sie.
Was zum Teufel ging hier vor?
"Tu mir das nicht an! Ich will das nicht. Geh von mir runter! Lass mich los“, sagte sie erneut und die Tränen rannen ihre Wangen hinunter. Erschrocken schaute ich sie an, entfernte mich aber langsam von ihr.
Ich zog mich aus ihr zurück und stand vom Bett auf, völlig verwirrt.
Was war in sie gefahren?
Ich erstarrte, als ich bemerkte, dass wir nicht mehr allein im Zimmer waren. An der Tür stand Amy mit vor Schock geweiteten Augen.


Kapitel 6 - It has to be this way

Ich knallte die Tür hinter mir zu und ging in irgendeine Richtung. Ich wollte einfach nur weit weg. Ich hatte gewusst, dass diese Party schrecklich werden würde. Wieso war ich nur hergekommen?
Wieder stieg die Wut in mir hoch. Diesmal war es nur reine Wut auf mich. Ich hatte Jess so was nicht zu getraut. Ich fühlte mich benutzt und aufs übelste hintergangen.
Warum hatte ich mir nur auf sie eingelassen? Sie hatte meine Situation schamlos ausgenutzt. Ich hatte ihr erzählt, dass ich traurig war wegen May. Sie hatte bemerkt, dass ich betrunken war. Wie konnte ich nur so blind sein? Aber wie hätte ich ahnen sollen, dass sie so eine hinterhältige Schlampe ist?
Dennoch hatte ich dem ganzen auch etwas Gutes zu verdanken. Amy wollte nichts mehr mit mir zu tun haben und ich hatte ihr gesagt, dass diese Nachricht besser als jeder Orgasmus war. Dabei hatte ich mir wieder meine Sachen angezogen und war ohne ein weiteres Wort verschwunden.
Nun lief ich durch die leeren Straßen, wünschte mich weit weg.

Nach einiger Zeit entdeckte ich einen Park vor mir. Schnellen Schrittes lief ich darauf zu und ließ mich auf einer Bank nieder. Mein Gesicht vergrub ich in meinen Händen.
Ich war fertig, wollte einfach nicht mehr. Ich hasste New Jersey. Ich wollte weg von hier.
Wieso ich? Wieso konnte ich nicht einfach eine Mutter mit einem normalen Job haben. Dann könnte ich jetzt noch in New York sein mit meinen Freunden, mit Mary.
Wie so oft fühlte ich mich als ob ich gescheitert wäre. Ich hatte das alles verdrängen wollen. Wollte das alles hier hassen. Jetzt hasste ich es und es ging mir nicht besser.
Tränen rannen meine Wangen hinunter. Ich hatte alle Gefühle von mir abschotten, New York vergessen wollen. Es gelang mir einfach nicht.

Ich erschrak als ich merkte wie sich auf der anderen Seite der Bank jemand niederließ. Mein Kopf schnellte nach oben. Gerard. Der hatte mir gerade noch gefehlt. Was tat er hier?
Schnell versucht ich die Tränen von meinem Gesicht zu wischen, damit er nicht bemerkte dass ich geweint hatte.
„Gib dir keine Mühe.“, durchbrach seine Stimme die ruhige Nacht.
Ich schüttelte den Kopf. Dieser Typ verwirrte mich und ich fühlte mich gerade sehr unbehaglich in seiner Gesellschaft.
„Willst du drüber reden?“, fragte er mich, nachdem wir einige Zeit schweigend nebeneinander gesessen hatten. Argwöhnisch musterte ich ihn. Warum sollte ich ausgerechnet mit ihm darüber reden?
„Haha ich weiß, dass du denkst. Warum solltest du mir erzählen was dich bedrückt. Aber ich weiß auch, dass du es tun wirst.“
Ach würde ich das? Was machte ihn da so sicher? Wer gab mir die Garantie, dass das was ich ihm erzählte unter uns blieb. Okay am Montag würde es sowieso die ganze Schule wissen und vielleicht würde es helfen mit jemanden darüber zu reden. Ich hatte sonst niemanden dem ich mich anvertrauen könnte. Aber was machte ihn so sicher, dass ich tatsächlich darüber nachdachte es ihm zu erzählen. Ich zögerte dennoch.
„Nun mach schon. Wir haben nicht ewig zeit.“, drängte er mich.
Und so geschah es, dass ich ihm alles erzählte was mich bedrückte.

„Du hast mit dieser Jess gepoppt und als Amy rein kam, hat sie so getan als ob du sie vergewaltigen würdest?“, fragte er nach und brach danach in schallendes Gelächter aus.
„Das ist echt gut.“, presste er heraus, während er nach Luft rang.
Ich sagte nichts, beobachte ihn nur und verfluchte mich dafür, das ich es ihm erzählt hatte.
„Du bist ja echt gut darin dich unbeliebt zu machen.“, sagte Gerard und kicherte immer noch vor sich hin. „Und das in einer Woche. Von oben nach ganz unten. Respekt. Wäre ich beliebt, würde ich mir was von dir abschauen.“
Ich rollte mit den Augen. Wieso geriet ich eigentlich immer an die falschen Leute?
„Gerard…“, erhob ich meine Stimme.
„Hm?“, erwiderte er und schaute mich aufmerksam an, so als ob er noch so eine Geschichte von mir erwartete.
„Halt einfach die Fresse.“
Auf seinem Gesicht bildete sich ein Grinsen ab.
„Nein ich bewundere dich wirklich. Das muss Rekord sein. Und sei froh jetzt rennen dir diese nervenden Weiber nicht mehr hinterher, weil sie Angst haben du fällst über sie her“, lachte er, „Das ist doch was du immer wolltest.“
In diesem Punkt musste ich ihm Recht geben. Amy würde mir ab sofort nicht mehr hinterher laufen. Trotzdem tat es weh ihn darüber lachen zuhören.
„Hätte ich dir das doch bloß nicht erzählt.“, sagte ich und senkte meinen Blick gen Boden.
In den Augenwinkeln konnte ich erkennen wie er energisch den Kopf schüttelte.
„Nein. Das war gut. Vielleicht kann ich dir ja die Augen öffnen.“, erwiderte er und ließ mich so zu ihm aufschauen.
„Du willst mir die Augen öffnen?“, fragte ich verwundert, „ Meine Augen sind offen!“
Wieder lachte Gerard auf.
„Nein ganz und gar nicht. Ich meine wieso hast du deine Zeit mit Amy verschwendet? Okay schon klar. Du willst keine Freunde. Also hängst du mit Leuten ab die du auf den Tod nicht ausstehen kannst und wo du sicher gehen kannst, dass sich keine Freundschaften entwickeln. Du sagst deiner Freundin, dass du sie nicht mehr liebst. Aber allem Anschein nach ist genau das Gegenteil der Fall. Sonst wärst du heute Abend nicht über Jessica hergefallen und würdest jetzt nicht wie ein Häufchen Elend vor mir sitzen. Und alles nur um dich zu schützen. Das ist erbärmlich Frank.“
Während er sprach, schüttelte ich den Kopf, wollte seine Worte abschütteln.
„Rede nicht über Dinge von denen du keine Ahnung hast. Du weißt nicht wie es ist ständig umziehen zu müssen und ständig Menschen zu verlieren, die man liebt.“, erklärte ich ihm und bei den Worten, liefen wieder vereinzelte Träne über meine Wangen.
„Da magst du Recht haben. Aber ich weiß wie es ist keine Freunde zu haben. Also warum quälst du dich so? Und du sagst du verlierst Menschen, die du liebst. Ganz unschuldig scheinst du daran nicht zu sein.“
„Was hätte ich denn tun sollen? Eine Fernbeziehung würde nichts bringen.“, erklärte ich ihm. Langsam wurde ich es leid. Warum verstand mich denn niemand?
„Du hast es noch nicht einmal versucht. Soweit ist New York nun nicht entfernt.“, erwiderte er, schien es immer noch nicht begriffen zu haben.
„Und was ist wenn ich nächsten Monat wieder in eine andere Stadt ziehe. In eine die auf der anderen Seite der Welt liegt. Es würde sowieso kaputt gehen. Also warum versuchen?“
„Du bist ein Feigling.“, sagte er trocken.
Erschrocken starrte ich ihn an und spürte wieder die bekannte Wut in mir aufsteigen.
„Wieso bist du hier? Verfolgst du mich oder so? Lass mich einfach allein.“, fuhr ich ihn an.
„Ich wohn da drüben“, erklärte er mir und zeigte auf ein Haus vor uns. „Ich hab dich gesehen und da es hier auch nicht gerade ungefährlich ist, dachte ich mir, ich leiste dir Gesellschaft und helfe dir. Aber du bist noch verbohrter als ich gedacht hatte.“
Der hatte sie doch nicht mehr alle. „Das nennst du Hilfe? Erst lachst du darüber und dann erniedrigst du mich. Also lass mich einfach allein. Ich brauch deine gottverdammte Hilfe nicht.“, schrie ich ihn an.
„Wie du willst.“, sagte er und stand auf.
Er ging ein paar Schritte, bevor er sich noch einmal zu mir umdrehte.
„Frank. Tu mir einen Gefallen ja?“
Ich wendete meinen Kopf von ihm ab. Wieso sollte ich ihm einen Gefallen tun?
„Geh nach Hause, schlaf und denk noch mal über meine Worte nach.“, sagte er, machte kehrt und verschwand.

Ich blieb allein in diesem Park zurück. Die Tränen übermannten mich wieder.
War ich wirklich ein Feigling? War mein Verhalten erbärmlich?
Ich war doch nur realistisch. Das mit Mary und mir hätte keine Zukunft gehabt. Oder machte ich mir da etwas vor. War ich vielleicht wirklich so verbohrt, wie er sagte?
Nein. Gerard konnte nicht Recht haben. Nein. Ich war kein Feigling. Nein verdammt!
Ich stand auf, verließ den Park und machte mich auf den Heimweg, weil ich es dort einfach nicht mehr länger ausgehalten hätte. Das einzige wonach ich mich jetzt wirklich sehnte war mein Bett. Ich wollte diesen Tag einfach so schnell wie möglich vergessen.
Oh Jesus. Jetzt machte ich sogar schon was er mir sagte. Das durfte doch nicht wahr sein.


Kapitel 7 - A drink for the horror that I'm in

Der folgende Montag war die Hölle. Egal wo ich lang lief, ich wurde schief angeguckt und sobald ich vorbei war, fing das Gerede an. Zudem wurde ich noch von Leuten , mit denen ich vorher nie etwas zu tun hatte, dumm angemacht.
Aber bitte sollten sie sich doch das Maul über mich zerreißen.
Sie hatten doch alle keine Ahnung. Sie hatten keine Ahnung was an dem Abend passiert war, wussten nicht, dass es Jessica genauso gewollt hatte wie ich in diesem Moment. Ja ich hatte es gewollt. Doch wenn ich jetzt daran dachte, wurde mir übel.
Ich hatte immer noch keine Erklärung warum Jess das getan hatte. Ob sie wirklich nur eine hinterhältige Schlange war, die andere fertig machen wollte oder ob es einen anderen Grund gab. Das wusste nur sie.
Alle anderen glaubten nur dem wie es für Amy aussah. Aber dem war nicht so. Doch wer würde mir das schon glauben? Okay. Gerard hatte mir geglaubt, dachte ich zumindest.
Aber was wusste Gerard schon? Nichts. Er kannte mich nicht, konnte sich nicht in meine Situation hinein versetzen. Ich hatte noch mal über seine Worte nachgedacht, hatte ihm diesen Gefallen getan. Dennoch war ich der Überzeugung, dass es richtig war, das ich das mit Mary beendet hatte. Dann war ich in seinen Augen eben ein Feigling. Mir war egal was er von mir hielt. Er hatte keine Ahnung wie ich mich fühlte. Und ich fühlte mich beschissen.

Der Schultag kam mir länger vor, als er überhaupt war. Den Unterricht ließ ich an mir vorbei ziehen, hing lieber meinen eigenen Gedanken nach.
In den Pausen versuchte ich so unauffällig wie möglich zu sein, was mir nicht wirklich gelang, da immer und überall die Blicke auf mich gerichtet waren. Amy und Jessica ging ich aus dem Weg, genauso wie ihren Freunden. Sie würden nicht gut auf mich zu sprechen sein, so viel war klar.
Auch von Mikey hielt ich mich fern. Hingegen zu allen anderen, würdigte er mich keines Blickes mehr und das hielt ich nicht aus. Ich wollte wissen, wieso er das tat, aber er redete nicht mit mir.
Vor wem ich mich aber meisten versteckte war Gerard.
Deshalb verzog ich mich so gut wie jede Pause auf die Toilette, schloss mich in eine der Kabinen ein und war froh Ruhe zu haben.

Ich hatte gerade meinen Spind erreicht. Die Schule war schon lange vorbei. Ich hatte so lange gewartet bis die meisten Schüler nach hause gegangen waren, sodass ich ungestört durch die Gänge laufen konnte. Ich nahm mir zwei Bücher heraus und erstarrte als ich Schritte hinter mir hörte. Schnell schlug ich die Tür zu und drehte mich um.
Ben, David und noch ein Furcht einflößender Typ, dessen Namen ich zwar nicht wusste, mir aber von der Party bekannt vorkam, kamen hämisch grinsend auf mich zu.
„Hallo Frank“, sagte David.
In mir verkrampfte sich alles. Ich wusste, dass sie nicht hier waren um sich nett mit mir zu unterhalten. Aber bevor ich reagieren konnte, standen schon Ben und der andere Typ neben mir, einer links, der andere recht von mir.
„Du solltest hier nicht so allein rumlaufen. In dieser Schule ist es nicht mehr sicher für dich, nachdem solche Sachen über dich geredet werden.“, sagte David und sein Grinsen wurde noch breiter.
Ich erwiderte nichts, wusste dass es nichts bringen würde.
David nickte den anderen beiden zu, welche darauf einen Schritt auf mich zu taten und meine beiden Arme umfassten. Jetzt gab es nun wirklich keinen Ausweg wer. Die beiden waren viel größer und stärker als ich. Dagegen hatte ich keine Chance. Ich versuchte mich zwar aus ihrem Griff zu befreien, was aber zu Folge hatte, dass sie mich nur noch stärker festhielten und mich an die Schließfächer hinter mir drückten.
„Weißt du es ist nicht nett ein Mädchen zu zwingen, mit einem zu ficken“, ertönte wieder Davids Stimme und mit diesen Worten schnellte seine Faust in meinen Bauch.
Ich stöhnte vor schmerz laut auf, sackte etwas in mich zusammen, wurde aber dennoch von den anderen beiden zum Stehen gezwungen.
„Jämmerlich, wirklich jämmerlich Frank, wenn du das nötig hast.“
Wieder holte er aus und traf mich am Kinn. Mein Kopf wurde mit voller Wucht zur Seite gedreht und nach hinten gegen meinen Spind geschleudert.
Ich schmeckte Blut, da meine Lippe durch den Aufprall aufgeplatzt war.
Abwechselnd trat oder schlug mir David in den Bauch beziehungsweise in mein Gesicht.
„FASS…SIE…NIE…WIEDER…AN“, schrie er und schlug mir mit jedem Wort härter ins Gesicht. Ich ließ alles über mich ergehen.

„Wenn du das noch mal tun solltest, geht es nicht so glimpflich für dich aus. Also Finger weg.“
Er packte mich mit beiden Händen an den Schultern, schenkte mir einen eiskalten Blick, bevor er mich wieder breit angrinste und mir sein Knie dorthin rammte, wo es am meisten wehtat.
Ich keuchte auf, aber ich hätte schreien können. Ohne mich noch eines Blickes zu würdigen, drehte sich David um. „Halt dich an Gerard, der besorgt es dir freiwillig.“, rief er noch. Die Anderen ließen mich los und machten sich mit ihm zusammen aus dem Staub.
Mit zusammen gekniffenen Augen sackte ich in mich zusammen und ließ mich nach vorne fallen. Mit beiden Armen, die ebenfalls schmerzten, stütze ich mich ab und atmete tief durch.

Ich erschrak als ich wieder Schritte vernahm und ausgelatschte Schuhe in meinem Blickfeld auftauchten. Ich schaute nach oben, erkannte Gerard.
Der war aber auch überall. Langsam bekam ich echt Angst vor ihm.
„Hier“, sagte er und hielt mir ein Taschentuch hin, worauf ich ihn fassungslos anstarrte. „Du hast da was“, erklärte er mir und zeigte mit dem Finger auf seine Lippe. Ich stöhnte auf, als ob ich keine besseren Sorgen hätte. Ich riss ihm das Taschentuch aus der Hand, wischte mir das Blut aus dem Gesicht und richtete mich dann unter schmerzen auf.
Gequält lächelte ich ihn an.
„Danke.“, sagte ich, drückte ihm das blutige Taschentuch gegen seine Brust und versuchte so schnell wie möglich diesen Ort zu verlassen. Doch jeder Schritt bedeutete neue Schmerzen. Solange ich aber in seinem Blickfeld war, ließ ich mich nichts anmerken.
Erst als ich um eine Ecke gebogen war, lehnte ich mich erschöpft gegen die Wand.
Ich ruhte mich kurze Zeit aus, bevor ich mich zur Toilette schleppte.

Erschrocken starrte ich mein Spiegelbild an. Ich sah schrecklich aus. Meine rechte Gesichtshälfte war bereits angeschwollen und ich konnte erkennen, wie sich ein riesiger Bluterguss entwickelte. Ich stützte mich auf einem der Waschbecken hab, ließ mein Kopf nach unten sinken. „Warum ich?“, fragte ich mich selbst die ganze Zeit. Was hatte ich denn getan?
Ich drehte den Wasserhahn auf, ließ das kalte Wasser in meine Handflächen fließen um mir danach das Gesicht damit zu waschen. Es half die Schmerzen ein wenig zu lindern, wenn auch nur für kurze Zeit.
Ich betrachte mich noch einmal im Spiegel, bevor ich meinen Blick angewidert abwendete.
Ich ging einige Schritte zurück, bis ich an die Wand stieß und ich kraftlos an ihr herunterrutschte.


Kapitel 8 - I should've been a better son

„Oh mein Gott Frank“, rief meine Mutter erschrocken, als sie mich erblickte. Schnell kam sie auf mich zu, umfasste mein Kinn und schaute sich den riesigen blauen Fleck an, der sich gebildet hatte.
„Was hast du wieder angestellt?“, fragte sie und sah mich vorwurfsvoll an.
„Nichts“, murmelte ich nur.
„Nach nichts sieht das aber nicht aus.“, sagte sie und deute mir mein Shirt hochzuziehen. Ich gehorchte und zeigte ihr auch die blauen Flecke auf meinem Oberkörper, worauf sie mich nur kopfschüttelnd ansah.
„Immer bringst du dich in irgendwelche Schwierigkeiten. Reiß dich doch endlich mal zusammen.“, sagte sie.
„Es war nicht meine Schuld.“, versuchte ich sie zu überzeugen, jedoch ohne Erfolg.
„Ach Frank. Ich weiß ja dass sich Jungs gerne mal prügeln. Aber in deinem Alter. Ihr solltet langsam wissen, dass Gewalt keine Lösung ist.“, mahnte sie.
„Ich weiß das. Das solltest du denen sagen, die dafür verantwortlich sind.“
„Du solltest auch wissen, dass man die Schuld nicht immer auf andere abwälzen kann.“
Ich wollte gerade wieder dazu ansetzen mich zu verteidigen, als sie mich unterbrach. „Geh nach oben. Ich will nichts mehr hören. Ich bin sehr enttäuscht von dir.“
Ich senkte niedergeschlagen den Kopf.
Es war kein gutes Gefühl, wenn einem die eigene Mutter nicht glaubte, der einzige Mensch, der eigentlich noch auf meiner Seite stehen sollte. Ich wollte nicht, dass sie enttäuscht von mir war. Aber was hätte ich denn tun sollen? Ich konnte doch nicht ahnen, dass die Sache mit Jessica ein so großes Ausmaß nehmen würde.
Ohne ein weiteres Wort ging ich in mein Zimmer, schmiss mich auf mein Bett.
Ich dachte daran zurück, wie ich diesen Ort verfluchen wollte. Jetzt hatte ich es erreicht. Ich wäre froh gewesen, wenn meine Mutter im nächsten Moment in mein Zimmer gekommen wäre und mir sagen würde, dass wir weiter müssten. Mir wäre sogar egal, wohin es gehen würde.
Aber diesen Gefallen tat sie mir nicht. Diese Nachricht kam nur immer dann wenn ich glücklich war. So wie ich diese Situation einschätzte würde ich hier versauern, würde ewig an dem mir so verhassten Ort bleiben.
Ich hatte die Enttäuschung in der Stimme meiner Mutter wirklich hören können. Sie wollte nichts lieber als das ich mich hier gut einlebte, dass ich hier zu recht kam, Freunde fand. Was tat ich? Das genaue Gegenteil. Ich hatte mir keine Mühe gegeben Freunde z finden, nutzte nur gleich die erste Gelegenheit um mit einem Mädchen zu schlafen, das ich gerade mal ein paar Tage kannte, und worauf ich verprügelt wurde.

Den darauf folgenden Tag blieb ich zu hause. Ich wollte nicht in dieses schreckliche Gebäude, wollte nicht wieder der jenige sein, den sie anstarrten.
Wenn meine Mutter es gewusst hätte, wäre sie wahrscheinlich noch enttäuschter als ohnehin schon. Aber ich hatte Glück. Sie verließ schon ganz früh am morgen das Haus und kam auch erst spätabends wieder. Und wenn sie es erfahren hätte? Was machte das jetzt noch?
Ich konnte mich immer noch nur unter Schmerzen bewegen. Trotzdem fand ich den Weg aus meinem Bett. Nachdem ich eine Kleinigkeit zu mir genommen hatte, zog ich mich an und verließ das Haus. Ich musste einfach raus, sonst wäre mir die Decke auf den Kopf gefallen.
Ohne es richtig zu realisieren zogen mich meine Schritte in den Park, in dem ich auf Gerard getroffen war. Ich wusste nicht warum es mich wieder hier her verschlagen hatte. Ohne weiter darüber nachzudenken, ließ ich mich auf einer Bank nieder. Es war die vom letzten Mal.
Eine ganze Zeitlang saß ich nur da, dachte nach und rauchte mir eine nach der anderen.
Der Park war ruhig. Nur ab und zu mal ein paar alte Leute, die durchliefen, sich auf eine der anderen Bänke setzten und die Sonne genossen.
Keiner schien mich wirklich zu beachten. Das tat gut.

Ich wusste nicht was mich so lange hier hielt. Aber mir kam es wie Stunden vor, die ich in diesem Park verbrachte. Ich dachte an das Gespräch mit Gerard zurück.
Er hatte gesagt, dass er gleich da gegenüber wohnte. Ich schaute mir das Haus an. Es war nicht sonderlich groß oder herausragend. Es war ein normales Haus, in dem, wie ich mir vorstellen konnte, man sicher wunderbar leben konnte.
Aber was interessierte es mich wie Gerard lebte? Von mir aus könnte er auch unter irgendeiner Brücke wohnen.
Ich konnte zwar nicht sagen, dass ich ihn kannte, aber mein Eindruck von ihm war nicht sonderlich gut. Er tauchte immer in den unmöglichsten Moment auf. Und mir schien es als würde er das nur zur Belustigung für sich tun. Anders konnte ich mir sein Verhalten nicht erklären. Er verwirrte mich und das schien ihm Spaß zu machen. Zwar hatte er gesagt, dass er mir helfen will, doch ich denke das war nur einer seiner Spielchen. Ich wusste nicht ob er ein Mensch war der gern so etwas tat.
Am Anfang tat er mir leid. Mittlerweile wusste ich nicht mehr was ich empfinden sollte.

Es begann schon dunkel zu werden, als ich mich wieder auf den Heimweg machte. Ich ließ mir Zeit, denn eigentlich wollte ich nicht nach Hause, wollte nicht den Gesichtsausdruck meiner Mutter sehen, wenn sie mich ansah.
Die Spuren, die David auf meinem Körper hinterlassen hatte, waren mehr als deutlich, wurden immer deutlicher.
Ich erschrak als ich sah, dass in unserem Haus Licht brannte. Sie war also schon zu Hause, viel früher als ich gedacht hatte.
Als ich eintrat, kam sie mir sofort entgegen.
„Da bist du ja.“, rief sie erleichtert, „Ich hab schon gedacht du hast dich schon wieder in irgendwelche Schwierigkeiten gebracht.“
Ich schüttelte den Kopf. „Ich war nur ein wenig draußen.“, antwortete ich ihr. Sie nickte nur abwesend und zeigte aufs Wohnzimmer.
„Du hast Besuch.“

Unsicher ging ich auf die Wohnzimmertür zu. Wer sollte mich besuchen? Aber noch viel wichtiger: Wer wusste wo ich wohnte? Mikey?
Ich legte meine Hand auf die Klinke. Ich sah keinen Grund warum mich Mikey besuchen sollte. Sein Bruder vielleicht? Der verfolgte mich ja sowieso über all hin. Aber was für einen Grund sollte er dies mal haben.
Ich kam also zu keinem wirklichen Ergebnis und musste um es herauszufinden, schon die Tür öffnen.
Ich drückte die Klinke herunter und die Tür von mir weg. Mit dem was ich sah, hätte ich nicht gerechnet.
„Frank“, rief sie und kam auf mich zu gelaufen. „Ich wollte mich bei dir entschuldigen.“
Es dauerte einige Momente, bis ich das realisierte und etwas sagen konnte. „Ich glaube, das kannst du dir sparen.“, erwiderte ich.
Sie hatte geweint, dass konnte ich deutlich erkennen. Doch mein Mitgefühl für sie war gleich null. „Aber Frank. Hör mir wenigstens zu auch wenn du mir nicht verzeihen kannst.“
Ich schüttelte abwehrend den Kopf. „Nein Jessica. Schau dir an was sie deinetwegen mit mir gemacht haben.“, sagte ich und deutete in mein Gesicht. „Ich will nichts hören, verstanden?“
„Aber…“, setzte sie an, kam aber nicht weiter, da ich sie unterbrach.
„Nein verdammt. Und jetzt geh.“ Mit diesen Wort trat ich aus der Tür, hielt ihr diese aber auf um ihr zuzeigen, dass ich es ernst meinte.
Sie senkte den Kopf, ging einige Schritte und drehte sich dann noch einmal zu mir um. Ich schaute sie nicht an.
„Ich hatte das wirklich nicht geplant, falls du das denkst. Aber ich hab einfach nicht den Mut mich gegen alles da zu stellen. Vielleicht verstehst du mich ja irgendwann.“
Ich regte mich nicht.
Sie senkte ihren Kopf wieder und verließ das Haus.


Kapitel 9 - 'Cause I mean this more than words can ever say

Die nächsten Tage liefen ungefähr genauso ab. Ich blieb der Schule fern, verbrachte meine Zeit lieber um durch die Gegend zu laufen.
Als ich am 3. Tag, nach Hause kam, stand meine Mutter mit wutverzerrtem Gesicht in der Tür, mich bereits erwartend.
„Woher kommst du?“, fragte sie mich.
„Aus der Schule“, log ich, wusste aber dass sie etwas ahnen musste. Und ich behielt Recht. Sie schüttelte mit dem Kopf. „Ich hab heute einen Anruf bekommen. Du warst seit Dienstag nicht in der Schule. Warum?“
Warum? Weil ich froh war die Schmerzen endlich los zu sein und mich nur noch die langsam verblassenden Flecke an David und seine Freunde erinnerten. Darum!
„Du glaubst mir doch sowieso nicht.“, gab ich zurück, drängte mich an ihr vorbei ins Haus.
Ungläubig starrte sie mich an. „Wieso sollte ich dir nicht glauben?“, fragte sie mich.
„Weil du mir nie etwas glaubst.“, schrie ich sie an, „Ich hab die blauen Flecken nicht, weil ich mich mit ein paar Jungen aus Spaß geprügelt habe. Nein! Die haben mich verprügelt, weil sie denken, dass ich Jessica, diese dumme Schlampe, vergewaltigen wollte. Hörst du Mum. DIE sind auf mich losgegangen. Ich habe nichts gemacht! Nichts! Und ich hab Angst. Ich hab eine Heidenangst, dass sie das noch mal tun.“
Ja das war der wirkliche Grund, warum ich nicht mehr dahin wollte. Ich war ein Feigling, verdammt. Gerard hatte Recht.
Ohne auf eine Antwort meiner Mutter zu warten, rauschte ich an ihr vorbei in mein Zimmer.

Am nächsten Tag, eine Woche war seit Amys Party vergangen, ging ich wieder in die Schule. Meine Mutter hatte nach meinem kleinen Aussetzer lange mit mir über die Sache geredet. Für einen kurzen Augenblick hatte ich wirklich das Gefühl, dass sie mich verstand.
Aber um das Problem zu lösen, schlug sie vor, dass wenn mir diese Typen das nächste Mal zu nahe kommen sollten, ich einfach zum Direktor gehen sollte. Das war Schwachsinn. Bevor ich bei dem war, hatten sie mich windelweich geprügelt. Und was sollte der schon ausrichten?
Unsicher betrat ich den Schulhof. Ich war zu spät dran. Nirgendwo war eine Menschenseele zu sehen. Schnell betrat ich das Schulgebäude und suchte das entsprechende Zimmer. Es war mal wieder Englisch angesagt. Ich klopfte an als ich das Zimmer erreicht hatte und trat ein.
Die Lehrerin nickte mir nur kurz zu, während sie mich eingehend musterte. Ja die Flecke in meinem Gesicht waren immer noch deutlich erkennbar. Sie sagte aber nichts. Anscheinend hatte es sich herum gesprochen.

Ich drehte mich weg und ging auf meinen Platz zu. In diesem Raum gab es nur noch einen freien Platz, wie schon zu beginn, als ich neu hier her gekommen war, links neben Mikey. Das erinnerte mich daran, dass ich immer noch nicht wusste, warum er sauer auf mich war. Vielleicht hatte ich Gelegenheit ihn darauf anzusprechen.
Ich nahm neben ihm Platz, ohne dass er auch nur aufschaute. Das würde sich also doch schwieriger gestalten, als ich angenommen hatte. Vielleicht sollte ich auch einfach Gerard fragen. Aber nein. Er würde zwar mit mir reden, aber ich wollte ihm keine Genugtuung bereiten.
Mikey beachtete mich nicht mal ein kleines bisschen. Vermutlich hätte er mich auch einfach überhört, wenn ich etwas gefragt hätte.
Also folgte ich dem Unterricht ohne Mikey darauf anzusprechen.

In der Mittagspause ging ich nach draußen. In den Tagen, die ich nicht in der Schule war, hatte sich nicht wirklich etwas geändert. Die Leute redeten immer noch über mich. Und jetzt hatten sie auch noch mehr worüber sie sich unterhalten konnten. Zum einen mein Gesicht und zum anderen die Tatsache, dass ich nicht in der Schule war, gab ihnen Anlass zu spekulieren.
Ich wollte einfach nur noch meine Ruhe, wäre am liebsten wieder gegangen, aber ich wusste, dass man ein Auge auf mich hatte. Sobald ich das Schulgelände verlassen würde, würde man wieder meine Mutter anrufen, so viel war sicher.
Also begab ich mich zu dem Platz, wo ich sicher war das ich Ruhe hatte. Okay, dort war vielleicht Gerard und diesem wollte ich eigentlich aus dem Weg gehen. Aber diesmal wollte ich es in Kauf nehmen.

Schon von weitem konnte ich lautes Geschrei vernehmen. Ich ging ein wenig schneller, weil ich wissen wollte was da los war. Ich bog um die Ecke, die den Blick auf den Platz freigab. Wieder einmal verschlug es mir die Sprache.
"Du elendige Schwuchtel“, rief David und trat auf dem am Boden liegenden Gerard ein. Ich hielt mir vor Schreck eine Hand vor den Mund. Das Schauspiel was sich mir da bot, war schrecklich. Gerard lag hilflos am Boden und ihn herum vier Jungs, die immer Abwechselnd auf ihn eintraten.
Aber was mich am meisten schockte, war Gerards Gesichtsausdruck. Er war ausdruckslos. Wenn ich genauer hinschaute, konnte ich sogar ein kleines Lächeln erkennen. Mit einem Mal war das ganze Mitleid für ihn wieder da. Wie viel musste er schon erlebt haben um so gleichgültig damit umzugehen? Wie oft hatten sie ihn schon verprügelt?
Man musste ihm helfen, schoss mir durch den Kopf. Ich musste ihm helfen.
Anderseits war ich immer noch sauer auf ihn. Er hatte mich gekränkt, hatte sich über mich lustig gemacht. Er hatte mir auch nicht geholfen, hatte auch nur zugesehen, wie sie mich verprügelt hatten.
Aber was hätte er tun sollen? Was sollte ich tun?
„Na kannst du noch?“, ertönte wieder Davids Stimme. Gerard schenkte ihm nur ein weiteres eiskaltes Lächeln. Nein er würde sich nicht unterkriegen lassen, würde nicht ihnen nicht sagen, dass sie endlich aufhören sollten. Er würde es weiter einfach nur über sich ergehen lassen. Es sah nicht so aus als ob sie bald von ihm ablassen würden.
Die würden ihn noch Krankenhausreif prügeln. Das konnte ich nicht zulassen.
Entschlossen ging ich einige Schritte auf sie zu, nicht wissend was ich tun sollte.
„Hey David.“, rief ich aus sicherer Entfernung.
Er ließ kurz von Gerard ab und schaute sich suchend um, bis er mich entdeckte. „Iero hau ab“, erwiderte er und rammte seinen Fuß wieder in Gerards Bauch. Ich musste ihn davon abbringen. Schnell.
„Wieso? Habt ihr euch schon ein neues Opfer ausgesucht?“, sagte ich.
Gerard sah nun ebenfalls zu mir auf. Er schüttelte den Kopf. Doch ich ließ mich jetzt nicht mehr von meiner Entscheidung abbringen.
„Wie du siehst. Oder willst du für deinen Lover einspringen?“, fragte David und ein gehässiges Grinsen umspielte seine Lippen. Am liebsten, wäre ich dafür auf ihn losgegangen. Aber ich hielt mich zurück, ging nur noch ein Stuck auf ihn zu.
Die Wut auf ihn, die in mir aufkochte, brachte mich auf eine Idee.
Ich grinste ihn breit an, bevor ich wieder zum Sprechen ansetzte.
„Eigentlich wollte ich dir nur sagen, wie schön eng Jessica war und wie sehr es mich angemacht hat, als sie sich unter mir gewunden hat.“, sagte ich. Ich wollte ihn wütend machen, wollte dass er auf mich losging, anstatt auf Gerard.
Ich konnte sehen, wie sein Gesicht erstarrte, wie er seine Hände wütend zu Fäusten ballte und mich dann böse anfunkelte.
„Halt deine verdammte Fresse, du Hurensohn“, schrie er, ließ aber dennoch nicht von Gerard ab. Ich wusste aber dass er sich nicht mehr lange zurückhalten konnte.
„Ich wollte dir sagen, wie geil es mich gemacht hat, als sie anfing zu heulen und mich bat aufzuhören.“, erhob ich wieder meine Stimme.
„Halt deine Maul, oder ich stopf es dir“, erwiderte er und dreht sich nun von Gerard weg.
Ich grinste ihn immer noch an, die Angst die ich hatte überspielend.
„Wie sie meinen Namen gejammert hat.“
„Es reicht“, rief David nun, nickte seinen Freunden zu. Gefährlich langsam kamen sie auf mich zu.
„Das hättest du nicht tun sollen.“, sagte er und beschleunigte seine Schritte.
„Lauf Gerard.“, rief ich, drehte mich um und rannte ebenfalls.
Ein Blick nach hinten sagte mir, dass David und seine Freunde mir folgten, woraufhin ich noch einen Schritt zulegte. Ich sah zu Gerard, welcher sich vom Boden erhob. Er schaute ebenfalls zu mir und zeigte in eine Richtung weit weg von der Schule.
Ich nickte ihm zu, auch wenn ich nicht genau wusste, was er damit meinte.

Ich drehte mich wieder um und lief so schnell ich konnte. Ich war immer einer der schnellsten. Das musste ich in meiner Situation sein. Ich war klein und immer wenn die größeren Jungs auf mir rumhacken wollten, musste ich rennen.
Und nun tat ich es wieder, wissend dass sie mich nicht einholen würden. Ich lief eine Weile stur gerade aus, in die Richtung die Gerard gezeigt hatte. Ich drehte mich um und war erleichtert, als ich niemanden mehr hinter mir entdeckte. Sie mussten also aufgegeben haben. Ich verlangsamte meine Schritte und atmete tief durch.
Ich schaute mich noch einmal um, als sich plötzlich eine Hand um meinen Arm krallte und ich in eine dunkle Gasse gezogen wurde. Perplex schaute ich mich um und sah wie Gerard nach Luft ringend an einer hohen Hauswand gelehnt war.
Überrascht starrte ich ihn an. Wie konnte er eher hier sein als ich?
„Gibt ne gute Abkürzung hier her“, beantwortete er meinen fragenden Blick. Er ließ sich erschöpft an der Wand hinunter gleiten. Ich tat es ihm gleich und ließ mich ebenfalls auf dem Boden nieder.
Seine Haare hingen ihm strähnig ins Gesicht. Dennoch sah ich wie er mich anblickte.
„Warum hast du das getan?“, fragte er mich.
Ich zuckte mit den Schultern. „Weil ich dir helfen wollte.“, gab ich zurück.
Daraufhin schüttelte er abweisend den Kopf. „Du hättest das nicht tun sollen.“, sagte er.
Ich starrte ihn nur an. Jeder andere hätte sich bedankt, wäre froh gewesen. Aber was tat er? Er sagte mir, dass ich das nicht hätte tun sollen. Ich konnte es nicht fassen.
„Ich merk es mir für das nächste Mal. Und wenn sie dich tot prügeln. Bitte mir doch egal“, schrie ich schon fast.
Ich wollte aufstehen und einfach nur noch weg, doch Gerard hielt mich fest.
„So hab ich das nicht gemeint.“, sagte er und ich setzte mich wieder hin, sah ihn auffordernd an.
„Danke“, murmelte er leise, sodass ich es gerade so verstehen konnte. Verblüffte schaute ich auf. Hatte er sich gerade wirklich bedankt?
„Du hättest es trotzdem nicht tun sollen. Du weißt dass du vor diesem David jetzt keine ruhige Minute mehr haben wirst.“, sagte er, sein Blick auf den Boden senkend.
Ich nickte. Mir war diese Tatsache durchaus bewusst. Auch schon bevor ich Gerard geholfen hatte, war es mir bewusst und doch hatte ich es getan.
„Wir sollten noch eine Weile hier bleiben. Die sind bestimmt noch irgendwo in der Nähe.“, sagte Gerard und musterte die enge Gasse.
„Meinst du wirklich?“, fragte ich ihn, da ich sicher war, sie abgehängt zu haben.
Er nickte. „Du hast ihn wirklich ziemlich wütend gemacht. Das lässt der sicher nicht auf sich sitzen. Aber witzig war es. Das muss ich zugeben“, erwiderte er und grinste mich an.
Ich musste nun ebenfalls grinsen. „Ja hat das Gerücht zwar nur verstärkt. Aber das war es wert.“
„Gegen das Gerücht, kannst du sowieso nichts mehr machen. Ich weiß wie das ist. Und du siehst wie schnell so was entstehen kann.“, erwiderte er und sein grinsen verschwand wieder.
Ich nickte. Oh ja das wusste ich.
„Wie sind die Gerüchte über dich entstanden?“, wollte ich wissen. Es interessierte mich. So wie er davon redete, konnte es ihm nicht anders ergangen sein als ich. Es war wahrscheinlich genau so ein Missverständnis.
„Das ist unwichtig“


Kapitel 10 - But this time, I mean it

Ich wusste nicht wie lange wir in dieser Gasse saßen und uns anschwiegen.
Nach seiner schroffen Antwort hatte ich keine Lust mehr mit ihm ein Gespräch zu beginnen und er machte auch keine Anstalten.
So saßen wir nur da, starrten aneinander vorbei und warteten bis die Zeit verging.
Mir tat schon alles weh, vom langen Sitzen, als Gerard seine Stimme erhob.
„Ich denke wir können jetzt gehen. Mittlerweile müssten die es aufgegeben haben.“
Ich nickte und erhob mich. Gerard tat es mir gleich und gemeinsam machten wir uns auf den Heimweg, da ich keine Ahnung hatte wo wir uns befanden.
Die Schule war mittlerweile schon lange zu ende und ich fragte mich ob meine Mutter schon darüber in Kenntnis gesetzt wurde.
„Wo wohnst du?“, fragte mich Gerard. Warum wollte er das wissen? Mir hätte gereicht, wenn er mich zur Schule zurück gebracht hätte.
„Ich wüsste…“, setzte ich an, wurde aber von ihm unterbrochen. „Ich will sicher gehen, dass du in einem Stück ankommst okay? Also sag mir wo du wohnst.“, fuhr er mich an. Erschrocken schaute ich ihn an, bis ich ihm schließlich doch meine Adresse sagte.
„Warum nicht gleich so“, erwiderte er und funkelte mich an.
Den restlichen Weg zu meinem Haus wechselten wir kein Wort. Ich dachte nach. Was sollte ich nur von ihm halten? Warum sagte er mir nicht wie die Gerüchte über ihn entstanden sind? Was war so schlimm daran? Oder waren es vielleicht doch keine? Ich wurde nicht schlau aus ihm. Er war eigenartig, sehr eigenartig. Aber auf der andern Seite machte ihn das interessant, irgendwie.
Am Ziel angekommen verabschiedete ich mich von ihm und betrat schnell das Haus, froh über das bevorstehende Wochenende.

Doch der Montag kam schneller als erwartet und ich fand mich gelangweilt im Unterricht sitzend wieder. David hatte ich bis jetzt noch nicht gesehen und ich wollte ehrlich gesagt auch nicht wissen wie er auf mich reagieren würde.
Im Gegensatz zu den anderen Tagen hielt ich mich an diesem nur umgeben von vielen Schülern im Schulgebäude auf.
In der Mittagspause zog es mich dennoch nach draußen.
Gerade als ich durch die Schultür trat, wurde ich auch schon von Gerard abgefangen.
Er ergriff meinen Arm und zog mich hinter ihm her „Komm mit.“, sagte er und verstärkte seinen Griff noch etwas. Hatte er Angst, dass ich nicht mit ihm kommen würde?
„Ja ich komm ja freiwillig mit. Könntest du meinen Arm loslassen?“, fragte ich ihn einwenig gereizt, da es mir nicht gefiel so überrannt zu werden.
„Tut mir leid.“, sagte er und ließ schnell meinen Arm los.
„Danke. Wo gehen wir hin?“, wollte ich nun wissen. Ich wusste zwar, dass ich ihm vertrauen konnte. Konnte ich doch oder? Jedenfalls wollte ich wissen wo er mich hinführte.
„Dahin wo sie uns nicht finden werden.“, erwiderte er nur und ich rollte mit den Augen. „Du drückst dich nicht gern klar aus oder?“
Daraufhin schaute er zu mir und grinste. „Nein“

Er führte mich zu einem Ort, abgelegen der Schule. Er lag an einem kleinen See, hinter ein paar Sträuchern versteckt. Wenn man nicht wusste, wo er war, sah man ihn gar nicht.
„Hier komm ich manchmal her wenn ich Abstand von dem ganzen Scheiß brauch.“, erklärte er mir.
Wir beiden setzten uns auf den Rasen unter unseren Füßen und streckten die Beine aus.
„Ich glaube niemand kennt diesen Ort außer mir…na ja und jetzt dir.“, sagte er, lehnte sich zurück und schloss die Augen.
„Ich darf mich jetzt wohl geehrt fühlen was?“, fragte ich ihn, während ich ihn beobachtete.
Er öffnete seine Augen wieder und nickte „Solltest du, ja.“
Ich schaute mich um. Es war wirklich schön hier. „Womit hab ich das nur verdient?“, fragte ich scherzend.
Ernst schaute mich Gerard an. „Sagen wir so. Du hast mir geholfen. Ich helfe dir.“
Ich erwiderte seinen Blick zweifelnd. „Oh schon wieder willst du mir helfen? Ich glaube wir fassen dieses Wort immer noch unterschiedlich auf.“, gab ihr zurück.
Wieder schlich sich ein Grinsen in sein Gesicht.
„Du kannst ja gern wieder zurückgehen und dich von David und seinen Anhängern in der Luft zerreißen lassen.“
Schnell schüttelte ich den Kopf. „Schon gut.“
Er wollte mir also helfen indem er mich in Sicherheit vor ihm brachte. War er meine Mutter?
Ein zeitlang sagten wir nichts. Saßen nur da und genossen beide die Stille.
Nach einer Weile suchte ich in meinem Rucksack meine Zigarettenschachtel. Nachdem ich fündig geworden war, hielt ich sie Gerard hin.
„Danke“, sagte er und nahm sich eine Zigarette heraus. Ich tat es ihm gleich.

„Gerard? Kann ich dich was fragen?“, fragte ich ihn wieder nach einige Zeit des Schweigens.
Skeptisch schaute er mich an, nickte dann aber.
„Was hab ich eigentlich deinem Bruder getan? Ich hab mich ganz gut mit ihm verstanden, aber von einem Tag auf den anderen ignoriert er mich.“, sagte ich, ihn fragend anschauend.
Wissend nickte Gerard. „Ich wusste dass du das früher oder später wissen willst. Aber wieso eigentlich? Ich meine wie du gesagt hast. Ihr habt euch gut verstanden. Du wolltest doch keine Freundschaften aufbauen.“, erwiderte er kritisch.
„Ich hab nicht gesagt, dass ich mich mit ihm anfreunden will. Mich interessiert nur was ich ihm getan habe. Ich hab nicht gesagt, dass mich danach darum bemühen werde, dass er wieder mit mir redet.“, erklärte ich es ihm.
„Okay anfangs war er sauer auf dich. Ich meine du wusstest dass er in Amy verknallt ist und dann sieht er dich mit ihr auf dem Gang knutschen. Er dachte du würdest das machen um ihn eins auszuwischen. Und na ja jetzt nach der Sache mit der Vergewaltigung will er erst recht nichts mehr mit dir zu tun haben. Da Amy das ganze wohl ziemlich mitgenommen haben soll. Aber du bist nicht der einzige mit dem er zurzeit nicht mehr redet“, erklärte er mir.
Amy mal wieder. Wieso hatte eigentlich alles etwas mit ihr zu tun. Aber eine neue Frage tat sich in mir auf. „Wieso mit dem noch?“, wollte ich wissen.
„Mit mir.“, antwortete er trocken, so als ob es ihn nicht angehen würde.
Ich traute mich kaum nachzufragen, da ich wieder mit einer ruppigen Antwort seinerseits rechnete, dennoch tat ich es. „Warum?“
„Weil er mit keinem etwas zu tun haben will, der sich mit dir anfreundet.“, erklärte er mir gleichgültig.
Ich riss meine Augen auf. „Er denkt du freundest mich mir an? Wie kommt er denn auf so einen Schwachsinn?“.
Gerard wandte seinen Blick ab, zuckte mit den Schultern.


Kapitel 11 - Did you get what you deserve?

„Wir müssen zurück. Wir wollen ja nicht schon wieder den halben Schultag verpassen.“, sagte Gerard und lächelte gequält.
Ich verzog das Gesicht. „Wäre das so schlimm?“, fragte ich, da ich keine Lust hatte, mich wieder in die Höhle des Löwen zu begeben.
„Ja, denn dann würden sie deine Mutter anrufen und Kleinfrankie bekommt wieder Ärger“, erwiderte er und lachte.
Böse funkelte ich an. „Mach dich nicht lustig“, warnte ich ihn, was sein Lachen nur lauter werden ließ.
„Sonst?“, fragte Gerard und sah mich herausfordernd an.
Wütend stieß ich Luft aus, stand auf und machte mich auf den Rückweg. Gerard hatte es mir gleich getan und schloss zu mir auf.

„Pass auf deinen Hintern auf“, sagte Gerard als sich unsere Wege trennten. Ich nickte ihm zu, während ich die Treppen hinauf und er geradeaus ging.
In den Gängen standen immer noch einige Schüler, die sich unterhielten, obwohl es jeden Moment klingeln müsste. Manche drehten sie immer noch nach mir um, doch ich ignorierte sie.
„Hey Iero“, ertönte eine Stimme hinter mir. Ich wusste wem sie gehörte, ohne dass ich mich hätte umdrehen müssen. Ich tat es aber dennoch und erblickte David. Jedoch nicht allein. In seinen Armen hielt er Jessica und grinste mich an.
„Siehst du Frank, ich darf sie ficken ohne das sie anfängt zu schreien“, sagte er, zog sie näher an sich und presste seine Lippen auf ihre.
Gelangweilt schaute ich ihnen zu. Dachte er, dass es mich auch nur ein stückweit interessieren würde?
„Bei dir muss sie aber auch keine Angst haben, dass Amy eifersüchtig wird.“, erwiderte ich und lachte als sah wie schnell David Jess von sich wegdrückte und mich anstarrte.
„Was willst du damit sagen?“, fragte er ärgerlich und trat ein paar Schritte auf mich zu.
Bevor ich auch nur etwas sagen konnte, klingelte es und Jess war neben David getreten. „Komm lass ihn in Ruhe“, sagte sie und legte eine Hand auf seine Schulter.
„Nein ich will wissen was er damit gemeint hat.“, schrie er sie an. Er drückte sie wieder von sich weg und blickte mich an. „Ich kann es auch aus dir rausprügeln“, drohte er mir.
„David. Lass ihn in Ruhe. Er hat dir nichts getan.“, griff Jess ein und versuchte ihn festzuhalten. Irritiert sah er sie an. „Komm schon. Wir haben Unterricht.“, sagte sie wieder und verstärkte den Griff ein wenig, zog ihn mit sich.
Er seufzte, gab nach. „Wir sehen uns“, zischte er mir noch zu, bevor er Jess folgte.
Verwirrt drehte ich mich um, da ich mich schon auf weitere Schläge eingestellt hatte. Wieso hatte sie eingegriffen?
Ich ging zu dem Zimmer in dem ich Unterricht hatte. Ich trat ein und begab mich schnell auf meinen Platz, bevor der Lehrer irgendetwas sagen konnte.

Beruhigt trat ich meinen Heimweg an, nachdem ich das Schulgebäude verlassen hatte. Erst einmal hatte ich wieder Ruhe vor David und brauchte mich nicht zu fürchten, dass er mir irgendwo auflauerte und diesmal ohne Jess, die ihn abhalten würde auf mich loszugehen. Sollte ich ihr eigentlich dankbar sein? Ich denke nicht. Sie wollte nur ihren eigenen Arsch retten. Ich hätte ihm ja alles erzählen können. Nur dass er mir glaubte wäre eher unwahrscheinlich.
„Hey Iero. Nicht so schnell.“, ertönte es wieder hinter mir.
Ich stöhnte genervt auf, versuchend die Angst, die sich in mir breit machte zu ignorieren.
Diesmal drehte ich mich nicht um. Ich ging einfach weiter, obwohl mir klar war, dass er mir folgen würde. Und kaum war ich ein paar Schritte weitergegangen, schlossen sich auch schon seine Finger um meinen Arm und stoppten mich.
Er stellte sich vor mich und ich sah zu ihm auf. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass er ein gutes Stück größer war.
„Keine Jess hier, die mich davon abhält, dir deine Fresse zu polieren.“, sagte er, mich süffisant anlächelnd.
„Aber auch keine Freunde, die dir helfen.“, erwiderte ich, sah ihn abschätzend an.
„Dich schaff ich auch ohne diese Idioten“, gab er zurück und legte nun seine beiden Hände auf meine Schultern, bevor er weitersprach.
„Beantworte mir eine Frage. Was hast du mit Jess gemacht, dass sie dich vor mir beschützt?“, wollte er von mir wissen. Wieso fragte er nicht einfach sie?
„Bist du ihr Leibwächter oder so?“
Er schüttelte den Kopf, immer noch überheblich grinsend. „Nein ihr Freund. Also rede.“, erwiderte er laut.
„Was soll ich mit ihr gemacht haben?“, fragte ich ihn, da ich nicht wusste worauf er hinauswollte. Die ganze Schule ging doch schließlich davon aus, dass ich sie vergewaltigt hatte. Was sollte ich sonst noch mit ihr angestellt haben?
„Eigentlich sollte sie dich hassen, sollte sie mich dazu anstiften dich zu verprügeln und mich nicht davon abhalten. Was verdammt noch mal hast du mit ihr gemacht.“, rief er und fing an mich zu schütteln.
Erkannte ich da Eifersucht? War er wirklich eifersüchtig auf mich, weil Jess ihn zurückgehalten hatte? Ich musste mir ein Lachen verkneifen.
„Vielleicht tut sie gerade das Gegenteil. Vielleicht hat sie es genossen. Vielleicht hat sie euch allen nur vorgemacht, dass ich sie vergewaltigt habe.“, antwortete ich ihm, regte ihm zum Nachdenken an.
Er nahm eine Hand von meiner Schulter, ballte sie zur Faust und schlug sie in mein Gesicht. Hätte er mich nicht noch mit der anderen festgehalten, wäre ich vermutlich durch die Wucht des Aufpralls nach hinten gefallen.
„Du lügst.“, schrie er, „Guck dich doch an. Da ist nichts, woran sie gefallen haben könnte.“
Ich lachte auf. Es gefiel mir ihn zu provozieren, ihn noch rasender zu machen, auch wenn ich dadurch mein Gesicht wieder die Bekanntschaft mit seiner Faust machte. Die Angst vor ihm war verschwunden.
„Warum sollte ich lügen?“, fragte ich ihn, da ich wirklich keinen Grund dazu sah.
„Ich kenne Jess. Sie steht nicht auf solche Verlierer, wie dich. Ich sag dir nur eins lass sie ihn Ruhe.“, warnte er mich und sah mich dabei bedrohlich an.
„Keine Angst. Ich hab keinen Bedarf sie noch mal anzufassen. Sie war noch nicht einmal sonderlich gut“ Mit diesen Worten, schnellte seine Faust wieder nach vorn.
„Halt dein verdammtes Maul. Ich warne dich, sehe ich dich noch mal in ihrer Nähe, dann kommst du mir nicht so leicht davon.“
„Ja ich hab es verstanden. Kann ich jetzt weitergehen?“
Er zögerte. Wahrscheinlich überlegte ob es nicht gut wäre mir noch eine rein zuhauen, trat dann aber zur Seite und ließ mich durch.
Als ich um eine Ecke gebogen war, blieb ich stehen, atmete erst einmal tief durch und wischte mir mit dem Handrücken übers Gesicht. Blut. Ich hatte Nasenbluten.
Wo war Gerard, wenn man mal ein Taschentuch brauchte, dachte ich mir und grinste.
Der Weg war nicht mehr weit, sodass ich mich beeilte und mir während des Gehens die Nase zu hielt, damit die Blutung stoppte.

„Warum bist du nicht einfach weggerannt, wie das letzte mal auch“, fragte mich Gerard in der Pause am nächsten Tag, nachdem ich ihm von der Begegnung erzählt hatte. Wir hatten uns wieder an den kleinen See zurückgezogen.
Ich zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ständig Wegrennen bringt doch auch nichts. Außerdem tat es gut ihm das zu sagen. Auch wenn er mir nicht geglaubt hat.“, sagte ich, worauf Gerard begann mit dem Kopf zuschütteln.
„Ich denke er hat dir geglaubt.“, erklärte er sein Kopfschütteln.
Verwundert blickte ich zu ihm herüber, woraufhin er weiter sprach. „Jess sieht ungefähr so aus wie du.“ Er deutete auf mein blaues Auge, was ich außerdem von dem gestrigen Tag davon getragen hatte.


Kapitel 12 - The collision of your kiss

„Meinst du wirklich David würde eine Frau schlagen?“, fragte ich Gerard. Ich musste zugeben, ich hatte ein schlechtes Gewissen. Wenn David Jess wirklich geschlagen hatte, wegen dem was ich zu ihm gesagt hatte, dann war es praktisch meine Schuld.
Aber hatte sie nicht eigentlich auch Schuld daran, dass ich geschlagen wurde? Nur dass was ich sagte, entsprach der Wahrheit. Sie log.
Sie hätte vorher wissen müssen, dass sie Probleme bekommen würde. Sie hat den ersten Schritt getan. Also warum sollte ich Schuldgefühle haben?
Ich griff nach meiner Zigarettenschachtel, denn auf diesen Schock musste ich erst einmal eine rauchen. „Willst du auch eine?“, fragte ich Gerard. Dieser schüttelte den Kopf und grinste mich an.
„Ich hab das was besseres.“, sagte er, kramte in seiner Tasche und hielt mir kurze Zeit später einen Joint unter die Nase. „Ich denke, dass kannst du grad gebrauchen.“, erklärte er mir. Ich nickte mit einem leichten Lächeln. Wie Recht er hatte.
Gerard nahm ihn zwischen die Lippen und zündete ihn an. Er nahm zwei, drei kurze Züge, bevor er ihn mir reichte. Dankend nahm ich ihn an und zog ebenfalls daran.
Gerard lehnte sich zurück, schaute auf den See hinaus und ich tat es ihm gleich.
Während ich noch einen Zug nahm, antworte Gerard auf meine vorige Frage.
„Und ja ich würde David so ziemlich alles zu trauen.“
Ich schaute zu ihm herüber, übergab ihm den Joint wieder. „Was macht dich da so sicher?“
Er zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es halt“, erwiderte er nur.
Langsam merkte ich wie die Wirkung einsetzte. Ich entspannte mich und alles wurde auf einmal sehr viel leichter.
„Hat er was mit den Gerüchten um dich zu tun?“, fragte ich ihn, da ich irgendwie das Gefühl hatte, dass er was damit zu tun haben könnte.
Es dauerte eine Weile bis Gee mir antworte, da dieser noch einen Zug nahm und grinsend dabei zusah, wie sich der Rauch verteilte.
„Wie kommst du darauf?“, erwiderte er.
Ebenfalls grinsend nahm ich ihm den Joint wieder ab. „War nur ne Vermutung.“, gab ich zurück.
Nachdenklich ließ Gerard sich ganz ins Gras sinken, beobachte mich dabei, wie ich einen weiteren Zug nahm.
„Du solltest nicht einfach irgendwelche Vermutungen aufstellen.“, sagte er.
Ich sah zu ihm herüber, grinste ihn breit an. „Dann erzähl es mir doch einfach.“
Doch daraufhin schüttelte er nur langsam den Kopf.
„Warum sollte ich das tun?“, fragte er und runzelte die Stirn.
Ich ließ mich neben ihn ins Gras fallen und sah ihn flehend an.
„Och. Bitte Gee. Mir kannst du es doch sagen. Ich erzähl dir schließlich auch alles“
Gerard versuchte ernst zu gucken, was ihm allerdings nicht ganz gelang. Dennoch nahm er mir schnell den Joint wieder ab und zog daran. „Nur weil du mir alles erzählst, heißt das nicht, dass ich das auch machen muss. Und nenn mich nicht Gee.“
Ich lachte auf. „Du weißt, dass ich dich jetzt extra so nennen werde.“
„Ich warne dich.“, erwiderte, schaute mich böse an, brach aber kurz danach in Gelächter aus, in welches ich mit einstimmte.
Es dauerte einige Zeit, bis wir uns wieder beruhigt hatten.
„Okay. Beantworte mir ein paar Fragen und ich mach es nicht.“, sagte ich, nachdem wir einige Zeit schweigend nebeneinander im Gras gelegen haben.
Argwöhnisch schaute er mich von der Seite an. „Okay“
Ich grinste breit, da ich nun endlich Antworten auf die Fragen, im Bezug auf Gerard, bekommen würde. „Okay. Erste Frage. Bist du drogen- oder alkoholabhängig?“
Gerard schüttelte den Kopf. „Nein abhängig nicht.“, erwiderte er und überlegte eine Weile, bevor er weiter sprach. „Ich gebe zu ich hab schon einiges probiert. Manchmal trinke ich auch einen zu viel, aber abhängig. Nein das nun wirklich nicht.“
Ich nickte. „Gut Frage Nummer zwei. Beißt du armen Hamstern die Köpfe ab?“, fragte ich und konnte ein erneutes Lachen nicht unterdrücken. Die Vorstellung, wie Gerard einem Hamster den Kopf abbiss, war einfach urkomisch.
Er lachte ebenfalls auf. „Das sind so niedliche Tiere. Wie könnte ich das tun?“, presste er nach Luft ringend heraus.
„Also schätze ich läufst du nachts auch nicht über Friedhöfe.“
Lächelnd schüttelte er wieder den Kopf. „Einmal hab ich das gemacht. Aber das war mir zu unheimlich.“, antwortete er lachend.
Wieder stimmte ich ein, verstummte aber, als ich an die meine nächste Frage dachte.
„Bist du…“, setzte ich an, traute nicht weiter zu fragen.
„Ob ich schwul bin? Das willst du doch sicherlich wissen oder? Aber ich kann dich beruhigen. Ich bin nicht schwul“, antworte er gereizt, ein wenig zu gereizt.
„Dann versteh ich nicht warum du so über reagierst. Warum redest du nicht darüber wie das Gerücht zustande gekommen ist. Die denken sich doch nicht einfach aus das du schwul bist.“, erwiderte ich. Ich konnte ihn einfach nicht verstehen. Wieso hatte er so ein Problem damit, wenn er gar nicht schwul war.
„Nein dass denken die sich nicht einfach so aus.“, gab er nur zurück.
„Warum sagen sie es dann?“, fragte ich, da ich das jetzt nicht auf sich beruhen lassen konnte.
Ich hörte wie Gerard neben mir laut einatmete und die Luft wieder ausstieß.
„Dasselbe wie bei dir, jemand hat was gesehen, jemand hat gelogen, alle haben es geglaubt.“, erwiderte er und ich brauchte einige Zeit um zu verstehen was er gesagt hatte. „Was gesehen?“, fragte ich, als ich alles verarbeitete hatte, was in diesen Momenten schon einwenig länger dauerte.
„Frank…“, erwiderte Gerard genervt.
Ich hob abwehrend die Hände. „Tut mir leid. Du sprichst in Rätseln. Jetzt will ich schon alles wissen.“, sagte ich. Er hatte mich neugierig gemacht, sehr neugierig. Denn wenn ich darüber nachdachte. Was musste ich schon über ihn?
Lange Zeit schwieg Gerard. Ich sah zu ihm herüber. Er schien abzuwägen, ob er es mir erzählen sollte. Schließlich seufzte er.
„Ich weiß wirklich nicht warum ich das tue, aber okay. Es gab da mal einen Jungen an unserer Schule. Zeke, Davids älterer Bruder. Wir waren befreundet. Er war schwul. Keiner außer mir wusste es aber ich hatte kein Problem damit. Ich wusste aber nicht, dass er interessiert an mir war. Eines Tages hat er mich geküsst und David hat es gesehen. Du kennst David. Er ist gewalttätig und homophob. Selbst Zeke hatte vor ihm Angst und hat gelogen und plötzlich war ich der Schwule. Das war’s. Zufrieden?“
Er starrte gerade aus, vermied es mich anzusehen.
Ich konnte ihm aber dennoch ansehen, dass es ihn nicht kalt ließ, darüber zu reden.
„Das ist ja unglaublich.“, erwiderte ich. „Ihr ward befreundet.“ Ich konnte es nicht glauben. Lieber würde ich von David verprügelt werden, als meinen eigenen Freund zu verraten. Mal abgesehen davon, dass ich keine Freunde wollte.
Gerard zuckte mit Schultern, tat gleichgültig. „Sind nicht alle Menschen so, wenn es um ihren eigenen Arsch geht?“, fragte er.
Ich dachte nach. „Ich weiß nicht“, gab ich nach einer Weile zurück, „Wenn man in jemanden verliebt ist, wieso sollte man dann so etwas machen?“
Gerard lachte auf. „Naja du machst ganz andere Dinge um Menschen zu verletzten, die du liebst“
Daraufhin gab ich ihm einen Schlag in die Seite. „Du bist doof“
Grinsend schaute er mich an und streckte mir die Zunge heraus, woraufhin ich wieder anfing mit lachen.
„Bist du denn böse auf ihn?“, fragte ich, nachdem ich mich wieder beruhigt hatte.
Gerard überlegte einige Zeit bevor er antwortete. „Böse. Ich weiß nicht. Es war nicht einfach für ihn als Bruder von David. Er hatte sehr unter ihm zu leiden. Und mir ist es egal ob David mich hasst.“
„Wo ist er jetzt?“, fragte ich als nächstes, da ich bis jetzt noch nichts von Davids Bruder gehört hatte.
„Er hat letztes Jahr seinen Abschluss gemacht. Ich hab keine Ahnung wo er danach hingegangen ist.“
Kurze Zeit herrschte Schweigen.
Bis sich Gerard mich wieder anblickte. Er blickte mich anders an als sonst. Dieser Blick war dafür verantwortlich, dass mir ein leichter Schauer den Rücken hinunter lief.
„Manchmal glaub ich, dass sie Recht haben.“
„Wie?“, fragte ich nur, da ich keine Ahnung hatte was er meinte.
Er beugte sich zu mir herüber, bis ich sein Atem meine Wange streifte. In mir verkrampfte sich alles. Was sollte das werden?
Er schloss auch noch den restlichen Abstand zwischen uns. Unsere Lippen berührten sich, aber nur ganz kurz, als ob sie nie auf einander gelegen hätte, aber das was es auslöste, konnte ich nicht in Worte fassen. Ich war wie in Trance und schreckte erst auf als ich Gerards aufgebrachte Stimme vernahm.
„Sie hatten Recht. Sie hatten die ganze Zeit Recht. Zeke hatte Recht, in dem er behauptet hatte ich sei schwul. Alle hatten Recht. Ich bin eine verdammte Schwuchtel.“
Erschrocken starrte ich ihn an. Gerard stand auf, fluchte vor sich hin, verfluchte sich.
Ich konnte das nicht mit ansehen. Ich griff nach seiner Hand, zog ihn wieder zu mir auf den Boden. Kaum war er wieder auf meine Höhe, presste ich meine Lippen auf seine.
Gerard brauchte einige Zeit zu reagieren, bis er schließlich den Kuss erwiderte. Der Kuss war sanft. Fast schüchtern öffneten wir beide unsere Münder, ließen unsere Zungen sich leicht berühren, trauten uns fast gar nicht einander zu erforschen.

Was tat ich hier? Ich küsste Gerard. Ich küsste Gerard?
Mit einem Schlag riss ich die Augen auf, drückte ihn von mir. Er blickte mich ebenso erschrockenen an. Ich war vollkommen verwirrt. Ich hatte soeben Gerard geküsst. Erst er mich und dann ich ihn. Was hatte mich da geritten?
Schnell griff ich mir meinen Rucksack, erhob mich und verschwand so schnell wie möglich von diesem Ort, ließ Gerard einfach hinter mir zurück.
Es war der Joint. Ganz sicher war es der Joint.


Kapitel 13 - You wear me out

Wieso hatte er das getan? Wieso?
Diese Gedanken daran ließen mich nicht mehr los. Alles drehte sich nur noch um den Kuss. Um einen Kuss mit Gerard. Wie absurd war das eigentlich?
Ständig tauchte die Frage, wieso das passiert war, auf.
Es war nicht richtig. Es war einfach nicht richtig, dass es sich so gut angefühlte hatte.
Aber ich war doch nicht schwul oder?
Nein das war ich nicht. Es musste einen anderen Grund geben, wieso es mir gefallen hatte. Hatte es das überhaupt?
Es konnte mir nicht gefallen haben. Es war nur die Überraschung.
Und es würde nie wieder vorkommen, so viel war sicher.
Aber was hatte Gerard damit gemeint, dass sie Recht hatten. War er nun wirklich schwul oder war er vielleicht nur genauso überrascht wie ich von der ganzen Sache gewesen. Aber wieso sagte er mir erst er sei es nicht und küsste mich dann. Ich verstand es nicht.

Ich kehrte auf den Schulhof zurück. Dieser war leer. Genau wie das Schulgebäude, als ich es betrat. Wir hatten anscheinend die Zeit total vergessen, aber das war mir jetzt auch egal. Ich wollte nur meine Sachen, die brauchte, aus meinem Spind holen und dann so schnell wie möglich von hier verschwinden. Dass ich noch zwei Stunden Unterricht hätte, interessierte mich dabei wenig. Ich konnte einfach nicht klar denken und vor allem wollte ich Gerard heute nicht noch einmal über den Weg laufen.
Ich bahnte mir meinen Weg durch die verlassenen Gänge, bis ich meinen Spind erreichte. Schnell nahm ich meine Sachen und wollte schon den Rückweg antreten, als ein Schluchzen mein Ohr erreichte.
Verblüfft schaute ich mich um, konnte aber niemanden entdeckten. Ich ging einige Schritte in die Richtung aus der das Geräusch kam. Ich war einfach zu neugierig.
Ich schaute um die Ecke und was ich dort sah, verblüffte mich noch viel mehr.
„Jess?“, rief ich, ohne es wirklich gemerkt zu haben.
Sie saß auf der Treppe, hatte ihr Gesicht in ihren Händen vergraben, schaute aber auf als sie ihren Namen vernahm. Schnell wischte sie sich die Tränen weg. Jetzt sah ich auch was Gerard gemeint hatte. Ein schönes Veilchen zierte ihr Gesicht.
„Hau ab.“, erwiderte sie heiser, senkte ihren Kopf wieder ein Stück.
Ich wusste nicht warum ich es tat, aber ich ging ein wenig näher, setzte mich unter ihr auf eine Treppenstufe.
„Was ist passiert?“, fragte ich.
Erstaunt schaute sie auf. „Du fragst mich was passiert ist? Du bist doch an allem schuld.“ Sie versuchte zu schreien, doch aus ihrem Mund kam nichts weiter als ein jämmerliches Krächzen.
„Meine Schuld, warum sollte ich denn schuld haben?“, fragte ich daraufhin.
Sie hob ihren Kopf, sah mich direkt an. „Sieh mich doch an. Wieso musstest du das David erzählen?“, erwiderte sie und vergrub verzweifelt ihren Kopf in ihren Händen.
Ich musste einige Zeit über ihre Worte nachdenken, bis ich langsam antwortete.
„Wieso denn nicht? Schließlich ist es die Wahrheit. Du warst die jenige, die mich in Amys Zimmer geschleppt hat.“, erwiderte ich ruhig, musterte sie.
„Du hättest ihm das nicht sagen sollen“, flüsterte sie.
„Du hast mich als Vergewaltiger dargestellt. Wieso hätte ich es ihm nicht erzählen sollen?“
Sie schüttelte den Kopf und brach wieder in Tränen aus.
„Es ist alles deine Schuld.“ Nun schaute sie mir direkt in die Augen. „Wieso musstest du ausgerechnet hier her kommen? Kannst du nicht einfach wieder dorthin verschwinden wo du hergekommen bist?“, schrie sie, stand auf und rauschte an mir vorbei.
Ich starrte ihr hinterher. Was sollte das denn bitte?
Aber was kümmerte es mich. Ich hatte andere Probleme.
Ich stand ebenfalls auf und machte mich nun endlich auf den Heimweg.

Während ich auf dem schnellsten Weg nach Hause lief, dachte ich wieder an Gerard und den Kuss. Der Gedanke daran ließ mich einfach nicht mehr los. Immer und immer wieder spulte es sich in meinem Kopf ab. Und ich konnte immer noch dieses unbeschreibliche Kribbeln spüren. Warum?
Es war zum verrückt werden. Ich wollte nicht so darüber denken. Es war Gerard. Gerard!
Immer noch in meinen Gedanken versunken, betrat ich das Haus.
Ich erschrak, als ich meine Mutter meinen Namen rief. Ich hatte gedacht, ich wäre allein.
Es kam aus dem Wohnzimmer.
Ich betrat es und erschrak ein weiteres Mal. Meine Mutter war nicht allein.
„Wieso bist du schon da?“, fragte sie, während ich den Mann neben ihr musterte.
Es dauerte einige Zeit bis ich überhaupt realisierte, dass sie mich etwas gefragt hatte.
„Ausfall“, log ich ohne den Blick abzuwenden.
In den Augenwinkeln sah ich wie sie nickte.
„Frankie. Das ist Johnny. Ein Arbeitskollege.“, stellte sie mir nun den Mann vor.
Dieser stand auf und reicht mir seine Hand.
„Hallo Frank.“, sagte er, worauf ich ihm zunickte.
„Setzt du dich zu uns?“, fragte meine Mutter. Wieder nickte ich nur und setzte mich.
In der folgenden Stunde erfuhr ich eine Menge über Johnny, ob ich es nun wollte oder nicht. Aber er schien nett zu sein. Ich gönnte es ihr. Seid sie sich von meinem Vater getrennt hatte, war sie immer an die Flaschen geraten. Ich hoffte, dass sie diesmal mehr Glück hatte.

Während sich die beiden unterhielten hörte ich kaum zu. Immer wieder schweiften meine Gedanken zu Gerard. Ich starrte auf den Boden vor mir.
Ich wusste nicht was ich jetzt tun sollte. Wie sollte ich ihm entgegentreten? Sollte ich das überhaupt? Es war vielleicht besser wenn ich ihm aus dem Weg ging. Vielleicht würde es bei der nächsten Gelegenheit wieder tun. Das durfte nicht passieren. Vielleicht sollte ich aber auch mit ihm darüber reden, ihm sagen, dass es nicht wieder geschehen dürfte, dass es nur die Wirkung des Joints war.
Ich war so mit mir selbst beschäftigt, dass ich nicht bemerkt hatte, dass meine Mutter den Raum verlassen hatte und ich allein mit Johnny war.
„Deine Mutter ist eine tolle Frau“, riss mich seine Stimme aus meinen Gedanken.
Verwundert schaute ich mich um, bis ich realisierte, dass meine Mutter verschwunden und nur noch Johnny hier war.
Dieser lächelte mich breit. Ich nickte.
„Ich denke, dass wir uns jetzt häufiger sehen. Aber wir werden uns schon verstehen, meinst du nicht auch?“, sagte er und schaute mich erwartungsvoll an.
Ich wusste nicht was ich dazu meinte. Auf den ersten Eindruck kam mir er mir sympathisch vor. Aber zu oft hatte mich mein erster Eindruck schon getäuscht. Ich nickte wieder.
„Ich werde deiner Mutter auch nicht sagen, dass du gekifft und die Schule geschwänzt hast.“, sagte er und zwinkerte mir zu.
Erschrocken starrte ich ihn an. Ich suchte nach Worten um mich zu verteidigen, fand aber keine. Woher wusste er das? War das so offensichtlich?

In diesem Augenblick betrat meine Mutter wieder den Raum. Ich hielt es nicht mehr hier drin aus. Ich verabschiedete mich schnell und verschwand in mein Zimmer.
Erschöpft lies ich mich auf mein Bett sinken. Diese Gedanken an diesen verdammten Kuss machten mich fertig. Ich wollte nicht mehr daran denken. Die Sache einfach vergessen. Aber ich schaffte es nicht. Krampfhaft versuchte ich meine Gedanken auf etwas anderes zu lenken. Es half nichts.
Am liebsten hätte ich geschrieen, blieb aber ruhig.
Irgendwann schlief ich ein.


Kapitel 14 - The choice you made

Die nächsten Tage verliefen alle gleich. Morgens besuchte ich die Schule. Dabei versuchte ich Gerard aus dem Weg zu gehen und das gelang mir auch.
Seit der Sache mit dem Kuss, die mir inzwischen nun wirklich sehr peinlich war, hatte ich ihn nicht wieder gesehen. Ich hielt mich auch in den Pausen nur in den Klassenzimmern auf, damit dies auch nicht so schnell passieren würde.
Ich wusste nicht wie ich ihm gegenübertreten sollte und deshalb vermied ich es.
Sonst passierte nichts Aufregendes. David ließ mich auch in Ruhe, wobei Jess aber immer häufiger sein Opfer wurde.
Ich musste mir immer wieder einreden, dass es nicht meine Schuld war. Denn es war definitiv nicht meine. Trotzdem hatte ich ein schlechtes Gefühl. Wieso ließ sie das alles mit sich machen. Nur wegen ihren Eltern? Weil sie nicht zu den ‚Verlierern’ zählen wollte? War ihr das so wichtig? Vielleicht sollte man ihr helfen. Aber hatte ich das nicht versucht? Auch wenn es mir nicht wirklich bewusst gewesen war. Ich war auf sie zugegangen und was hatte sie getan? Mir die schuld gegeben. Sie hatte mich angeschrieen. Sie würde sich von mir nicht helfen lassen.
Aber wieso griffen die anderen nicht ein? Vielleicht wussten sie nicht, dass es Davids Werk war. War es das überhaupt?
Gerard hatte es behauptet. Aber stimmte es auch?
Wobei meine Gedanken wieder bei Gerard waren. Egal woran ich dachte. Immer wieder gelangten sie zu ihm.

Zuhause hatte sich auch nicht viel geändert. Den größten Teil des restlichen Tages war ich allein. Erst spätabends kam meine Mutter heim. Jedoch immer öfter in Begleitung von Johnny.
Eines Abends kam ich auch mit ihm ins Gespräch und erfuhr, wieso er von dem Kiffen und dem Schulschwänzen wusste.
„Weißt du Frank ich war auch mal jung und nicht gerade ein Engel.“, hatte er lachend zugegeben.
„Dass mit dem Kiffen hab ich dir ganz einfach angesehen und den Rest habe ich mir gedacht. Natürlich hättest du auch Ausfall haben können. Aber nach deiner Reaktion wusste ich, dass ich Recht hatte.“, hatte er mir breit lächelnd erklärt.
Je öfter er bei uns war, umso sympathischer wurde er mir. Er hatte einen guten Sinn für Humor. Er brachte meine Mutter und mich oft zum lachen. Sie schien wirklich glücklich und das machte auch mich ein stückweit glücklich.
Außerdem hatte er einen wirklich guten Musikgeschmack. Oft brachte er mir einfach eine CD mit, von denen ich sagen musste, dass das meiste mir wirklich gefiel.
Meine Mutter mochte ihn sehr und dass er mehr als nur ein Arbeitskollege war, brauchte sie mir nicht zu sagen. Erstens sah ich ihr das an und zweitens wäre er dann auch nicht so oft bei uns gewesen.

Auch verbrachte ich meine Zeit wieder etwas mehr mit Gitarre spielen. Seit wir nach New Jersey gezogen waren, hatte ich das einwenig vernachlässigt. Aber ich hatte gemerkt, dass es mich ablenkte, wirklich ablenkte. Ich konnte alles um mich herum vergessen. Und deshalb tat ich es auch die meiste Zeit und vergas darüber alles.
Meine ganzen Probleme, die ich schon nach der kurzen Zeit hier hatte.
Aber auch die Schule. Ich machte keine Hausaufgaben, woraufhin ich mir fast jeden Tag von den Lehrern eine Standpauke anhören musste. Aber das interessierte mich wenig.

Inzwischen war schon über eine Woche seit dem Kuss vergangen und ich hatte Gerard kein einziges Mal zu Gesicht bekommen. Das kam mir merkwürdig vor. Klar hatte ich versucht ihm aus dem Weg zu gehen. Trotzdem konnte man sich in einer Schule doch nicht so lange nicht über den Weg laufen, egal wie sehr man es versuchte. Vor allem es war Gerard. Er war doch eigentlich immer da, wenn ich ihn nicht gebraucht hatte.
Aber vielleicht war das genau der Grund. Denn langsam musste ich mir eingestehen, dass ich die Pausen mit ihm vermisste. Ich musste nicht warum, doch von Pause zu Pause wurde der Drang stärker ihn wieder zu sehen, einfach nur mit ihm zu reden.
Auch wenn unsere Gespräche nicht die besten waren. Es fehlte mir irgendwie.
So geschah es, dass ich in der Mittagspause unser kleines Versteck am See aufsuchte.
Aber egal wie stark ich gehofft hatte, dort auf Gerard zu treffen, er war nicht da. Ich seufzte und lies mich ins Gras fallen.
Vielleicht war es besser so. Ich konnte meine Pausen auch alleine hier verbringen und ich musste nicht neben ihm sitzen, nicht wissend was ich sagen sollte. Denn das wusste ich noch immer nicht. Ich wusste auch nicht wie er die Sache sah. Ob er es schon längst vergessen hatte oder sich auch so viele Gedanken machte. Ich konnte es nicht einschätzen. Ich konnte ihn nicht einschätzen.

Das Rascheln, des Gebüsch ließ mich herumfahren. Und dort stand er, verunsichert.
„Und ich dachte ich hätte dich vertrieben.“, sagte er, zwang sich zu einem Lächeln und kam näher. Er ließ sich neben mir nieder, vermied es mich anzusehen.
„Wie kommt es, dass du hier bist?“, fragte er mich.
Ich zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht.“, antwortete ich ihm. Ich wollte ihm nicht sagen, dass ich seinetwegen hier war. Nicht das er etwas falsch verstehen würde.
„Du bist mir aus dem Weg gegangen. Warum? Hattest du Angst, dass ich über dich herfallen würde?“, fragte er wieder, wurde etwas lauter.
„Nein“, antwortete ich sofort. Davor hatte ich keine Angst gehabt. Vielleicht aber vor etwas anderem. Aber das gestand ich mir nicht ein.
„Ich wusste nur nicht was ich darüber denken sollte.“, fügte ich hinzu.
Er hob seinen Kopf und schaute mich an. „Weißt du es jetzt?“, wollte er wissen.
Ich schüttelte den Kopf.
Er wendete seinen Blick wieder von mir ab.
„Vielleicht weiß ich es, wenn du mir sagst warum du das getan hast.“, sagte ich.
Er antwortete nicht.
„Warum?“, fragte ich. Ich wollte es endlich wissen. Ungeduldig warte ich auf seine Antwort, hoffte, dass ich dieses mal überhaupt eine bekam.
„Das könnte ich dich genauso gut fragen.“, erwiderte er nur. Er hatte Recht.
„Du hast angefangen.“, sagte ich leise. Ich wusste, dass es Unsinn war.
„Und du hast weiter gemacht. Mein Gott. Sind wir im Kindergarten?“
Wieder blickte er zu mir herüber. Einige zeit schauten wir uns an, bis ich schließlich den Blick abwendete.
„Ich kann dir deine Frage nicht beantworten.“, sagte er nach einer Weile.
„Vielleicht…“, setzte er an, „sollten wir…“
Ich drehte meinen Kopf wieder in seine Richtung.
„Das Ganze vergessen?“, beendete ich seinen Satz.
Es dauerte einen Moment, bis er nickte. „Ja wir sollten es vergessen.“, stimmte er zu.


Kapitel 15 - Lets me live my life like this

Nach dem Gespräch mit Gerard war ich nicht viel schlauer. Meine Frage, wieso das passiert war, war immer noch nicht beantwortet.
Wir hatten uns darauf geeinigt es zu vergessen. Warum dachte ich dann schon wieder darüber nach? Konnte ich das so einfach vergessen?
Es war keine Sache, die man einfach vergessen konnte, oder?
Dennoch ich musste es endlich schaffen. Anscheinend fiel ihm das ja sehr leicht.
Was mich verwunderte, denn er versuchte mich anscheinend ganz zu vergessen.
Manche Pausen saß ich alleine an dem See, da er nicht dort hingekommen war. Ich wusste nicht ob ich traurig oder froh darüber sein sollte. Es war auch nicht anders wenn er da war.
Meistens saßen wir nur schweigend nebeneinander, rauchten. Keine Joints. Die würde ich so schnell nicht wieder anfassen, dass hatte ich mir geschworen.
Und ich hatte immer noch ein komisches Gefühl, wenn er neben mir saß.

Auch heute war er nicht da gewesen, den dritten Tag in folge. Ich wusste nicht warum.
Die Schulglocke läutete und ich machte mich auf den Weg nach Hause, um das zu tun, was ich seit zwei Wochen fast ununterbrochen tat, um Gitarre zu spielen.
Ich fieberte schon dem Moment entgegen, in dem alles um mich herum ausgeblendet wurde. Freute mich schon darauf, dass meine Finger gleich wieder die harten Saiten berühren konnten. Voller Vorfreude stürmte ich durchs Haus zu meinem Zimmer. Ich drückte die Tür auf und trat hinein.
Wie angewurzelt blieb ich stehen.
Sie war nicht da. Suchend blickte ich mich um. Weg.
Nirgendwo konnte ich sie entdecken. Einfach weg.
Abwesend starrte ich dorthin, wo sie eigentlich stehen sollte. In meinem Kopf arbeitete es. Ich konnte es mir nicht erklären. Wo verdammt noch mal war meine Gitarre hin?
Geklaut? Aber wer sollte die denn klauen? Es war ja noch nicht einmal eine besonders teuere gewesen.

„Hallo Frank“, ertönte es hinter mir. Erschrocken fuhr ich herum.
Johnny lehnte gegen den Türrahmen und lächelte mich an. Was um Himmelswillen machte er hier?
„Wie war dein Tag?“, fragte er mich.
Ich reagierte nicht, schaute nur immer irritiert zwischen ihm und dem Platz, an der meine Gitarre stehen sollte, hin und her.
„Wo…Wo ist meine Gitarre?“, fragte ich ihn schließlich.
Er seufzte und kam auf mich zu. Er legte eine Hand auf meine Schulter und zog mich mit sich zu meinem Bett, worauf wir uns beide niederließen.
„Deine Mutter hat heute Morgen mal wieder einen Anruf aus deiner Schule bekommen. Du hast dich stark verschlechtert und hast nie Hausaufgaben. Wir sind der Meinung, dass das so nicht weitergehen kann.“, erklärte er mir.
Seine Worte machten mich wütend.
„Wir?“, fuhr ich ihn an, „Was hast du denn damit zu tun?“
„Deine Mutter hat mich um Rat gefragt.“
Okay sie mag ihn vielleicht. Aber das gibt ihr nicht das Recht ihn da mit rein zu ziehen. Das ging eindeutig zu weit. So sehr ich bis jetzt auch gemocht hatte.
„Das geht dich aber verdammt noch mal nichts an.“
Ich sprang auf und lief in meinem Zimmer auf und ab.
„Natürlich geht mich das etwas an. Du bist der Sohn der Frau, die ich liebe.“,
Ich blieb stehen.
„Du bist aber nicht mein Vater!“, schrie ich.
Er grinste mich nur an. „Das vielleicht nicht. Aber ich kenne mich sehr gut aus mit Jungs wie dir. Und ich habe deiner Mutter nur einen Rat gegeben.“, sagte er.
„Und der wäre?“
„Dass du deine Gitarre erst wieder bekommst, wenn du dich auf die Schule konzentrierst und sich deine Noten bessern. Weißt du ich war auch ein kleiner Rebell. Ohne einen strengen Vater, wäre ich ein Nichts. Und da dein Vater..“
„Sag nichts über meinen Vater!“, unterbrach ich ihn, sah ihn drohend an. Er kannte ihn nicht und konnte sich kein Urteil erlauben.
Johnny zuckte mit den Schultern. „Gut dann würde ich sagen, machst du jetzt deine Hausaufgaben.“, sagte er und stand auf.
Fassungslos beobachte ich ihn dabei, wie er mit einem Grinsen an mir vorbei ging, den Raum verließ und die Tür schloss.
Und als ob das nicht genug wäre, hörte ich wie er im Schloss den Schlüssel rumdrehte.
Schnell rannte ich an die Tür und versuchte diese zuöffnen, natürlich vergebens.
Ich hämmerte mit meiner Faust dagegen.
„Du kannst mich nicht hier einsperren“, schrie ich.
Ich bekam keine Antwort. „Lass mich raus“, forderte ich. Keine Reaktion.
Ich stand noch eine Weile an der Tür und schrie meine Wut heraus, bis ich erschöpft an dieser herunterrutschte.
Ich fasste es nicht. Wollten sie mich wirklich einsperren, damit ich meine Hausaufgaben machte? Meine Mutter sollte wissen, dass man so bei mir nichts erreichen konnte. Nicht, wenn sie mir auch noch das Einzige nahmen, was mich glücklich machte.
Das konnte doch nicht wahr sein.
Meine Knie hatte ich ganz nah an meinen Körper gezogen, legte meinen Kopf darauf hab.
Er hatte verdammt noch mal kein Recht sich so aufzuspielen. Wieso ließ sie das zu?
Ich würde mich weigern. Ich würde nichts tun, bis sie mir meine Gitarre wiedergaben.
Das konnten sie einfach nicht mir machen.
Sie konnten mich doch hier nicht einsperren. Ich hielt es nicht aus, musste hier raus.
Suchend blickte ich mich in meinem Zimmer um. Es musste doch was zur Ablenkung geben. Irgendwas anderes, was mir Spaß machte zu tun.
Doch ich fand nichts.
Bis mein Blick plötzlich an meinem Fenster hängen blieb. Nein sie konnten mich nicht einsperren. Schnell stand ich auf und lief hinüber.
Ich öffnete das Fenster und schaute hinaus.
Erst jetzt schätzte ich es, dass ich dieses Zimmer bekommen hatte, genau über der Garage. Es war eine Leichtigkeit von meinem Fenster auf das Dach eben dieser zu klettern. Und von dort oben konnte man springen, ohne sich etwas zu brechen.
Das Hochkommen war eine andere Sache, aber darum würde ich mir später Gedanken machen.
Ich schaute mich noch einmal um, sodass auch niemand etwas mitbekommen hatte und lief dann schnell die Straße herunter.
Ziellos tat ich einen Schritt vor den anderen, lief dahin, wohin mich meine Füße trugen. Ich fühlte mich erleichtert. Ein ungewohntes Gefühl der Freiheit durchströmte mich. Noch nie hatte sie versucht mich einzusperren. Meine Wut war nicht verflogen. Und ich wusste, dass ich wieder dahin zurück musste, aber daran wollte ich jetzt noch nicht denken.
Kaum 10 Minuten war ich unterwegs, als es anfing zu regnen. Natürlich hatte ich nicht daran gedacht eine Jacke mitzunehmen.
Schon nach kurzer Zeit war das dünne Shirt was ich trug total durchnässt. Trotzdem dachte ich gar nicht daran zurück zu gehen. Vielleicht fand ich irgendwo einen geeigneten Platz, wo ich mich unterzustellen konnte.
Der Regen wurde von Minute zu Minute stärker.
Ich hatte nicht bemerkt in welcher Gegend ich mich aufhielt. Es wurde mir erst bewusst als ich den mir sehr bekannten Park entdeckte.
Mittlerweile schon zitternd betrat ich ihn. Er war menschenleer. Wer würde sich auch schon freiwillig bei dem Wetter hier aufhalten?
Ich setzte mich auf die Bank, von der ich auf das Haus blicken konnte, in dem Gerard wohnte. Gerard. Erst jetzt kam er mir wieder in den Sinn.
Ich ertappte mich bei dem Gedanken, einfach hinüber zu gehen. Doch nein das konnte ich nicht machen. Das hätte ich vielleicht tun können, wenn wir Freunde gewesen wären. Aber wir waren keine. Wir waren lediglich Bekannte.
Andererseits nach hause wollte ich nicht und die ganze Zeit über hier verbringen, konnte ich auch nicht. Ich schaute gen Himmel. Es sah auch nicht so aus, als ob es bald aufhören würde.
Vielleicht konnte man in diesem Falle auch mal bei Bekannten klingeln.
Unsicher erhob ich mich und ging auf das Haus zu. Ich schob es auf meine Verzweiflung und auf die Kälte, die immer mehr von meinem Körper Besitz ergriff.
Ich zögerte einen Moment, als ich vor dem Haus angekommen war, bis ich die Klingel betätigte. Warum tat ich das gleich noch mal?
Doch nun war es auch schon zu spät. Es dauerte nicht lange, bis mir eine sehr sympathisch aussehende Frau die Tür öffnete.
Sie grüßte mich freundlich, was ich ebenfalls tat.
„Ich…ich bin ein Freund von Gerard. Ist er da?“, fragte ich, so gut es unter dem Zittern meines Körpers möglich war.
Besorgt schaute sie mich an und nickte.
„Ja er ist da. Komm rein. Du bist ja vollkommen durchnässt“, erwiderte sie und trat beiseite um mir Platz zu machen.
Schnell setzte ich einen Fuß über die Schwelle und sofort kam mir angenehme Wärme entgegen.
„Wie heißt du?“, fragte sie mich, lächelte mich freundlich an.
„Frank“, antwortete ich.
„Gut Frank. Komm mal mit. Ich werde dir erst einmal eine Tasse Tee kochen und dir Handtücher holen. Ich denke Gerard kann dir dann was Trockenes zum Anziehen geben.“, sagte sie, während ich ihr in die Küche folgte.
Sie deutete auf einen Stuhl und ich ließ mich darauf nieder, überrascht von so viel Gastfreundlichkeit.
Sie nahm eine Tasse aus dem Schrank, setzte Wasser an und verließ kurz darauf die Küche. In der Zeit ließ ich meinen Blick schweifen. Es war sehr gemütlich eingerichtet, zwar etwas chaotisch, aber das tat dem Ganzen keinen Abbruch.
„Gerard du hast Besuch“, hörte ich noch ihre Stimme aus dem Flur.
Ach stimmt ja. Gerard hätte ich fast vergessen.
Ich hörte Schritte und kurz darauf ein „Mum?“, welches eindeutig von ihm kam.
Darauf ertönten wieder Schritte und dann tauchte er auch schon in der Küche auf.
Erschrocken starrte er mich an. „Was machst du denn hier?“, fragte er.
Ich brachte nur ein „Hi! Gee“ über die Lippen, bevor seine Mutter wieder die Küche betrat. Sie überreichte mir ein großes Handtuch.
„Steh doch da nicht wie angewurzelt herum. Zeig ihm dein Zimmer und gib ihm ein trockenes T-Shirt“, sagte sie an Gerard gewandt, der hinter ihrem Rücken die Augen verdrehte und mir kurz drauf zunickte, um zu signalisieren, dass ich ihm folgen sollte.
Was ich schließlich auch tat. Er führte mich die Treppen hinunter in sein Zimmer.
Mit großen Augen sah ich mich um.
„Es ist nichts Besonderes.“, sagte Gerard, da er mich beobachtet hatte.
„Spinnst du? Das ist der Wahnsinn“, sagte ich und ging auf einen Tisch zu, auf dem Zeichnungen von ihm ausgebreitet waren.
„Du hast wirklich Talent“, staunte ich.

Gerard fluchte. Ich drehte mich um und sah wie er mit seinem Kleiderschrank kämpfte.
Ich musste mir ein Lachen verkneifen.
Kurze Zeit später hatte er den Kleiderschrank bezwungen und hielt mir trockene Sachen entgegen. „Zieh die an. Und häng deine anderen da zum Trocknen auf.“, sagte er und verließ sein Zimmer.
Ich folgte seinen Anweisungen. Gerade als ich mir das frische Shirt überstreifte, betrat er den Raum mit einer dampfenden Tasse wieder.
„Meine Mum will nicht, dass du dich erkältest.“, sagte er leicht grinsend und überreichte mir die Tasse. „Und du hast wirklich Glück. Es passiert nicht oft, dass ich Besuch habe, also kümmert sie sich um den besonders.“, fügte er noch hinzu und lachte.
Er setzte sich auf sein Bett und ich tat es ihm gleich.
„Also. Was machst du hier?“, fragte er und ich erzählte ihm die Geschichte.

„Ich versteh dich. Vermutlich hätte ich genauso gehandelt.“, sagte er, nachdem ich fertig war. „Das ist ne komplizierte Situation. Was willst du jetzt machen?“
Ich zuckte mit den Schultern. Ich hatte absolut keine Ahnung. Durch das ‚Ausbrechen’ hatte ich es nicht besser gemacht. Sicher würden sie es bemerken, obwohl ich hoffte, dass ich es rechtzeitig schaffen würde wieder da zu sein, bevor sie bemerkten, dass ich verschwunden war.
„Wenn es dir nur um deine Gitarre geht, dann kannst du gern herkommen und hier spielen wenn du willst.“
Erstaunt schaute ich ihn an. „Meinst du das Ernst?“
Er nickte und grinste. „Sicher. Hätte ich dir das sonst angeboten?“


Kapitel 16 - Lets me live my life like this II

„Hier das ist sie. Keine besonders gute. Hab lange nicht mehr gespielt.“, sagte Gerard, der gerade wieder sein Zimmer betrat, und seine Gitarre in der Hand hielt.
Er überreichte sie mir und ich betrachte sie eingehend. Gut sie war ein wenig staubig, aber alle mal besser als gar keine.
Schnell fing ich an sie zu stimmen und spielte ein wenig auf ihr herum.
Gerard beobachte mich eingehend dabei.
„Wie lange spielst du schon?“, fragte er mich.
Ich schaute zu ihm auf. „Seid ich klein bin. Irgendwann hat mein Vater mir einfach eine in die Hand gedrückt.“, antworte ich ihm lächelnd.
„Was ist eigentlich mit deinem Vater?“, fragte er weiter, beäugte mich neugierig.
Ich senkte meinen Blick wieder. „Er wohnt in New York. Meine Mutter und er haben sich vor ein paar Jahren scheiden lassen.“, erklärte ich ihm.
„Warum bist du nicht bei ihm geblieben?“, wollte er als nächstes wissen.
„Glaub mir, dass wäre ich liebend gern. Aber meine Mutter hat das Sorgerecht und sie meint immer mein Vater wäre nicht in der Lage sich um mich zu kümmern“, sagte ich und schüttelte den Kopf.

Am frühen Abend machte ich mich mit Gerard zusammen auf den Weg nach Hause. Mittlerweile hatte ich meine, inzwischen getrockneten, Sachen wieder an und aufgehört zu regnen hatte es auch.
Gerard hatte darauf bestanden mich zu begleiten. Einen Grund dafür hatte er mir nicht genannt. Aber das war mir im Grunde eigentlich auch egal.
„Meinst du er hat gemerkt, dass du abgehauen bist?“, fragte er, nachdem wir einige Zeit nur still nebeneinander hergelaufen waren.
Ich zuckte mit den Schultern. „Ich hoffe nicht, aber wenn, dann ist es jetzt auch schon egal. Viel schlimmer können sie mich nicht mehr bestrafen.“
„Dir bedeutet das Gitarrespielen wirklich sehr viel.“
Ich nickte. „Es lenkt mich von diesem ganzen Scheiß hier ab.“
In diesem Moment erreichten wir das Haus. Das Haus, in das ich eigentlich nicht zurückwollte.
„Musst du da hoch?“, fragte Gerard, kurz nachdem wir stehen geblieben waren und deutete mit dem Finger auf das noch offen stehende Fenster.
Ich nickte und betrachtete die Garagenhöhe skeptisch. Wie sollte ich das denn mit meiner Größe schaffen?
Grinsend musterte mich Gerard. Er schien, das gleiche wie ich zu denken.
„Heeey“, fuhr ich ihn an, „SO klein bin ich nun auch wieder nicht.“ Daraufhin wurde sein Grinsen nur noch breiter.
„Nein. Es gibt sicher noch kleinere. Pygmäen, Liliputaner, Zwerge…“
Er wollte noch weiteres aufzählen.
„Gee, es reicht!“, fuhr ich ihm ärgerlich dazwischen. Böse funkelte ich ihn an. Er wusste, dass ich auf so etwas empfindlich reagierte. Und dass er es machte um mich zu reizen, machte mich noch ärgerlicher.
„Okay, okay. Du wirst da trotzdem nicht ohne Hilfe hochkommen.“, sagte er und grinste weiterhin vor sich hin.
Laut atmete ich aus. Es hatte keinen Sinn, sich über ihn aufzuregen.
Stattdessen widmete ich meine volle Aufmerksamkeit wieder meinem kleinen Problem.
„Du hast Glück, dass ich mitbekommen bin.“, warf Gerard fröhlich ein.
Argwöhnisch schaute ich zu ihm herüber. „Ach hab ich das?“, fragte ich, da ich bis jetzt davon nichts gemerkt hatte.
Gerard nickte. „Ja. Zum zweiten Mal an diesem Tag werde ich zu deinem Retter.“, sagte er und lachte.
„Was hast du vor?“, fragte ich und betrachtete ihn misstrauisch.
„Ich helfe dir da hoch.“, erwiderte er.
Ich runzelte die Stirn, sah zwischen Gerard und dem Dach der Garage, welches ich erreichen musste, hin und her. „Wie? Wenn ich fragen darf.“
„Darfst du.“, erwiderte er, stellte sich unmittelbar neben die Garage, ging ein wenig in die Hocke und breitete seine Handflächen aus. „So“, fügte er hinzu und sah mich auffordernd an.
Nun war es an mir zu lachen. „Das ist nicht dein Ernst oder?“
Er stellte sich wieder normal hin. „Nein. Stimmt. Ich werde jetzt einfach gehen und du kannst zusehen wie du da hochkommst. Winzling.“, sagte er und wendete sich wieder von der Garage ab.
Genervt rollte ich mit meinen Augen. Warum gab ich mich gleich noch mal mit ihm ab?
Gerard ging einige Schritte, bis ich ihn aufhielt.
„Ein Versuch ist es wert.“, gab ich zu.
Gerard drehte sich wieder zu mir um. „Ich weiß nicht ob ich dir jetzt noch helfen will.“
Am liebsten hätte ich Geschrieen, doch ich zwang mich ruhig zu bleiben.
„Bitte Gerard.“, bat ich ihn. Ich wusste, dass er das nur hören wollte und ja ich tat ihm diesen Gefallen, da ich es nicht mehr länger aushielt, mich hier unten mit ihm über meine Körpergröße oder ähnliches zu unterhalten.
Wieder stahl sich ein Grinsen auf sein Gesicht. „Na wenn das so ist“, sagte er und nahm seine vorige Position wieder ein. Ich stellte mich vor ihn, musterte das ganze noch mal skeptisch, bevor ich einen Fuß auf seine Handflächen setzte und mich mit einer Hand an seiner Schulter festhielt.
Gerard drückte mich mit aller Kraft nach oben, während ich versuchte mit meiner freien Hand das Ende des Daches zu erreichen.
Und es gelang. Ich nahm nun auch noch meine andere Hand, die sich zu vor in Gerards Schulter gekrallt hatte, dazu. Mit meinem Fuß, drückte ich mich noch einmal ab und stemmte mich dann nach oben. Ich drehte mich und kam somit auf dem Dach zum Sitzen.
„Und wo war jetzt das Problem?“, fragte Gerard von unten und zog eine Augenbraue nach oben.
Ich ging nicht darauf ein. „Danke“, murmelte ich, winkte ihm zu Abschied und kletterte in mein Zimmer. Von dort beobachtete ich wie Gerard mir ebenfalls zuwinkte, bevor er sich umdrehte und sich wieder auf den Heimweg machte.

Ich wendete mich vom Fenster ab, ließ einen prüfenden Blick durch mein Zimmer gleiten. Es war so wie ich es verlassen hatte. Keine Gitarre und die Tür verschlossen, vermutete ich zumindest. Ich probierte es nicht aus, sondern ließ mich auf mein Bett sinken und schloss die Augen. Es war ein merkwürdiger Tag gewesen.
Ich hatte Gerard von einer ganzen anderen Seite kennen gelernt. Er konnte durchaus nett sein, bis auf einige Ausnahmen. Er hatte mir geholfen, obwohl er mich auch einfach wieder vor die Tür hätte setzen können. Stattdessen bot er mir an wieder zu kommen. Ich wusste nicht ob ich das Angebot annehmen sollte.
Aber wenn ich daran dachte, den ganzen Tag in diesem Raum zu verbringen, wurde mir ganz anders. Ein Raum, in dem ich mich eigentlich wohl fühlen sollte, was ich aber nicht tat. Er war fremd, nicht mein zuhause. Da nahm ich Gerards Gesellschaft gern in kauf.

Meine Gedankengänge wurden von einem lauten Geschrei von unten unterbrochen. Es waren Johnny und meine Mutter, die sich stritten. Aber bevor ich verstehen konnte, war es auch schon wieder verstummt. Wahrscheinlich waren sie in einen anderen Raum gegangen. Vielleicht damit ich sie nicht hören konnte.
Aber mich interessierte es nicht. Ich wusste nicht mehr was ich von Johnny halten sollte. So hatte ich ihn nicht eingeschätzt. Hatte ich wirklich so eine schlechte Menschenkenntnis oder wollte ich einfach nur immer das Gute in dem Menschen sehen?
So oft hatte ich mich nun schon getäuscht.

Ich war schon eingedöst, als ich hörte wie sich der Schlüssel im Schloss rumdrehte. Ich öffnete meine Augen und erkannte meine Mutter, die das Zimmer betrat.
„Hallo Frankie“, sagte sie, kam auf mich zu und nahm am Rand meines Bettes platz.
„Wie geht es dir?“, fragte sie mich mit sanfter Stimme. Ungläubig starrte ich sie an. Hatte sie mich das gerade tatsächlich gefragt?
„Wie soll es mir schon gehen? Wie würdest du dich fühlen, wenn man dich einsperrt?“, fuhr ich sie an.
Sie senkte den Kopf und nickte. „Ich gebe zu Johnny hat etwas überreagiert. Aber du darfst ihm das nicht übel nehmen.“
„Du nimmst ihn noch in Schutz? Etwas übertrieben ist wohl etwas untertrieben.“, bemerkte ich.
„Frank. Bitte reg dich nicht auf. Er meinte es doch nur gut. Denn ich weiß wirklich nicht was ich mit dir machen soll. Du sitzt den ganzen Tag nur in deinem Zimmer und spielst Gitarre. Die Schule vergisst du dabei völlig.“
Ich wendete meinen Blick von ihr ab, erwiderte nichts.
„Frankie…versteh doch.“
Wieder einmal spürte ich wie Wut in mir hoch kroch. Es reicht mir.
„Ich soll immer nur alle verstehen. Und wer versteh mich?“, schrie ich sie schon fast an. „Frank!“, sagte meine Mutter, entrüstet über meinen spontanen Wutanfall.
Doch ich war noch nicht fertig.
Ich setzte mich in meinem Bett auf, blickte sie ärgerlich an.
„Warum ich mich nicht um die Schule kümmere? Weil ich verdammt noch mal nicht in diese verdammte Schule gehen will. Ich sollte in New York sein. “, sagte ich und wurde immer lauter.
„Ich sollte…“, setzte ich an, wurde aber von ihr unterbrochen.
Sie schüttelte den Kopf. „Nicht schon wieder diese Diskussion. Streng dich an, dann bekommst du deine Gitarre wieder.“, erwiderte sie nur, so gefasst wie möglich, stand auf und ließ mich allein.
Ich verspürte wieder den Drang laut zu schreien. Stattdessen füllten sich meine Augen mit Tränen, welche meine Wangen nässten. Niemand verstand mich.
Und ja verdammt. Ich sehnte mich nach New York zurück. Da ich es nun ausgesprochen hatte, konnte ich mir auch eingestehen, was ich vorher so krampfhaft zu verdrängen versucht hatte. Ich sehnte mich nach meinen Freunden, nach der Band, in der ich gespielt hatte. Ich sehnte mich nach Mary. Auch wenn sie mich alle ebenfalls nicht verstanden. Keiner tat das. Sie wussten nicht wie es war, zu wissen, dass es nicht für lange Zeit war.
Warum wollte meine Mutter mich nicht verstehen?
Mir gefiel es hier nicht. Ich war in der kurzen Zeit schon an so viele Falsche Leute geraten. So wie es meine Mutter jetzt tat.
Warum sah sie es nicht ein?
Wieso ließen sie mich nicht mein verdammtes Leben leben, wenn ich schon von einem Ort zum nächsten geschleppt wurde. Es war schlimm genug. Mussten sie es noch schlimmer machen?


Kapitel 17 - That made it so hard

Stumm saß ich über Gerards Gitarre gebeugt.
Ich war wieder zu ihm gegangen, weil mir die Decke zu hause auf den Kopf gefallen war. Zwar hatten sie nicht noch einmal versucht mich einzusperren, dennoch hatte ich es nicht ausgehalten. Es war Wochenende und somit hatte ich noch mehr Zeit mit der ich nichts anzufangen wusste.
Ich hatte nicht viele Worte mit Gerard bis jetzt gewechselt. Ich wollte nicht reden und Gerard hatte bis jetzt noch nicht nachgefragt.
Er saß ebenfalls schweigend in einer Ecke seines Zimmers, zeichnend, beobachte mich aber ab und zu für längere Zeit.
Ich war mir seiner Blicke sehr wohl bewusst, versuchte sie zu ignorieren.
Es gelang mir auch. Schon nach kurzer Zeit war ich so vertieft in mein Spiel, bemerkte auch nicht mehr die besorgten Blicke, die Gerard mir zuwarf.

„Willst du nicht mal ne Pause machen?“, fragte er mich und holte mich zurück in die Realität. Er hatte sich vor mir aufgebaut und schaute auf mich herab.
Ich schüttelte den Kopf, vermied es dabei zu ihm aufzuschauen. Er seufzte gab sich aber damit zu frieden und ließ mich weiterspielen.
Ich hatte keine Ahnung wie lang ich so da saß und einfach nur vor mich hin spielte. Ich bemerkte nicht einmal wie es draußen langsam dunkel wurde.
Eigentlich hätte ich mich schon längst wieder auf den Heimweg machen sollen. Dass sie mich nicht mehr eingesperrt hatten, hieß sicherlich nicht, dass ich tun und lassen konnte was ich wollte. Doch es war mir egal. Ich dachte nicht einmal daran.

„Frank?“, rief Gerard, schrie fast schon. Ich erschrak und schaute auf.
„Ich hab bestimmt schon dreimal deinen Namen gerufen und du hast nicht reagiert.“, sagte er und kratzte sich am Kopf. „Willst du was essen oder so?“, fragte er.
Ich verneinte. Entsetzt bemerkte ich, dass es draußen schon stockduster war. „Wie spät ist es?“, fragte ich ihn.
„Kurz vor 10“, antwortete er, trat ein paar Schritte auf mich zu.
Ich hatte wirklich total die Zeit vergessen, aber jetzt brauchte ich mich auch nicht mehr zu beeilen. Ich wollte nicht gehen. Wieder senkte ich meinen Blick.
Wieder hörte ich Gerard seufzen.

„Was ist los?“, fragte er mich und setzte sich neben mich.
Ich antworte nicht, sondern begann wieder meine Finger über die Saiten wandern zu lassen.
„Frank. Rede mit mir.“, sagte er und nahm mir vorsichtig die Gitarre aus der Hand.
Ich wollte protestieren, aber ich wusste, dass es zwecklos gewesen wäre.
Ich schaute zu ihm herüber, blickte in seine Augen und erkannte, dass es ihn wirklich zu interessieren schien. Ich sagte nichts, war viel zu beschäftigt damit ihn anzustarren. Ich konnte meinen Blick nicht abwenden. Irgendetwas fesselte mich.
„Was ist los?“, wiederholte er seine Frage.
In dem Moment wurde mir bewusst, was ich eben getan hatte und wendete meinen Blick wieder ab.
Ich wusste nicht was ich ihm antworten sollte. Eigentlich hatte ich keine Ahnung was genau mit mir los war. Warum ich auf einmal so niedergeschlagen war. Warum ich mir alles Vergangene zurück wünschte.
„Hey“, flüsterte Gee und strich mir seinen Fingern über meine Wange. Seine Stimme klang sanft, ganz anders als sonst.
Ich schaute zu ihm, konnte Sorge in seinen Augen erkenne. Konnte das sein? Aber wieso sollte er sich Sorgen machen. Ich meine es war Gerard. Er würde sich höchstens über mich lustig machen, anstatt sich zu sorgen.
Ich wollte nicht mit ihm reden.
„Es ist nichts.“, sagte ich, richtete meinen Blick wieder auf den Boden.
„Aber ich sehe doch, dass es dir nicht gut geht. Und du steigerst dich so in das Spielen hinein. Wovor läufst du weg? Ist zu hause was passiert?“, fragte er. Machte er sich vielleicht wirklich Sorgen?
Ich schüttelte den Kopf.
Schlagartig bildeten sich Tränen wieder in meinen Augen. Ich schloss sie, wollte die Tränen unterdrücken und nicht schon wieder vor Gerard heulen, wie ein kleines Mädchen.
„Frank“, ertönte wieder seine Stimme. „du kannst mit mir reden.“
Wieder schüttelte ich den Kopf. Das konnte ich eben nicht. Ich hoffte, dass er es bald aufgab und mich nicht weiter zum reden aufforderte.
Ich konnte die Tränen nicht mehr aufhalten, still flossen sie meine Wangen hinunter.
Lange blickten wir uns an, seine Hand immer noch an meiner Wange.
„Gee…“, flüsterte ich, wollte irgendwas sagen, wusste aber nicht was.Meine Augen hielt ich immer noch geschlossen. Ich wollte Gerard nicht ansehen. In diesem Moment bereute ich es fast, dass ich hergekommen war.
Ich dachte es lag daran, dass sie mir meine Gitarre weggenommen hatte, mir diesen Umzug noch schwerer machten. Ich hatte mich getäuscht und in diesem Moment wurde es mir klar.
Plötzlich spürte ich noch etwas an meiner Wange, außer meiner Tränen. Erschrocken schlug ich die Augen auf, sah direkt in die Gerards, welcher mit seiner Hand die Tränen versuchte weg zu streichen. Ich konnte ihm ansehen, dass er verwirrt war. Aber mir ging es doch nicht anders. Seit ein paar Tagen war alles noch viel schlimmer hier geworden. Seit unserem Kuss. Und das Gefühl, dass seine Berührung gerade schon wieder in mir auslöste, verwirrte mich noch mehr.

Gerard schüttelte den Kopf, legte mir seinen Finger auf den Mund. „Du musst nichts sagen“
Er zögerte kurz, bevor er sich zu mir vorbeugte und seinen Finger durch seine Lippen ersetzte. Ich wollte zurückweichen, ihn von mir drücken, aber ich konnte mich keinen Zentimeter rühren. Warum tat er es schon wieder? Sah er nicht, dass es das alles nur noch schlimmer machte?
Doch alle meine Bedenken waren wie weggeblasen als ich spürte wie seine Zunge meine Unterlippe streifte. Ich hatte keine Kontrolle mehr über meinen Körper. Reflexartig öffnete ich meinen Mund, kam seiner Zunge mit meiner entgegen.
Meine Hand legte sich in seinen Nacken, drückte ihn näher zu mir. Der Kuss wurde fordernder, ganz anders als unser erster, dennoch liebevoll.
Mit einer Zärtlichkeit, die nicht von Gerard erwartet hätte, umspielte er meine Zunge mit seiner. Ich bog mich ihm noch ein weiter entgegen, dachte nicht mehr nach, gab mich einfach nur dem Gefühl hin, welches dieser Kuss in mir auslöste.
Es war unbeschreiblich.
Ich spürte wie Gerards Hand meinen Rücken hinunter glitt. Plötzlich holte mich alles wieder ein, die ganzen Fragen und Gedanken.
Ich stieß ihn von mir, sanft aber bestimmt. Das durfte alles nicht sein.
Nachdenklich richtete ich meinen Blick wieder auf den Boden, wieder strömten Tränen meine Wangen hinab.
„Es tut mir leid.“, flüsterte Gerard und wollte aufspringen. Ich hielt ihn zurück und drückte ihn wieder herunter.
„Ich habe Angst Gerard.“, sagte ich. Mehr zu sagen war ich nicht imstande.
Fragend sah er mich an, doch ich schüttelte nur den Kopf. Er sollte nicht nachfragen.
Er tat es nicht. Kurze Zeit später spürte ich wie er seine Arme um mich legte.



Kapitel 18 - Is this what you always want me for

Vorsichtig schlug ich die Augen auf, presste sie aber sofort zu, da sogar das bisschen Tageslicht, was mir entgegen strahlte, höllisch brannte.
Tageslicht?
Sofort riss ich meine Augen wieder auf, blickte mich verwirrt um. Gerards Zimmer. Ich war immer noch in Gerards Zimmer, in Gerards Bett. Erst jetzt spürte ich, dass auch immer noch seine Arme um mich gelegt waren. Oh Gott ich musste eingeschlafen sein. Ich schaute neben mich und fand einen noch schlafenden Gerard vor. Das beruhigte mich en wenig. Auch er war eingeschlafen.
Eine Weile sah ihm beim schlafen zu, beobachte wie sich sein Brustkorb in gleichmäßigen Abständen hob und senkte.
Er sah so friedlich aus und irgendwie süß. Süß? Hatte ich das gerade wirklich gedacht? Aber ja es stimmte.
Sein Mund war leicht geöffnet.
Mein Blick blieb an seinen Lippen hängen, erinnerten mich an das Gefühl, als ich diese auf meinen gespürt hatte. Ich konnte es mir nicht erklären, aber in diesem Moment verspürte ich den Drang, meine wieder auf seine zu senken.
Was zur Hölle war mit mir los? Was hatte Gerard mit mir gemacht?
Ich hatte mich noch nie zu einem anderen Jungen hingezogen gefühlt. Warum jetzt?

Langsam und bedacht darauf ihn nicht aufzuwecken, befreite ich mich aus seiner Umarmung, ließ dabei aber nicht den Blick von ihm ab.
Ich wusste das ich gehen sollte, aber ich war wie in einem Bann. Es vergingen einige Minuten, bis ich endlich den Schluss fasste nach Hause zu gehen. Ich konnte nicht länger in der Nähe von Gerard bleiben. Zu sehr verwirrte mich diese ganze Sache.
Ich konnte aber nicht gehen, bevor ich mich nicht langsam Gerards Gesicht näherte und ihm einen zarten Kuss auf seine Lippen hauchte.
Danach wendete ich schweren Herzens meinen Blick ab, stieg aus dem Bett und verließ das Zimmer, aber nicht ohne noch einmal sicherzugehen, dass ich ihn auch nicht geweckt hatte.

Schnell rannte ich die Treppen hinauf. Ich musste endlich hier raus. Im Flur angekommen, wollte ich schnellst möglich zu Tür, wurde jedoch daran gehindert, als ich im Halbdunkeln gegen eine Gestalt rannte.
„Boah, kannst du nicht aufpassen?“, ertönte Mikeys Stimme.
Er kam einen Schritt näher, schien mich erst jetzt zu erkennen. „Frank?“, fragte er ungläubig, „was machst du denn hier?“ Er war sehr überrascht, hatte nicht gewusst, dass ich Gerard nun auch schon zu Hause besuchte.
„Ähm ich war bei Gerard.“, sagte ich schnell, drängte mich an ihm vorbei und verließ endlich das Haus.

Die kalte Morgenluft strömte mir entgegen. Ich hatte keine Ahnung wie spät es war, aber es musste noch recht früh sein. Es war fast noch alles ruhig um mich herum, auf den Straßen kaum etwas los. Ich genoss es. Es war ein guter Ausgleich zu der Unruhe, die in mir herrschte. Die Unruhe, die Gerard in mir ausgelöst hatte. Ich wusste nicht was es war. Einerseits wollte ich das Gefühl, das er in mir auslöste genießen. Aber ich konnte es nicht. Zu stark beeinflusste mich der Gedanken daran, was kommen wird.

Es dauerte nicht lange bis ich zu hause ankam. Immer noch war alles ruhig und darüber war ich froh. Vorsichtig öffnete ich die Tür, versuchte leise zu sein, damit keiner meine Rückkehr bemerkte. Langsam ging ich die Treppen hinauf, lauschte ob sich nicht etwas regte. Oben angekommen, ging ich in Richtung Badezimmer.
Als mein Blick in den Spiegel fiel, erschrak ich. Meine Augen waren gerötet und geschwollen. Unter ihnen zierten dunkle Ringe mein Gesicht. Ich fühlte mich erschöpft und genauso sah ich auch aus. Ich konnte nicht lange geschlafen haben.
Ich wendete meinen Blick ab, beschloss mich hinzulegen.
Ich öffnete die Badezimmertür und sah in das Gesicht von Johnny. Selbstgefällig grinst er mich an.
Mir entfuhr ein kleiner Schrei des Entsetzens.
„Woher kommst du?“, fragte er mich.
Ich versuchte meinen Puls zu kontrollieren. Warum musste er mich so erschrecken?
Und vor allem warum jetzt? Das was ich jetzt garantiert nicht brauchte, war eine Diskussion über mein Verhalten. Aber dieser konnte ich mich jetzt wohl nicht mehr entziehen.
„Ich wüsste nicht was dich das angeht.“, antwortete ich patzig, wollte mich an ihm vorbei drängeln, doch ich hatte keine Chance gegen ihn.
„Ich habe dir doch schon mal gesagt, dass mich das sehr wohl was angeht.“, erwiderte er, schaute mich immer noch abwartend an.
„Und ich kann dir nur sagen, dass es dich nichts angeht.“
Das wäre wahrscheinlich ewig zu weitergegangen (ich hätte es ihm nicht gesagt), wäre nicht meine Mutter dazu gekommen.

„Was geht hier vor?“, wollte sie wissen und rieb sich verschlafen die Augen.
„Ich wollte von deinem Sohn wissen, woher er um diese Uhrzeit kommt“, erklärte Johnny ihr und zog sie in eine Umarmung.
Fragend schaute mich meine Mutter an.
Bei ihr war es etwas anderes. „Ich war bei einem Freund. Wir haben die Zeit vergessen. Also hab ich bei ihm übernachtet.“, sagte ich. Und so ganz gelogen war das auch nicht.
Meine Mutter nickte. „Ruf aber bitte das Nächste mal an. Ich hab mir wirklich Sorgen gemacht. Aber jetzt leg dich noch etwas hin. Du siehst müde aus.“, antwortete sie. Ich nickte nun ebenfalls, ging an den beiden vorbei und verschwand in meinem Zimmer. Sofort ließ ich mich auf mein Bett fallen und war kurze Zeit darauf auch schon eingeschlafen.


Der Montag war mal wieder viel zu schnell da und so machte ich mich früh morgens auf den Weg zur Schule. Ich hatte etwas Angst davor Gerard wieder zu sehen. Wie immer wusste ich nicht wie ich mich verhalten sollte. Schließlich war ich einfach gegangen, nachdem er mich die ganze Nacht gehalten hatte. Was sollte ich denn jetzt machen?
Doch die Gedanken an Gerard lösten sich sofort auf, als ich das Schulgebäude betrat.
Jeder, an dem ich vorbeilief, drehte sich zu mir um. Und kaum war ich vorbei, vernahm ich tuscheln hinter meinem Rücken. Verwirrt schaute ich mich um. Ich dachte die Sache wäre nun endlich vorbei, dachte das Gerücht, dass ich Jess vergewaltigen wollte, hatte sich gelegt. Aber anscheinend doch nicht. Oder warum starrten mich alle an.
Ohne einen weitern Blick auf die herumstehenden Schüler zu werfen, begab ich mich zu meinem Klassenzimmer. Schnell ließ ich mich auf meinem Stuhl nieder und wartete bis der Unterricht begann.

Bis hin zur Mittagspause war es nicht wirklich besser geworden, eher schlimmer. Und ich hatte keinen blassen Schimmer was los war.
Gerade lief ich einen Gang entlang, der frei von lästigen Mitschülern war, als sich Gerard mir in den Weg stellte.
„Komm mit.“, sagte er, ergriff meine Hand und zog mich in eine nahe liegende Toilette.
Ein prüfender Blick verriet ihm, dass wir ungestört waren.
„Ich schätze du hast dasselbe Problem wie ich“, sagte er, musterte mich eindringlich.
Fragend schaute ich ihn an, wusste nicht worauf er hinaus wollte.
Er hob eine Augenbraue. „Nervende Blicke, ständiges Getuschel“, erklärte er.
Sofort nickte ich. „Wie?“, fragte ich. Woher wusste er das? Und wieso hatte er dieses Problem auch.
Ein Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit. „Es gibt ein neues Gerücht.“, verkündete er.
„Was für ein neues Gerücht?“, fragte ich neugierig, da ich überhaupt keine Vorstellung hatte was er meinen könnte. Er schritt auf mich zu.
„Ein Gerücht über uns.“, sagte er und sein Grinsen wurde immer breiter.
Über uns? Worauf wollte er hinaus?
„Gerard.“, sagte ich schon fast quengelnd, „Sprich nicht in Rätseln!“
Er lachte kurz auf, bevor er sprach: „Na gut. Es geht das Gerücht um, dass wir es mit einander getrieben haben.“
Jetzt wurde mir alles klar. „Mikey“, sagte ich sofort.
Gerard nickte, während er noch näher auf mich zukam. Ich ging stattdessen ein paar Schritte zurück, konnte ihm aber nicht weiter ausweichen, da ich schon bald die kalte Wand in meinem Rücken spürte.
„Hass ihn nicht dafür.“, sagte Gerard und kam kurz vor mir zum Stehen. Ich nickte. Ich hasste Mikey nicht.
„Aber soll ich dir was sagen.“, hallte Gerards Stimme wieder durch den leeren Raum. „Das ist das erste Gerücht, von dem ich mir wünschen würde, dass es der Wahrheit entspricht.“
Ich brauchte einen kurzen Moment um zu realisieren was er eben gesagt hatte, als ich auch schon seine Lippen auf meinen spürte. Wie von selbst zog ich Gerard nun ganz nah an mich heran.
Sofort eroberte Gerard meinen Mund mit seiner Zunge und intensivierte den Kuss. Währenddessen ließ er seine Hände über meinen Körper gleiten. Dieses Mal hinderte ich ihn nicht daran.
Wild kämpften unsere Zungen miteinander. Ich bemerkte wie viel Leidenschaft Gerard in den Kuss legte. Es ließ mich erschaudern.
Er schien, dass was er gesagt hatte wirklich ernst zu meinen. Beim Gedanken daran, machte sich ein wohliges Kribbeln in meinem Körper breit, welches sich nun auf die unteren Regionen meines Körpers konzentrierte.
Gerards Hand wanderte meinen Rücken hinunter.
Kurz darauf löste er sich von mir und schaute mir tief in die Augen. Ein Lächeln bildete sich auf seinem Gesicht aus, bevor er mir mit der Hand, die eben noch auf meinem Rücken ruhte, zwischen die Beine packte.
Überrascht keuchte ich auf.
„Und so wie es aussieht, hättest du auch nichts dagegen.“
Er ließ mich los und entfernte sich von mir. Er grinste mich noch ein letztes Mal bevor er den Raum verließ und mich schwer atmend an der Wand lehnend zurück ließ.


Kapitel 19 - I'm telling you the truth

Ich starrte ihm hinter her, konnte keinen klaren Gedanken fassen. Mein Atem ging immer noch schwer, beruhigte sich nur langsam. Irritiert strich ich mir durch die Haare, lehnte immer noch an der Wand. Ich konnte nicht fassen was er so eben getan hatte, was er für eine Wirkung auf mich hatte. Was war es? War es immer noch die Überraschung, von einem Jungen geküsst zu werden? Oder war lag es vielleicht…wirklich an Gerard?
Er war anders, dass hatte ich schon bemerkt, als ich ihn das erste mal gesehen hatte.
Aber wieso machte er mich so an?
Ich schaute an mir herunter. Ich musste an etwas anderes denken.
An etwas, dass mich ablenkte, von den Gedanken an Gerard, an seine Berührungen, an seine Worte.
Ich dachte scharf nach. Es musste doch etwas geben.
Wie wärs mit…Spinnen? Ein kalter Schauer lief mir den Rücken hinunter und ich schüttelte mich, beim bloßen Gedanken an so ein ekliges Krabbelvieh. Nein so eklig musste es dann doch nicht sein.
Stattdessen schweiften meine Gedanken zu Mikey. Ich fragte mich wieso er das machte?
Wie konnte er nur davon ausgehen, dass ich etwas mit Gerard hatte? Naja so ganz falsch war das ja nicht. Aber wir hatten nicht miteinander geschlafen. Was auch nicht passieren wird. Und wie konnte er so was in der Schule herum erzählen? Es war immerhin noch sein Bruder. Hasste er mich wirklich so sehr, dass er ihm so etwas antat, nur weil er Zeit mit mir verbrachte? Was mich an diesem Morgen auch schon verwundert hatte, war das er zusammen mit Amy und den anderen geredet hatte. Ich hatte es in der Zeit, die ich nun hier war nie erlebt, dass sie ein vernünftiges Wort miteinander gewechselt hatten. War das sein Preis dafür, dass er seinen Bruder so schamlos hinterging? Die Freundschaft von Amy.
Okay Gerard schien es nicht weiter zu interessieren. Schließlich hatte er gesagt, dass er es lieber hätte, wenn es der Wahrheit entspräche.
Womit meine Gedanken wieder bei ihm angelangt wären und bei meinem kleinen Problem. Ich hasste ihn dafür, dass er so mit mir spielte.


„Hey Frankielein, du kleine Schwuchtel“, ertönte eine Stimme hinter mir, als ich das Schulgebäude verlassen hatte. Ich drehte mich um und erkannte David, der sich auf einer Treppe niedergelassen hatte und sich nun erhob.
Fragend schaute ich ihn an. „Was willst du denn schon wieder?“, antwortete ich gereizt.
Ich hatte genug von alledem, wollte einfach nur noch nach Hause.
„Ich wollte dir zu deinem neuen Glück gratulieren. Wie es scheint hast du dir meine Worte zu Herzen genommen.“, sagte er und kam kurz vor mir zum Stehen.
Ich versuchte seine Sticheleien zu ignorieren. Ich drehte mich von ihm weg, wollte einfach gehen. Doch das ließ David nicht zu. Bestimmt hielt er mich fest. „Hey ich bin noch nicht fertig.“
„Was willst du denn noch. Willst du wissen wie er war?“, fragte ich, rollte genervt mit den Augen.
David lachte auf. „Nein das interessiert mich nun wirklich nicht. Kann nicht besonders gut gewesen sein. Hat ja nicht viel Übung.“, sagte er und grinste mich breit an, bevor er mich fragend ansah. „Aber ich bin wirklich erstaunt, dass du dich auf diese Schwuchtel eingelassen hast. Oder hattest du nur Mitleid mit ihm?“
Langsam kochte Wut in mir hoch, aber noch hatte ich mich unter Kontrolle.
„Oder war es die Verzweiflung, die dich so tief abrutschen ließ?“
Ich versuchte mich von ihm loszureißen, wollte mir das nicht länger anhören, da ich wusste, dass es nicht mehr lang dauern würde, bis er sein Ziel erreicht hatte.
Aber er ließ nicht locker, würde so lange weiterreden, bis ich ausrastete.
„Oder ist er einfach über dich hergefallen, und du wolltest es gar nicht?“, sagte er lachend.
Es reichte mir. David hatte sich zu viel erlaubt. Irgendwann war auch bei mir Schluss und diese Grenze hatte er gerade erfolgreich überschritten. Er war nicht richtig, dass er so über Gerard sprach.
„Halt dein verdammtes Maul“, rief ich zornig und befreite mich ruckartig aus seinem Griff. Wir standen uns nun direkt gegenüber. Böse funkelte ich an, bevor meine Faust endlich die Bekanntschaft mit seinem Gesicht machte. Es machte sich eine gewisse Genugtuung in mit breit. Außerdem war keiner in Sichtweite der ihm zu Hilfe eilen konnte, dachte ich zumindest.
David schaute mich verdattert an, nahm aber schnell seine eigenen Hände nach oben, hielt sie sich schützend vors Gesicht.
Ich wollte gerade zu einem weiteren Schlag ausholen, als sich eine Hand um meinen Oberarm legte und mich zurückhielt.
Ruckartig drehte ich meinen Kopf und sah in Gerards ernstes Gesicht.
„Er ist es nicht wert.“, sagte er.
Doch ich schüttelte nur den Kopf, versuchte seine Hand abzuschütteln um wieder auf David loszugehen. Dieser schien das schon freudig zu erwarten. Ich ging einen Schritt auf ihn zu, wollte ihm das antun, was er auch mir angetan hatte. Aber diesmal spürte ich wie sich Gerards Arme um meinen Körper legten, mich zurückhielten und meine Schläge ins Leere gingen.
Ich versuchte mich aus Gerards Griff zu befreien jedoch vergebens.
David grinste mich nur an, ging einige Schritte zurück, bis er schließlich ganz verschwand.
Erst als er nicht mehr zu sehen war, ließ Gerard mich los.
„Was sollte das?“, fuhr ich ihn an, da ich es absolut nicht fassen konnte. Dieser Typ hätte es verdient gehabt.
„Er hätte es verdient.“, sagte ich, immer noch wütend.
Gerard nickte. „Natürlich hätte er es verdient. Aber solche Typen sind es nicht wert, dass man sich auf das gleiche Niveau sinken lässt. Aber gut zu wissen, dass du ihm meinetwegen verprügelt hättest.“, erwiderte er und sein typisches Grinsen zeichnete sich in seinem Gesicht ab.
„Du…du hast das mit angehört?“, fragte ich erstaunt.
Wieder nickte er. „War ja kaum zu überhören.“, erwiderte er.
„Komm lass uns gehen“, forderte er mich auf und gemeinsam machten mir uns auf den Weg.

„Was ist kommst du mit zu mir?“, fragte Gerard, während wir nebeneinander herliefen. Erstaunt, über seine Frage, starrte ich ihn an.
Ich wusste nicht was ich darauf antworten sollte, wusste nicht ob ich das wollte. „Ähm…also…ich…ich weiß nicht.“, stammelte ich. Gerard grinste mich nur wieder breit an. „Keine Angst. Ich will nicht über dich herfallen.“
Er drückte mich in eine kleine Gasse, gegen eine Wand. Irgendwie kam mir diese Situation äußerst bekannt vor. Sein Körper war nur wenige Zentimeter von meinem entfernt. „Aber ich dachte wir hatten vorhin geklärt, dass ich scharf auf dich bin und du genauso gut auf mich. Wieso wehrst du dich dagegen?“, fragte er.
Doch er gab mir nicht einmal die Chance zu antworten, da er sofort seinen Mund auf meinen presste. Wieder einmal verlor ich mich in seinem Kuss. Trauerte dem Gefühl seiner Lippen an meinen nach, als er sich kurz darauf wieder von mir löste.
„Weißt du Frank“, flüsterte er mir ins Ohr, „ Menschen kommen und gehen im Leben. Ich weiß wovor du Angst hast. Aber was spricht gegen ein bisschen Spaß?“
Herausfordernd schaute er mich an.
„Was ist nun? Kommst du mit?“


Kapitel 20 - Think happy thoughts

Ich nickte.
Gerard lächelte mich glücklich an, ergriff meine Hand und zog mich wieder aus der kleinen Gasse heraus.
Schweigend, aber immer noch Hand in Hand, liefen wir neben einander her. Ich genoss es. Irgendwie hatte Gerard genau die Worte gefunden, die ich hören musste.
Er hatte Recht. Er hatte einfach mal wieder Recht. Ich war jung. Wieso sollte ich nicht einfach das tun, wonach es mir verlangte. Und Gerard hatte es mir ja deutlich gezeigt, was es war.
Ich drückte seine Hand kurz und lächelte ihn an. Zwar hatte ich immer noch leichte Bedenken, aber die waren mir im Moment egal. Schweigend legten wir den Weg bis zu Gerards Zuhause zurück.

„Hallo ihr beiden. Schön dich zusehen Frank“, begrüßte uns seine Mutter und nicht einmal jetzt löste er seine Hand von meiner. Seine Mutter betrachte uns nur mit einem Lächeln und wies uns an ihr zu folgen. „Ihr könnt gleich was mit essen.“, sagte sie fröhlich und wie folgten ihr in die Küche, wo schon Mikey saß.
Schnell versuchte ich mich aus Gerards Griff zu befreien. Doch er hielt meine Hand nur umso stärker fest. Er bedachte mich mit einem Lächeln. Ich bewunderte ihn für seine Gleichgültigkeit.
In diesem Moment schaute Mikey auf und musterte uns skeptisch, bevor sein Blick zu unseren Händen wanderte, welcher sofort einen erschrockenen Ausdruck annahm.
Gerard tat so als hätte er die diesen nicht bemerkt, führte mich zum Tisch, ließ dann aber meine Hand los, damit wir uns setzten konnten.
Kaum hatten wir uns niedergelassen, setzte uns Mrs. Way auch schon zwei Teller mit dampfender Suppe unter die Nase.
Mikey ließ seinen Löffel sinken. „Ich glaub ich hab keinen Hunger mehr. Mom, darf ich aufstehen?“, fragte er und sah seine Mutter bittend an.
Diese schüttelte den Kopf. „Ich weiß wirklich nicht was mit euch beiden zurzeit los ist, aber du bleibst jetzt sitzen und reißt dich zusammen.“, sagte sie bestimmt.
Mikey verzog das Gesicht und visierte wieder den Teller vor ihm auf dem Tisch an, während sich in Gerards Gesicht ein breites Grinsen abzeichnete.
Ich beobachte Mikey einwenig, der versuchte meine Blicke zu ignorieren, aber doch immer einmal böse aufsah, bevor ich begann zu essen.
Schweigend aß Mikey auf und suchte dann so schnell das Weite. „Meinst du er kommt irgendwann wieder von diesem Trip runter?“, fragte ich nun Gerard, da nur noch wir beide in der Küche waren. Seine Mutter hatte diese schon eher verlassen.
Dieser zuckte mit den Schultern. „Ich hoff es.“ Zum ersten Mal hörte ich einen traurigen Unterton heraus, während er darüber sprach.
Aber sofort strahlte er mich wieder fröhlich an.
„Los komm wir gehen in mein Zimmer.“, sagte er und sprang auf. Ich tat es ihm gleich und folgte ihm.


„Was hast du eigentlich gegen dein kleines Problem von heute Mittag unternommen?“, fragte er und grinste mich breit an. Wir saßen beide auf seinem Bett, hatten uns bis jetzt über ganz belanglose Dinge unterhalten. Aber das musste Gerard natürlich ändern.
Ich spürte wie das Blut in meinem Kopf schoss. Schnell wendete ich den Blick von ihm ab, wusste aber dennoch sein erhabenes Grinsen auf seinem Gesicht.
Ich erschrak als ich seine Hand meiner Schulter spürte. Er hatte sich hinter mir auf dem Bett platziert und ließ seine Hand langsam meine Brust hinunter gleiten, kam dabei mit seinem Kopf immer näher.
„Hast du dabei an mich gedacht?“, flüsterte er mir ins Ohr, und setzte mir kurz darauf einen Kuss auf die Wange.
Ich neigte mich ihm entgegen und spürte ihn gegen meine Wange grinsen. Er ließ seinen Mund weiter sinken, verteilte hauchzarte Küsse bis zu meinem Hals. Zärtlich liebkoste er meine empfindliche Haut. Ich schloss meine Augen, konzentrierte mich nur auf seine Zunge, die meinen Nacken streifte. Gänsehaut breitete sich auf meinem Körper aus. Ich war so versunken in dem Rausch der Gefühle, die er auslöste, dass ich nicht einmal bemerkte wie er aufhörte. Erst seine Stimme ließ mich aufschrecken und mich meine Augen wieder öffnen.
„Du hast mir noch keine Antwort gegeben.“, sagte er, entfernte sich etwas von mir.
Ich drehte mich so, dass ich ihn ansehen konnte.
„Was willst du denn hören?“, fragte ich.
Wieder bildete sich dieses unbeschreiblich dreckige Grinsen in seinem Gesicht. „Ein Ja, wenn du willst, dass ich weiter mache.“, erwiderte er, krallte sich in mein T-Shirt und zog mich zu ihm.
„Du kennst die Antwort“, flüsterte ich, schloss die wenigen Zentimeter zwischen uns, presste meine Lippen gierig auf seine. Sofort erwiderte er den Kuss, mindestens genauso gierig. Doch es dauerte nicht lange, bis sich Gerard von mir trennte, mich wieder grinsend musterte. Eine seiner Hände ruhte an meiner Brust. Mit dieser drückte er mich bestimmt nach hinten, sodass ich auf seinem Bett zum liegen kam.
„Nein. Tu ich nicht. Sag es mir“, forderte er mich auf, während er sich über mich beugte.
„Gerard…“, erwiderte ich, wusste dass es nur wieder einer seiner Spielchen war. „Sag es mir“. Sein heißer Atem streifte meine Wange. Wartend behielt er diese Position inne, würde nichts weiter tun, bis ich seine Bitte erfüllte.
„Ja verdammt ich hab an dich gedacht und jetzt mach weiter.“, rief ich, da ich es nicht mehr aushielt. Ich hörte Gerard auflachen.
„Nicht so ungeduldig, Sweetheart.“, hauchte er mir ins Ohr und ließ seine Zunge über meine Ohrmuschel gleiten. „So kenn ich dich ja gar nicht.“
Einige Momente verharrte er an meinem Ohrläppchen, bevor er sich mit seinem Mund den Weg zu meinem bahnte. Er verwickelte mich in einen kurzen, leidenschaftlichen Kuss, während sich eine seiner Hände unter mein Shirt verirrte, meine Haut darunter sanft streichelnd. „An was genau hast du gedacht?“, fragte er und schon spürte ich wieder seine Lippen, die meinen Hals entlang wanderten. Genießerisch legte ich den Kopf in den Nacken. Doch das Gefühl seiner Lippen auf meiner Haut, dauerte nicht lang an. Fragend schaute ich zu ihm auf, aber er betrachtete mich nur abwartend. Genervt stöhnte ich auf. Er verstand es mich zu necken. Ich entschied mich darauf einzugehen.
Ich legte eine Hand in seinen Nacken, zog ihn wieder ganz nah an mich heran, bevor ich ihm antwortete: „Ich hab daran gedacht, wie deine Hände jeden Zentimeter meines Körpers streicheln“ Ich zog ihn so weit zu mir, bis sich unsere Lippen leicht berührten.
Gegen seine Lippen redete ich weiter. „Wie du deine Lippen über meine Haut gleiten lässt.“
Gerard kam mir ein Stück entgegen, bis sich unsere Münder zu einem weiteren gefühlvollen Kuss vereinten und unsere Zungen miteinander spielten, während seine Hand auf meinem Bauch ruhte. Sanft drückte ich ihn von mir weg, konnte aber seinen schnellen Atem noch spüren. „In meinen Gedanken war es deine Hand“, hauchte ich ebenfalls atemlos. Nun fuhr auch Gerards zweite Hand unter mein Oberteil, schoben es nach oben. Ich setzte mich einwenig auf und streckte meine Arme nach oben, sodass er es mir ausziehen konnte. Als er dies mit einem Lächeln im Gesicht getan hatte, ließ ich mich wieder nach hinten fallen, zog ihn mit mir. „Nur meine Hand?“, fragte er leise.
Grinsend schüttelte ich den Kopf und platzierte einen kurzen Kuss auf seinen Lippen. „Natürlich nicht. Dein Mund hat den Rest getan.“, antworte ich, presste meine Lippen auf eben diesen. Langsam ließ Gerard seine Finger über meinen Bauch kreisen, welches das Kribbeln, was der Kuss auslöste, nur noch verstärkte.
„Und…Oh Gott…deine Zunge.“, stöhnte ich gespielt, als ich mich kurz von ihm löste, aber nur um sofort den Kuss wieder aufzunehmen. Meine Hände wanderten nun ebenfalls über Gerards Körper, worauf er sich noch stärker an mich presste.
Nur langsam trennten sich unsere Lippen wieder von einander.
„Du bist ganz schön gemein. Weißt du das?“, fragte er und ich konnte Verlangen in seinen Augen erkennen, so wie ich auch seine wachsende Männlichkeit, an meinem Oberschenkel spüren konnte. „Das hast du verdient.“, erklärte ich ihm und freut mich innerlich darüber, mich ein kleinwenig an ihm rächen zu können.
Er ging nicht weiter darauf ein. Er senkte seinen Kopf, ließ seine Lippen meinen nackten Oberkörper berühren. Ich vergrub meine Hände in seinen Haaren, während er meine Haut mit Küssen bearbeitete und sich immer weiter nach unten vorkämpfte.
An meinem Bauchnabel hielt er inne und schaute mir direkt in die Augen. „Mir wäre es ein Vergnügen deine Gedanken in die Tat umzusetzen.“
Lächelnd betrachtete ihn. So sehr mir auch gefiel was er mir tat und so sehr es mich auch angemacht hatte, der Drang mich an ihm zu rächen war stärker. Ich schüttelte den Kopf setzte mich langsam auf, sodass Gerard von mir ablassen musste. Er ließ sich neben mir nieder, schaute mich fragend an. Ich näherte mich seinem Gesicht. „Ich glaube wir belassen es erst einmal bei meinen Gedanken.“
Ich drückte noch einmal kurz meine Lippen auf seine, bevor ich aufstand, mein T-shirt vom Boden aufsammelte und mir wieder überstreifte.
Fassungslos starrte er mich an, bis er in leichtes Lachen ausbrach. „Okay ich glaub das hab ich wirklich verdient.“, gab er zu und ließ sich nach hinten fallen. Er starrte die Decke an, versuchte seinen Atem zu kontrollieren.
Ich kroch noch einmal zu ihm aufs Bett, kuschelte mich eng an ihn. Ich streichelte ihm über die Wange, über seinen Hals, bis ihn zu seinem Bauch.
Sanft ließ ich meine Lippen seine Wange berühren, war überrascht wie zart sich seine Haut dagegen anfühlte.
„Ich muss gehen.“, flüsterte ich.
Gerards Augen fixierten mich. Ich konnte erkenne, dass er nicht wollte das ich ging. Ich gab ihm einen letzten Kuss, bevor ich mich wieder erhob und sein Zimmer durchquerte. An Tür drehte ich mich noch einmal zu ihm um.
„Denk an mich“


Kapitel 21 - We are young and we don't care

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht machte ich mich auf dem Heimweg.
Ich wusste immer noch nicht, was das zwischen mir und Gerard war. Aber es fing an mir zu gefallen, sehr zu gefallen. Ich würde einfach die Momente genießen, die ich bei ihm war, einfach Spaß haben. Nicht mehr und nicht weniger.
Und sowieso war alles besser als daheim zu hocken und mich von Johnny und meiner Mutter kontrollieren zu lassen.
Langsam schlenderte ich den Weg entlang. Ich brannte nicht wirklich darauf endlich nach hause zu kommen. Am liebsten wäre ich bei ihm geblieben. Doch es ging nicht.
Ich wollte mich nicht schon wieder rechtfertigen musste. Ich hoffte, dass ich das nicht jetzt schon musste, hoffte, dass keiner zu hause war. Es wurde schon langsam dunkel. Vielleicht hatte ich ja wenigstens diesmal Glück.

Ich wurde enttäuscht. Kaum war ich zur Tür rein, kam mir auch schon meine Mutter entgegen. Besorgt betrachtete sie mich.
„Komm mal bitte mit. Ich muss mit dir reden“, sagte sie und ich folgte ihr ins Wohnzimmer. Sie setzte sich und ich tat es ihr gleich.
„Ich mache mir ein wenig Sorgen um dich Frank.“, erklärte sie mir und betrachtete mich eingehend. Fragend schaute ich sie an, wollte wissen was genau sie meinte.
„Wo treibst du dich so lange herum? Ich finde es nicht gut, wenn du erst kurz bevor es dunkel wird nach Hause kommst oder so früh am Morgen, wie das letzte Mal.“, sagte sie.
Argwöhnisch schaute ich sie an. „Dich hat doch sonst nicht interessiert, wo ich mich herumtreibe.“, antwortete ich. Und es war wirklich so. In New York hatte sie es kein bisschen interessiert. Sie hatte bis spät abends gearbeitet, hatte sich dann kurz nach meinem Tag erkundigt und das war es gewesen. Warum fing sie jetzt auf einmal damit an?
„Das stimmt nicht, Frank.“, verteidigte sie sich, „Also wo warst du?“
„Ich war bei Gerard.“, antwortete ich, worauf mich meine Mutter fragend ansah.
„Gerard?“, fragte sie.
Ich nickte. „Der Schulfreund von dem ich dir erzählt hatte.“, erklärte ich ihr.
Sie seufzte. Ich kannte dieses Seufzen.
„Was ist glaubst du mir nicht?“, fragte ich ungläubig.
Sie zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht was ich glauben soll. Du hast dich verändert.“, sagte sie.
„Würdest du mir zutrauen, dass ich dich anlüge?“. Fassungslos starrte ich sie an.
Sie schüttelte den Kopf. „Nein natürlich nicht. Aber trotzdem. Auch wenn es diesen Gerard gibt. Woher weiß ich dass es der richtige Umgang für dich ist?“, sagte sie und ich konnte einen verzweifelten Ausdruck in ihrem Gesicht erkennen.

In diesem Moment betrat Johnny das Wohnzimmer. Er ging zu meiner Mutter, begrüßte sie und gab ihr einen Kuss. Dann setzte er sich und legte einen Arm um sie.
„Geht es um deinen mysteriösen Freund?“, fragte er mich und sah abwechselnd zwischen meiner Mutter und mir hin und her. Sie nickte.
Genervt rollte ich mit den Augen. Musste er schon wieder einmischen?
Er lehnte sich ein Stück nach vorn, schaute mich an. „Deine Mutter will nur nicht, dass du auf die falsche Bahn gerätst. Bring diesen…“
„Gerard“, warf meine Mutter ein.
„…diesen Gerard doch einfach mal mit.“, beendete er seinen Satz, „Dann sind wir beide beruhigter.“
Wenn ich schon das dieses ‚wir beide’ hörte, wurde mir übel. Ihn hatte es nicht zu interessieren mit wem ich meine Zeit verbrachte.
„Ja bring ihn doch Morgen nach der Schule mit.“, schlug meine Mutter nun vor.
Ich war von der Idee nicht begeistert, wusste aber auch, dass sie nicht locker lassen würden, wenn ich es nicht tat. Aber was wollten sie machen? Mich wieder einsperren?
Aber ich stimmte zu.
Danach suchte ich so schnell wie möglich das Weite und verbarrikadierte mich in meinem Zimmer, wollte keinen der beiden an diesem Tag mehr sehen. Ich legte mich auf mein Bett und schloss die Augen.
Gerard sollte also mit zu mir kommen. Ich fragte mich, ob er das auch tun wird.



Am nächsten Morgen, verließ ich zur gewohnten Uhrzeit das Haus. Ich erschrak als ich die Tür aufmachte und ich auf dem unteren Treppenabsatz Gerard sitzen sah, der genüsslich eine rauchte. Mit ihm hätte ich nun am allerwenigsten gerechnet.
„Was machst du denn hier?“, fragte ich verwundert und schloss die Tür hinter mir, damit niemand etwas mitbekam. Sofort fuhr er herum und lächelte mich an. Er stand auf schnippte die Überreste seiner Zigarette weg.
„Wonach sieht es denn aus. Ich hol dich ab“
Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.
Er kam auf mich zu um mich kurz zu küssen, bevor wir uns auf den Weg zur Schule machten. Ich nutzte die Gelegenheit um ihm von dem Gespräch meiner Mutter zu erzählen.
Grinsend sah er mich an. „Dann komm ich eben mit und mache einen guten Eindruck.“, sagte er. Lachend musterte ich ihn. Meinte er das ernst? „Du willst einen guten Eindruck machen?“, fragte ich ihn.
Er gab mir einen kleinen Stoß in die Rippen. „Traust mir das nicht zu?“, empörte er sich und warf mir einen gespielt bösen Blick zu.
„Doch natürlich“, antwortete ich schnell, womit ich ihn wieder freundlich stimmte.
„Danke“, fügte ich noch hinzu. Gerard nickte nur.

Es dauerte nicht lang bis wir das Schulgebäude erreichten. Ich verfluchte es.
Zusammen betraten wir es und wieder hafteten die Blicke an uns. Aber diesmal machte es mir nichts aus. Denn diesmal wusste ich warum sie uns anstarrten, aber ich schämte mich nicht dafür. Ich nahm mir ein Beispiel an Gerard. Ihn interessierte nicht was die anderen dachten. Also wieso sollte es mich interessieren?
Ein Lächeln umspielte meine Lippen. Ich hatte eine Idee.
Kurz bevor sich die Wege von mir und Gerard trennten, zog ich ihm an seinem T-Shirt zu mir. Ich senkte meine Lippen auf seine und wir mir der Blick, die uns alle zuwarfen, durchaus bewusst. Ich machte mir nicht daraus. Und das wollte ich ihnen zeigen.
Sollten sie sich doch das Maul über uns zerreißen. Ich bemerkte, dass ich Gerard völlig mit meiner Aktion überrumpelte, da er erst nach einiger Zeit begann den Kuss zu erwidern. Dafür aber umso gieriger.
Wir blendeten Welt um uns herum einfach aus, ließen unsere Zungen mit einander kämpfen.
Mit einem breiten Grinsen im Gesicht löste ich mich wieder von ihm.
„Bis später.“, flüsterte ich.


Kapitel 22 - I'll never let them hurt you

Schon als ich ihm von weiten sah, bemerkte ich das etwas nicht stimmte. Zwar kannte ich ihn noch nicht lange, aber ihn bedrückte etwas.
Auch als ich vor ihm zum Stehen kam, lächelte er mich nicht so an wie sonst. Er zwang sich regelrecht dazu, was er aber nicht lang durchhielt.
Sofort stach mir auch seine aufgeplatzte Lippe ins Auge.
„Was ist passiert?“, fragte ich ihn.
Aber er winkte nur ab. „Nichts Besonderes. Lass uns gehen.“, sagte er und setzte sich in Bewegung. Ich glaubte ihm kein Wort. Nach etwas nichts Besonderem sah das Ganze nämlich nicht aus. Und wenn ihm irgendetwas die Stimmung vermieste, dann musste es was sehr Schlimmes sein. Ich hakte aber nicht nach, sondern lief still neben ihm her.

„Heute laufen wir aber besser nicht Hand in Hand ins Haus“, meinte ich lachend, um die Stimmung etwas aufzulockern. Ich hatte Gerard die ganze Zeit aus den Augenwinkeln angesehen, ihm dabei zugeschaut wie er hektisch an einer Zigarette zog. Wieder lächelte er mich gequält an.
„Dann wäre wohl mein guter Eindruck gleich dahin“, erwiderte er.
Ich nickte. Meine Mutter würde sicherlich nicht so reagieren wie seine. Mal ganz abgesehen von Johnny.
„Deine Mutter ist da echt tolerant kann das sein?“, fragte ich ihn, da es mich irgendwie beeindruckte. Dieses Mal war es an Gerard zu nicken.
„Ja, aber der hab ich auch schon erzählt wie heiß ich dich finde.“, sagte er und zum ersten Mal seit wir die Schule verlassen hatten, konnte ich ein ehrliches Lächeln erkennen.
Ich bemerkte wie ich erröte und wendete meinen Blick ab.
„Hey Honey da brauchst du nicht rot zu werden.“, meinte er lachend.
Er fuhr mit seiner Hand über meine Wange, drehte meinem Kopf wieder zu ihm. „Ich sag doch nur die Wahrheit.“, fügte er hinzu.
Er hauchte mir einen zarten Kuss auf den Mund, bevor wir unseren Weg fortsetzten.

Viel zu schnell war der Schulweg zu Ende und wir standen vor dem Haus, in dem meine Mutter schon auf uns wartete.
Kurz nachdem wir das Haus betraten hatten, kam sie auch schon angelaufen.
„Hallo“, rief sie fröhlich.
„Hi Mom.“, begrüßte ich sie.
Höflich streckte Gerard ihr die Hand entgegen, die sie ergriff.
„Hallo Mrs. Iero. Gerard Way“, stellte er sich selbst vor.
„Hallo Gerard“, begrüßte sie ihn lächelnd, wahrscheinlich positiv überrascht über sein Auftreten.
„So jetzt kennst du ihn. Wir sind oben in meinem Zimmer“, sagte ich schnell.
Doch meine Mutter schüttelte grinsend den Kopf. „Ach was. Ich will deinen Freund doch etwas kennen lernen.“, sagte sie und verschwand im Wohnzimmer.
„Ich dachte wir wären keine Freunde“, hörte ich Gerards Stimme ganz nah an meinem Ohr, spürte seinen Atem an meinem Hals.
Ich drehte mich zu ihm um. „Sind wir auch nicht. Aber irgendwas musste ich ihr ja sagen. Und bilde dir nichts drauf ein. Sie will dich nur kennen lernen, weil sie denkt du wärst ein schlechter Umgang für mich.“, erklärte ich ihm.
Gerard ergriff meine Hand. „Na dann werde ich ihr jetzt mal zeigen, dass ich ein sehr guter Umgang für dich bin“, sagte er und zog mich hinter sich her.
Kurz bevor wir das Wohnzimmer betraten, befreite ich mich aus seinem Griff.


„Und ihr beiden geht in die selbe Klasse?“, wollte meine Mutter wissen.
Gerard schüttelte den Kopf. „Nein. Ich bin schon im letzten Jahr an der Highschool. Also eine Klasse über Frank.“
„Wo habt ihr euch den kennen gelernt. Auf dieser Party von der Frank mal erzählt hatte?“
Wieder verneinte Gerard diese Frage. „Ich habe Frank durch meinen kleinen Bruder Mikey kennen gelernt. Er und Frank sind in der gleichen Stufe.“
„Oh du hast also einen Bruder? Hast du weitere Geschwister?“
Gerard nahm einen Schluck von seinem Kaffee, den ihm meine Mutter gemacht hatte, bevor er ihr antwortete: „Nein nur einen Bruder.“
Das Gespräch verlief weiter so. Meine Mutter fragte und Gerard antwortete. Ich saß dabei nur daneben und hörte ihnen zu, beobachte ihn, wie er ihr freundlich alles erzählte was sie wissen wollte. Mein Blick schweifte zu meiner Mutter. Mit einem Lächeln auf den Lippen sprach sie mit Gerard. Er schien ihr zu gefallen, wirklich zu gefallen, was auch mich zum Lächeln brachte.

Doch dieses wurde kurz darauf zerstört, als Johnny, schon wie am vorigen Tag, das Zimmer betrat. Wieder begrüßte er meine Mutter, bevor er sich mir und Gerard zuwandte. Mir nickte er nur zu, während Gerard aufstand und ihm, schon so wie vorhin bei meiner Mutter, seine Hand reichte.
Skeptisch musterte Johnny ihn, bis er ihm mit seiner Hand entgegen kam.
„Gerard Way“, stellte sich Gerard sich wieder vor.
Johnny verzog kein Gesicht und hielt es auch nicht für angebracht sich selbst vorzustellen. „Gerard Way soso“, antwortete er nur und musterte ihn weiter von Kopf bis Fuß.
Schnell sprang ich auch auf.
„So ich glaube Mom. Du weißt jetzt alles über ihn. Wir sind dann oben“, sagte ich, wartete keine Antwort ab und zog Gerard mit mir aus dem Zimmer.
„Ich hasse ihn“, flüsterte ich, als ich Gerard die Treppe nach oben, in mein eigenes Zimmer, führte.
Er hatte ihn gemustert, als ob er ein widerliches Insekt war. Ich hatte das nicht mehr mit ansehen können.

„Jetzt kann ich zumindest verstehen, warum du nicht gern hier bist.“, sagte Gerard, nachdem wir mein Zimmer erreicht hatten.
Ich nickte und ließ mich seufzend auf mein Bett sinken. Gerard setzte sich neben mich.
„Aber ich denke wenigstens meine Mutter mag dich“, sagte ich und lächelte nun auch wieder.
Abwesend nickte Gerard.
Besorgt musterte ich ihn. Während dem Gespräch mit meiner Mutter hatte man ihm nicht angemerkt, dass etwas nicht stimmte. Doch jetzt war es kaum verkennbar.
Gerard starrte nur teilnahmslos vor sich hin.
Mich machte es fertig ihn so zu sehen und nicht zu wissen was mit ihm los war.
„Gee“, erhob ich meine Stimme. Zusätzlich legte ich meine Hand auf seine Schulter. Er sah mich an. Ich musste schlucken, da er mir mit einer unsagbaren Traurigkeiten entgegenblickte.
„Was ist los?“, fragte ich ihn. Er wollte zum sprechen ansetzen, mir wahrscheinlich sagen, dass es nichts war, aber ich unterbrach ihn. „Und sag mir, dass es nichts besonderes ist. Du kannst mir nichts vormachen“, warnte ich ihn vor.
Er seufzte und ließ den Kopf hängen.
Ich legte meine Hand unter sein Kinn zwang ihn mich anzusehen. „Du kannst es mir sagen. Was auch immer es ist.“
Er schloss die Augen um mich nicht ansehen zu müssen.
„Es ist Mikey. Wir hatten heute eine kleine Auseinandersetzung.“, sagte er schließlich.
Sanft strich ihm über die Wange.
Bis ich zu seiner Lippe kam. „Ist das auch davon?“, wollte ich wissen und strich langsam über den blutunterlaufenen Riss. Gerard nickte kaum merklich.
„Worum ging es?“, fragte ich, obwohl ich die Antwort eigentlich schon kannte.
„Um dich. Um uns.“, flüsterte er, bestätige meine Vermutung. Er sah mich wieder an. Er war niedergeschlagen. Ich hatte gedacht, dass ihn das kalt ließ. Doch dem war nicht so.
„Ich verstehe, dass dich das traurig macht. Erzähl mir davon“, forderte ich ihn auf.
Gerard kämpfte mit sich, dass konnte ich erkennen. Es viel ihm nicht leicht darüber zu reden.
„Ich hab ihn beschimpft, daraufhin hat er zugeschlagen“, sagte er und ich konnte erkennen wie sich Tränen in seinen Augen bildeten.
„Ich wollte ihm sagen, wie dumm er sich verhält. Aber er sieht es einfach nicht ein. Er ist so verbohrt. Da ist mir eben das eine oder andere böse Wort rausgerutscht. An seiner Stelle hätte ich auch zu geschlagen“, gab er zu. Wieder ließ er den Kopf hängen.
Vorsichtig zog ich ihn in meine Arme, streichelte ihm durch seine Haare.
Er ließ seinen Kopf gegen meine Brust sinken. Gemeinsam ließen wir uns der Länge nach auf mein Bett fallen. Gerard lag halb auf mir, schlang ebenfalls einen Arm um mich.
„Frank…ich versteh ihn einfach nicht. Wir waren sonst die besten Freunde und jetzt schaut er mich nicht einmal mehr an.“, erklärte er mir verzweifelt.
Ich konnte ihn schluchzen hören. Beruhigend strich ihm über den Rücken.
„Er ist so blind, dass er gar nicht sieht was er tut. Er wird so wie sie, nur um ihr zu gefallen.“
Ich bemerkte wie seine Stimme anfing zu zittern.
„Ich will nicht, dass er so wird wie sie alle.“
Er schluckte, bevor er weiter sprach.
„Ich will meinen Bruder wieder haben“, sagte er und brach nun endgültig in Tränen aus. Fest umklammerte er mich, suchte an mir halt.
Mir tat es so weh ihn so zu erleben. Und ich wusste nicht was ich tun sollte, fühlte mich so hilflos in dieser Situation.
Ich sagte nichts, hielt ihn einfach nur, da ich dachte es sei das Beste.

Es dauerte einige Zeit bis er sich wieder beruhigt hatte.
Er hob seinen Kopf und sah mich an. „Danke Frank.“, flüsterte er.
Fragend schaute ich ihn an. „Wofür? Es ist doch meine Schuld, dass Mikey dich so behandelt.“, erwiderte ich. Und es stimmt doch auch. Wäre ich nicht gewesen, würden sie sich immer noch bestens verstehen.
Gerard schüttelte nur den Kopf, gab mir aber keine Antwort, sondern legte sanft seinen Mund auf meinen.
Vorsichtig bewegte ich meine Lippen gegen seine. Das war mit Abstand der zärtlichste Kuss den ich bis jetzt mit ihm geteilt hatte. Und wieder einmal überraschte es mich.
Dabei streichelte er mir über meine Wange, bis hin zu meinen Haaren, worin sich verfing.
Lange verharrten wir in dieser Position, lösten uns nur für kurze Zeit, um danach schnell wieder den Kuss aufzunehmen.
Wahrscheinlich hätte das Ganze noch ewig gedauert. Aber ein Räuspern hinter uns ließ uns schnell auseinander fahren.


Kapitel 23 - If you were here I'd never have a fear

„Ich glaube dein Freund geht jetzt besser“, durchbrach Johnny die peinliche Stille, wobei er das Wort Freund extra betonte.
Danach drehte er sich um und verließ den Raum.
Seufzend ließ ich mich wieder in mein Kissen fallen. „Scheiße“, fluchte ich, „Das hat mir gerade noch gefehlt“
Gerard neben mir richtete sich auf.
„Gut ich denke, ich sollte wirklich gehen. Schade jetzt wird mein guter Eindruck bei deiner Mutter auch dahin sein“, meinte er und lachte kurz auf.
Böse funkelte ich ihn an. „Das ist nicht witzig ja?“
„Sorry Frankie“, entschuldigte er sich sofort und stand auf.
Er schaute etwas betreten zu Boden. Wahrscheinlich war ihm die ganze Sache doch etwas peinlich.
„Wir sehen uns“, sagte er, schaute mich noch einmal an, bevor er sich umdrehte und mein Zimmer verließ.

Ich vergrub mein Gesicht im Kissen. Das durfte doch alles nicht wahr sein. Erst heulte sich Gerard bei mir aus, was schon überraschend genug war, und dann kommt auch noch Johnny ins Zimmer und erwischt uns beim Knutschen.
Das war wirklich nicht mein Tag. Ich hätte eher wissen müssen, dass das hier in einer Katastrophe enden würde. Denn ich hatte ein ungutes Gefühl.
Ich kannte Johnny nicht lange genug um einschätzen zu können, wie er mit dem Gesehenen umgehen würde.
Aber er hatte schon vorher komisch auf Gerard reagiert. Das Alles würde es nicht besser machen. Höchstens schlimmer.

Nachdem ich einige Zeit ruhig in meinem Bett gelegen und mir Gedanken über mögliche Konsequenzen gemacht hatte, stand ich auf und verließ mein Zimmer.
Es war noch nicht spät. Ich wollte einfach noch eine Runde spazieren gehen um einen klaren Kopf zubekommen, vor allem auch weil mir die ganze Situation mit Gerard zuschaffen machte. Waren wir jetzt für einander die Seelsorger geworden. Er weint sich bei mir über seinen Bruder aus und ich mich bei ihm, wegen meinem ganzen verdammten Leben. Nicht das ich es mich stören würde. Schließlich hatte ich nachgefragt, hatte mich um ihn gesorgt. Aber wieso?
Ich ging die Treppen runter und konnte schon laute Stimmen von Johnny und meiner Mutter aus dem Wohnzimmer vernehmen.
„Er hat auf mich aber wirklich einen sehr netten Eindruck gemacht“, sagte sie.
Es ging anscheinend um Gerard. Um was auch sonst, nachdem was Johnny gesehen hatte. Ich ließ mich auf der letzten Stufe nieder um das Gespräch weiter zu belauschen.
„Ach was. Ich habe von diesem Gerard gehört. Er ist bei weitem nicht der nette Junge, wie es den Anschein hat.“, ertönte nun Johnnys laute Stimme.
Er hatte von Gerard gehört?
Als ob er Gedanken lesen könnte, fügte Johnny noch hinzu: „Ich habe einen Neffen an dieser Schule und der erzählt mir manchmal so einige Dinge, unter anderem ist da auch schon mal der Name Gerard Way gefallen, als Drogen- und Alkoholsüchtiger.“
Genervt verdrehte ich die Augen. Bis wohin diese Gerüchte reichten, verblüffte mich. Warum musste ausgerechnet Johnny davon erfahren und auch noch meiner Mutter erzählen.
„Eigentlich wollte ich dir es ja gar nicht sagen. Aber ich habe deinem Sohn, als du ihn mir vorgestellt hast, angesehen, dass er gekifft hatte. Ich hatte ihn, als du uns für eine Weile allein gelassen hattest, darauf angesprochen und er hat mich so lange angebettelt dir nichts zu sagen, dass ich es ihm versprochen habe. Er meinte es wäre das erste und das letzte Mal gewesen. Aber da er nun mit diesem Gerard Zeit verbringt, glaube ich ihm das nicht.“
Während Johnny gesprochen hatte, hatten sich meine Augen vor Schock geweitet. Was erzählte er denn da? Am liebsten wäre ich aufgesprungen um das Ganze richtig zu stellen, aber ich hielt es für besser lieber noch eine Weile zuzuhören. Wer weiß was er meiner Mutter noch so über mich erzählte. Ich atmete tief ein und aus, um meine Wut etwas zu unterdrücken.
„Aber Kiffen tut doch jeder Junge mal in seinem Alter. Und das mit Gerard kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Du weißt doch wie das an so einer Schule ist. Da entstehen schnell solche Gerüchte. Das hab ich selbst schon bei Frankie erlebt.“
Ja das war meine Mutter. Sie dachte an das Gute im Menschen. Und damit hatte sie ja auch Recht.
„Was ist wenn es bei deinem Frankie auch kein Gerücht war? Ich trau diesem Gerard jedenfalls nicht über den Weg und das solltest du auch nicht.“, redete nun wieder Johnny auf sie ein, wollte sie von Gegenteil überzeugen.
„Außerdem hab ich die beiden vorhin küssend in seinem Zimmer vorgefunden. Ich wusste nicht, dass dein Sohn schwul ist.“, sagte er.
Was um Himmelswillen wollte er eigentlich damit bezwecken? Ich konnte es mir einfach nicht erklären.
„Frank und schwul? Das kann ich mir nicht vorstellen“, hörte ich meine Mutter sagen.
Ich bin ja auch nicht schwul, schoss es mir sofort durch den Kopf.
„Ja eben für mich ist er auch nicht der Typ dafür. Aber wieso sollte er dann mit diesem Gerard rummachen? Vielleicht gibt er ihm ja schon irgendwelche Drogen um ihn gefügig zu machen.“, dröhnte wieder Johnnys laute Stimme aus dem Wohnzimmer.
Die Wut, die ich versuchte zu unterdrücken, wurde immer stärker.
Ich konnte mir das nicht mehr länger mit anhören. Schnell schnappte ich mir meine Schuhe, die nicht weit entfernt von mir standen und zog diese an.
Dann sprang ich auf, stürmte zur Tür und ließ diese mit einem lauten Knall hinter mir zu fallen.

Schnellen Schrittes ging ich die Straße entlang. Dieses Mal wusste ich ganz genau wohin mich meine Füße trugen. Zu Gerard.
Ich musste ihn jetzt einfach sehen. Eigentlich hatte ich darüber nachdenken wollen, was das da zwischen uns war, über den Vorfall von vorhin.
Aber ich konnte dem Drang ihn zu sehen, nicht widerstehen.
Es dauerte nicht lange bis ich vor dem Haus, in dem er lebte, zum Stehen kam. Schnell betätigte ich die Klingel und wartete ungeduldig, dass mir jemand die Tür öffnete.
Glücklicherweise war es Gerard, der dies tat. Überrascht schaute er mich an.
„Was machst du denn hier?“, fragte er ungläubig und starrte mich mit großen Augen an.
Ich zuckte mit den Schultern. So genau wusste ich das auch nicht.
„Ich habs da nicht ausgehalten.“, antwortete ich ihm nur.
Gerard ergriff meine Hand zog mich ins Haus und gleichzeitig zu sich.
„So schlimm?“, wollte er wissen und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
Es war merkwürdig, aber in seiner Gegenwart fühlte ich mir irgendwie wohl.
„Er hat alles umgedreht und dich schlecht gemacht. Ich konnte mir das nicht mehr mit anhören.“, erwiderte ich, spürte dabei wieder die Wut auf Johnny aufkeimen.
Welche sich aber sofort wieder legte, als ich Gerards Lippen auf meiner Stirn spürte.
Danach lächelte er mich kurz an
„Ich freu mich jedenfalls, dass du hier bist.“, murmelte er, bevor er mich hinter sich her in sein Zimmer zog.


Kapitel 24 - Holding hands and life was perfect

In seinem Zimmer angekommen zog er mich zu sich und unsere Lippen vereinten sich zu einem sanften Kuss. Ich ergriff auch noch seine andere Hand, verhakte seine Finger mit meinen.
„Ich freu mich auch“, murmelte ich, bevor er mich wieder küsste.
Ich lehnte mich ihm weiter entgegen, intensivierte den Kuss, in dem ich mit meiner Zunge in seinen Mund vordrang. Gerards Hände lösten sich derzeit von meinen, krallten sich in meinen Haaren fest. Ich legte meine Arme um ihn und drückte ihn näher an mich.
Gemeinsam bahnten wir uns den Weg zu seinem Bett. Ohne uns voneinander zu lösen, ließen wir uns darauf fallen. Ich beugte mich über ihn, stütze mich mit einer Hand neben ihm auf dem Bett ab. Die andere ließ ich seinen Körper erkunden. Ich fuhr unter seinen Pullover, wollte seine Haut unter meinen Fingern spüren.
Gerard stoppte meine Hand.
„Was soll das werden?“, fragte er, hielt meine Hand fest umklammert.
Verwirrt sah ich ihn an. Nach was sah es denn bitte aus?
„Verwirklichung meiner Gedanken“, flüsterte ich ihm ins Ohr und vergrub mich daraufhin in seinem Nacken.
Sanft drückte Gerard mich von sich. Genervt stöhnte ich auf. War das schon wieder eines seiner Spielchen. „Was?“, fuhr ich ihn an.
„Meinst du dass das jetzt richtig ist?“, fragte er und sah mich eindringlich an.
Seufzend ließ ich mich neben ihn fallen. „Wie meinst du das?“
„Naja ich meine in deiner Verfassung jetzt.“
Ich runzelte die Stirn. „In meiner Verfassung?“, fragte ich nach.
„Ja ich will nicht dass du das tust, weil du wütend bist und dich abreagieren musst.“, erklärte er mir, schaute mich dabei aber nicht an.
Sofort schüttelte ich meinen Kopf.
„Nein, nein so ist das nicht. Gerard…“
Ich zwang ihn mich anzusehen. „Du lässt mich das Ganze vergessen.“
Immer noch unsicher schaute er mich an. Flehend blickte ich ihm entgegen.
„Bitte lass es mich vergessen okay?“
Ich wollte im Moment nichts weiter als seine Nähe spüren. Er nickte und ein breites Lächeln stahl sich in mein Gesicht. Kurz darauf spürte ich schon wieder seine Lippen auf meinen. Ein Gefühl, dass ich nie wieder missen wollte.
Zärtlich strich er mir über die Wange und glitt dann mit seiner Hand immer tiefer. Er fuhr unter mein Shirt, unterbrach den Kuss und zog es mir aus.
Kurz bevor er wieder seinen Mund auf meinen senken wollte, stoppte ich ihn. Ich ergriff nun ebenfalls den Saum seines Pullovers, den er leider immer noch trug. Diese Tatsache änderte ich aber schnell und warf ihn auf den Boden, wo sich auch schon mein T-Shirt befand. Mit einem breiten Grinsen zog mich Gerard wieder auf sich und wir verloren uns wieder in einem leidenschaftlichen Kuss.
Währenddessen strichen seine Finger über meinen Rücken, verursachten eine angenehme Gänsehaut. Und je tiefer sie kamen und so stärker wurde das Kribbeln, welches durch meinen Körper jagte. Er legte seine Hände um meine Hüfte und schob mich von ihm weg, sodass ich den Kuss lösen musste.
„Du bist dir wirklich sicher?“, fragte er mich.
Ich lächelte ihn an und nickte. „Ja das bin ich“, erwiderte ich noch zur Verstärkung und begann nun die zarte Haut an seinem Hals zu liebkosen.
Das war ihm anscheinend ausreichend genug, da sich nun seine Hände wieder von meinen Hüften lösten und sich an meiner Gürtelschnalle zu schaffen machten.
Kaum hatte er sie offen, schob er auch schon meine Hose nach unten. Ich tat den Rest und entledigte mich ihr ganz, bevor ich Gerards Haut wieder mit Küssen übersäte. Meine Hände waren in dieser Zeit auch nicht ganz untätig und versuchten ebenfalls seine Hose zu öffnen. Nach einigem herumfummeln gelang es mir schließlich und ich zog ihm die Hose von den Hüften. Ich setzte mich etwas auf um sie ihm ganz von den Beinen zu streifen.
Als sie neben meinen gelandet waren, spürte ich auch schon wieder Gerards Arme um mich, der mich zu sich zog. Eng drückte er sich an mich. Das Gefühl von seiner Haut an meiner war wundervoll. Überhaupt war alles so ganz anders, als alles was ich vorher erlebt hatte. Es war neu. Das war es was mich jetzt so an der Sache reizte, mich so anmachte.
Gerard drehte nun die ganze Sache um, sodass ich unter ihm lag.
Wieder fanden unsere Münder zu einem intensiven Kuss zusammen. Leidenschaftlich umspielten sich unsere Zungen.
Einige Zeit verharrten wir so, bis sich Gerard sich langsam nach unten vorkämpfte.
Er verteilte Küsse über meinen ganzen Oberkörper, mal stürmisch und mal berührten seine Lippen meine Haut nur ganz sanft.
Zärtlich umspielte er meinen Bauchnabel mit seiner Zunge. Ich schloss die Augen und genoss nur noch seine Berührungen.
Immer weiter wanderte er nach unten, setzten einen Kuss nach dem anderen auf meine erhitzte Haut, ließ mich jedes Mal erzittern.
Und umso tiefer er wanderte umso heftiger fing ich an mich unter ihm zu winden.
Ein leises Stöhnen entwich meiner Kehle als er an meinem Hüftknochen stoppte und die Haut darum eingehend bearbeitete.
Er schob den Bund meiner Boxershorts immer weiter nach unten und küsste die Haut, die darunter zum Vorschein kam.
„Gee...“, keuchte ich auf.
Grinsend kam er zu mir hoch. „Ja?“, fragte er, ließ mich aber nicht zu Wort kommen, da er meinen Mund mit seinem verschloss.
„Hör nicht auf“, sprach ich als ich mich kurz von seinen Lippen löste.
Gerard platzierte eine Hand auf meinem Bauch. Während er wieder den Kuss aufnahm, ließ er diese ganz langsam hinunter gleiten, bis in meine Shorts.
Ich stöhnte auf, als ich fühlte wie er seine Hand um mein Glied schloss, es langsam zu massieren begann. Mich von Gerard lösend, legte ich meinen Kopf in den Nacken.
Das nutzte er um meinen Hals mit seinem Mund zu bearbeiten. Langsam ließ er seine Zunge über meine zarte Haut gleiten. Ich schloss die Augen, genoss seine Zärtlichkeiten.
Er erhöhte das Tempo seiner Hand. Seufzend bog ich mich ihm weiter entgegen.
Er löste seine Lippen von meinem Hals um mich wieder gierig zu küssen.
Meine Hände machten sich in der Zeit nun auch an seiner Boxershorts zu schaffen, schoben diese von seinen Hüften. Ich ließ meine Hand erst kurz seine Erektion streifen, worauf Gerard in den Kuss keuchte, bevor ich meine Hand darum schloss.
Im selben Tempo wie er fing ich an sein Glied zu stimulieren.
Wir lösten unsere Lippen voneinander, sahen uns tief in die Augen, während wir unser Tun fortsetzten. Mit meiner freien Hand strich ich ihm so zärtlich es mir noch möglich war durch sein Gesicht.
Immer wieder trafen sich unsere Lippen, zwischen erregtem Stöhnen.
Nach Luft ringend löste Gerard kurze Zeit später seine Lippen wieder von meinen. Beide atmeten wir heftig ein und aus, ließen uns dabei nicht aus den Augen.
Der Rhythmus, in dem sich unsere Hände bewegten, beschleunigte sich, während sich der Abstand in dem wir beide aufstöhnten sich verkürzte. Ich spürte wie wir uns langsam auf den Höhepunkt zu bewegten. Meine freie Hand legte ich Gerard in den Nacken, spielte mit seinen Haaren und zog ihn in einen unruhigen Kuss.
Ich hatte alles um mich herum vergessen. Es zählte nur noch Gerard und diesen unglaublich gute Gefühl, das er in mir auslöste.
Ich gab mich ihm ganz hin, bog mich ihm immer weiter entgegen.
Ein unkontrolliertes Zucken durchfuhr meinen Körper. Ich wusste, dass es nicht mehr lang dauern konnte.
Gerard lehnte seinen Kopf an meinen. Ich hörte sein Keuchen ganz nah an meinem Ohr, konnte seinen heißen Atem an meiner empfindlichen Haut spüren.
Noch einmal verstärkte er den Griff um mein Glied, bewegte seine Hand noch ein bisschen schneller, als ich mit einem lang gezogenen Stöhnen kam. Meine Muskeln spannten sich an und lösten sich wieder. Ich war so überwältig von den Gefühlen, die auf mich einströmten, sodass ich nur ganz entfernt wahrnahm, wie sich Gerard aufbäumte und sich ebenfalls stöhnend diesen Gefühlen hingab.

Erschöpft ließ er sich neben mich sinken, zog mich aber kurz darauf in seine Arme.
Ich legte meinen Kopf auf seine Brust, konnte sein Herz schlagen hören.
Sein Brustkorb hob und senkte sich in schnellen Abständen, wurde aber zunehmend langsamer, nach einiger Zeit, in der wir kein Wort wechselten.
„Sehr viel besser als in meinen Gedanken“, unterbrach ich die Stille, immer noch ein wenig atemlos. Gerard streichelte mir währenddessen unaufhörlich durch meine Haare.
„Wie recht du hast“, erwiderte er und lachte auf.


Kapitel 25 - Mama, we're all full of lies.

Einige Zeit lagen wir nur schweigend nebeneinander. Ich war im Moment einfach nur froh, dass mich jemand hielt. Ich dachte nicht daran, was passieren würde, wenn ich nach Hause kam. Ich dachte an nichts.
Das war schon lange nicht mehr der Fall gewesen. Dafür dankte ich Gerard.
Ich war schon kurz vom eindösen, als doch wieder Bedenken in mir hochkamen.
„Ich sollte jetzt gehen“, flüsterte ich und holte damit Gerard, der schon fast eingeschlafen war, in die Realität zurück.
Ich schaute zu ihm auf. Schmollend schob er seine Unterlippe vor.
„Ich will aber nicht, dass du gehst“, sagte er und strich mir mit seiner Hand über den Rücken, bevor er sanft meine Stirn küsste.
„Jetzt kommt es doch auf ein paar Minuten mehr oder weniger auch nicht mehr an oder?“, fragte er mich und sah mich eindringlich an.
Ich nickte. Da hatte er wahrscheinlich Recht.
Sofort bildete sich wieder ein glückliches Lächeln in seinem Gesicht.
„Gut, dann gehen wir jetzt erst einmal was essen. Ich hab tierischen Hunger“, bestimmte er und sprang schnell aus dem Bett.

Hand in Hand und nur in Boxershorts, worüber ich erst meine Bedenken geäußert hatte, aber schnell von Gerard beruhigt wurde, bahnten wir uns den Weg in die Küche.
„Es ist keiner außer uns da“, hatte er mir erklärt.
Als war ich ihm ohne weitere Einwände gefolgt.

„Wer als erster am Kühlschrank ist“, rief Gerard, als wir im Flur ankamen und rannte los.
Lachend rannte ich ihm hinter her.
„Das war gemein“, sagte ich, da er natürlich durch den Vorsprung den er gehabt hatte, als erster ankam. Kurz hinter ihm kam ich zum Stehen und versuchte über seine Schulter ins Innere des Kühlschrank zuschauen, was mir aber sehr schwer fiel.
„Nichts da“, murmelte Gerard.
„Wie nichts da?“, fragte ich und drängelte mich nun an Gerard vorbei, der einen Schritt zurückgegangen war.
Prüfend ließ ich meinen Blick über die Lebensmittel schweifen.
„Und?“, fragte Gerard nach.
Ich seufzte. Ich konnte ebenfalls nichts Genießbares entdecken. „Nichts da“, wiederholte ich Gerards Aussage.
„Und jetzt?“, fragte er, während er beide Arme um mich legte und seinen Kopf auf meiner Schulter platzierte.
„Woher soll ich das denn wissen. Du wohnst hier“, gab ich zurück und schloss den Kühlschrank.
Ich hörte nur einen Grummeln und bemerkte wie sich Gerard näher an mich drückte.
Während Gerard anfing meinen Nacken mit hauchzarten Küssen zu bedecken, ließ ich meinen Blick durch die Küche streifen.
Mein Blick stoppte als ich ein großes Glas entdeckte.
„Gerard“, versuchte ich ihn von meinem Nacken abzulenken. Es ertönte aber nur ein kurzes „Hm?“, bevor ich seine Lippen wieder auf meiner Haut spürte.
Ich angelte mir das Glas.
„Was hältst du von Nutella?“, fragte ich, drehte mich um, sodass er sich von mir lösen musste und hielt ihm meinen Finger, den ich zuvor in die süße, braune Creme getaucht hatte, hin.
Breit grinste er mich an. „Sehr viel“, antwortete er, umfasste mein Handgelenk und leckte mir mit seiner Zunge das Nutella vom Finger, bevor er ihn ganz in den Mund nahm.
Er schaute mir tief in die Augen, als er anfing vorsichtig an ihm zu saugen.
Ich bemerkte sofort wie meine Gedanken abschweiften. Er wusste genau wie er mich um den Verstand bringen konnte. Wie schaffte er es nur immer wieder, mich so dermaßen anzumachen, dass ich sogar daran dachte ihn sofort hier in der Küche zu nehmen.
Mit einen Lächeln ließ er wieder von meinem Finger ab. Natürlich wusste er genau was ich dachte.
„Ich glaub ich bestell uns ne Pizza“, sagte er, drehte sich um und verließ die Küche. Entnervt stöhnte ich auf und ließ mich auf einen Stuhl sinken. Dafür hasste ich ihn. Erst machte er mich scharf und dann ließ er mich stehen. Ich wusste, dass er das mit Absicht tat.

Es dauerte nicht lange bis ich wieder Schritte vernahm.
„Während wir warten können wir das von vorhin gern noch mal wiederholen“, rief ich ihm schon entgegen.
„Muss ich dich jetzt schon ficken um mir was zu trinken zu holen?“, ertönte eine Stimme hinter mir. Allerdings gehört diese nicht zu Gerard.
Erschrocken drehte ich mich um und sah direkt in Mikeys Gesicht, der mich abschätzend anblickte.
„Oh tut mir leid. Ich dachte du wärst Gerard“, entschuldigte ich mich schnell und spürte wie mir das Blut in den Kopf schoss.
Warum musste mir so etwas denn passieren? Hatte Gerard nicht gesagt wir wären allein?
„Mein Bruder fickt dich sicher gern“, sagte er und ging zum Kühlschrank, stoppte davor aber und sah mich panisch an. „Oh Gott. Ihr habts doch nicht hier irgendwo getrieben oder?“, rief er und musterte mich.
„Was hast du eigentlich für ein Problem?“, fuhr ich ihn an. Ich verstand ihn einfach nicht. Wie konnte man so kalt zu seinem eigenen Bruder sein.
„Du bist verdammt noch mal das Problem“, entgegnete er und funkelte mich böse an. Ich spürte wie ich schon wieder zornig wurde. Wollte er mir jetzt die Schuld in die Schuhe schieben?
„Ich bin das Problem? Was hab ich dir denn getan?“, wollte ich wissen.
Er schüttelte nur den Kopf und ging nun wirklich zum Kühlschrank. „Du merkst schon gar nicht mehr wann du Menschen verletzt oder?“, sagte er nun wieder etwas ruhiger, was mich dafür aber umso wütender machte.
Ich sprang von dem Stuhl auf. „Was hab ich denn verdammt noch mal getan? Ist das wirklich nur dieser verdammte Kuss mit Amy. Sie hatte mich geküsst. Nicht ich sie.“, versuchte ich ihm zu erklären.
Er schaute mich an, schüttelte wieder den Kopf. „Denkst du wirklich ich glaub dir. Du hast ihr Hoffnung gemacht verdammt. Und dann versuchst du auf ihrer Geburtstagsparty ihre beste Freundin zu besteigen“, erklärte er mir und verzog angewidert das Gesicht.
„Du scheinst ja bestens informiert zu sein“, entgegnet ich aufgebracht. Er redete von Dingen, von denen er keine Ahnung hatte.
„Oh ja das bin ich. Und weißt du was. Es geht ihr immer noch mies deswegen. Ich kann nicht verstehen warum Gerard sich auf dich einlässt.“
Jetzt war es an mir den Kopf zu schütteln. Wie konnte man nur so blind sein?
„Gerard glaubt mir halt mehr als einer dummen Tussi, die meint sie sei besser als alle anderen“, erwiderte ich und versuchte meine Wut auf ihn zu unterdrücken, da ich sonst für nichts mehr garantieren konnte.
„Ja soll er doch sehen wo er bleibt. Bei mir braucht er sich später jedenfalls nicht ausheulen, wenn du dieselbe Nummer mit ihm abgezogen hast.“, sagte Mikey kalt, dreht sich von mir weg und füllte sich etwas Wasser in ein Glas.
„Ich will gar keine Nummer mit ihm abziehen ist das klar? Aber Gerard hat so einen Bruder wie dich wirklich nicht verdient“, erwiderte ich und sah ihn abwartend an.
Er drehte sich wieder zu mir um.
„Halt deine verdammte Klappe. Du hast keine Ahnung“, rief er ärgerlich.
„Ach nein? Ich denke aber schon. Schließlich hab ich ihn getröstet nach eurem Streit heute.“, sagte ich um ihm zu zeigen, dass ich sehr wohl wusste wovon ich sprach.

„Frank tu was er sagt und halt die Klappe“, ertönte Gerards Stimme hinter mir.
Ich wirbelte herum und sah ihn im Türrahmen stehen. Ich konnte deutlich erkennen wie er um seine Fassung rang.
„Warum?“, fragte ich ihn ebenfalls fassungslos.
„Wie er schon sagte. Du hast davon keine Ahnung.“, erwiderte er leise und vermied es dabei mich anzusehen.
Ich glaubte mich verhört zu haben. Nahm er jetzt etwa seinen verbohrten, kleinen Bruder in Schutz? Ich fühlte mich als ob man mir ins Gesicht geschlagen hätte. Erst heulte er sich bei mir aus. Und jetzt das.
„Ich glaube du gehst jetzt“, sagte er und versuchte seine Tränen zu unterdrücken, doch vergeblich.
Vor ein paar Minuten wollte er noch dass ich unbedingt blieb und jetzt konnte er mich nicht schnell genug loswerden. Aber wenn er es so wollte.
Wütend rauschte ich an ihm vorbei und rannte in sein Zimmer, wo ich mich schnell anzog.
Ohne noch ein Wort mit ihm zu wechseln, stürmte ich aus dem Haus.

Mittlerweile war es dunkel geworden und es regnete leicht. Schnell lief ich durch die Straßen. Ich konnte es immer noch nicht fassen. Der Regen vermischte sich mit meinen Tränen. Ich fühlte mich gedemütigt. Warum hatte er das getan? Warum nahm er ihn immer noch in Schutz nach allem was er getan hatte.
Ich verstand es nicht. Und ich wollte es auch nicht mehr verstehen.
Sollte er sich jemand anderen suchen. Ich jedenfalls ließ das nicht mit mir machen.

Zuhause angekommen, wollte ich sofort in mein Zimmer um jedem Gespräch mit Johnny oder meiner Mutter zu entgehen. Ich war einfach nicht in der Lage dazu mich jetzt auch noch zu streiten.
Schnell streifte ich mir die Schuhe von den Füßen, als meine Mutter den Flur betrat.
„Wo warst du?“, fragte sie mich.
Ich schaute nicht auf, wollte nicht dass sie sieht, dass ich geweint hatte.
„Spazieren“, log ich. Sie glaubte mir nicht.
„Frank…“, fing sie an. Doch ich unterbrach sie. „Bitte lass uns morgen reden. Ich will jetzt nur noch ins Bett“
Flehend sah ich sie nun an. Sie bemerkte, dass es mir nicht gut ging und nickte.
Ich dankte ihr und lief schnell in mein Zimmer.


Kapitel 26 - I think I'd love to die alone

„Frank“
Ich lief gerade durch den von Schülern überfüllten Gang, als ich meinen Namen vernahm. Sofort drehte ich mich um und sah Gerard wie er auf mich zu gelaufen kam.
Was wollte er denn bitte noch von mir? Erst schickte er mich weg und jetzt rannte er mir hinter.
Ruckartig drehte ich mich wieder von ihm weg. Ich wollte nicht mit ihm reden. Ich wusste nicht als was er mich sah. Ich hatte das Gefühl, dass er nur mit mir spielte.
Deshalb ergriff ich schnell die Flucht vor ihm. Im Laufe der Zeit, die ich mit ihm verbracht hatte, hatte ich gedacht, er wäre nicht so wie ich anfangs glaubte. Doch nun war ich wieder dort angelangt.
Ich war froh, dass es in diesem Moment klingelte. Dann könnte er mir nicht weiter folgen. Schnell machte ich mich auf den Weg in mein Klassenzimmer, was ich aber auf der Stelle auch wieder verlassen hätte, als ich Mikey erblickte.
Ich wusste genau, wie sehr es ihn gefreut hatte, dass Gerard mich weg geschickt hatte. Das war es doch schließlich was er von seinem Bruder wollte. Das erhabene Grinsen was er mir zuwarf, bestätigte dies nur.
Aber bitte ich hatte kein Interesse mehr an Gerards Gesellschaft. Er konnte sich jemand anderen suchen, auf dem er herumtrampeln konnte, den er benutzten konnte. Denn genauso fühlte ich mich. Benutzt.
Es war falsch, dass ich mich mit ihm abgegeben hatte. Wieso hatte ich das eigentlich getan? Aber besser ich merkte es jetzt als später.

An diesem Tag war ich Gerard nicht mehr über den Weg gelaufen und darüber war ich auch froh. Vielleicht hatte er es auch einfach aufgeben, hatte eingesehen, dass es das nicht wert war, dass ich es nicht wert war.
Also machte ich mich an diesem Tag allein auf den Weg nach Hause.


Ich lag gelangweilt auf meinem Bett, als meine Mutter zur Tür rein kam.
„Hallo Frankie“, begrüßte sie mich und setzte sich auf den Rand meines Bettes. Ich sagte nichts, schaute sie nur abwartend an, auch wenn ich wusste was jetzt kommen würde.
„Sagst du mir heute wo du wirklich warst?“, fragte sie mit sanfter Stimme.
Ich drehte meinen Kopf weg, wollte einfach nicht mehr an gestern denken.
„Warst du bei diesem Gerard?“, fragte sie weiter, würde auch nicht eher locker lassen, ehe ich ihr eine Antwort gegeben hatte.
Ich nickte.
„Magst du ihn?“, wollte sie wissen. Ich war ein wenig erschrocken über die Frage, bis mir klar wurde, dass sie nur herausfinden wollte, ob das was Johnny gesagt hatte, stimmte.
Ich hätte einfach wieder nicken sollen, dennoch schüttelte ich den Kopf. Aber jetzt war es auch schon egal was er für einen Eindruck auf meine Mutter machte.
„Hat er dir Drogen gegeben?“
Wieder schüttelte ich den Kopf. Okay auch wenn es nicht ganz stimmte.
Wie schon gestern blieb es meiner Mutter nicht unbemerkt, dass etwas nicht stimmte.
„Du wirkst seit du gestern wieder gekommen bist so traurig. Ist irgendetwas vorgefallen?“
Ich schaute zu ihr. Sie wirkte wirklich besorgt.
„Nein Mom. Es ist nichts Besonderes. Wirklich“, versuchte ich sie zu beruhigen.
Ich wusste nicht ob sie mir glaubte, jedenfalls fragte sie nicht weiter nach, sondern stand auf.
„Ich muss jetzt noch mal weg. Bleibst du heute zu hause?“, fragte sie mich.
„Ja“, erwiderte ich. Wo sollte ich auch hingehen?
„Gut Schatz“, sagte sie, gab mir einen Kuss auf die Stirn. „Johnny kommt dann sicher auch gleich vorbei.“, meinte sie noch, bevor sie das Zimmer verließ.
Was wollte sie mir damit sagen? Dass ich kontrolliert wurde? Oder sollte ich mir meine Zeit mit ihm vertreiben? Aber das lehnte ich ab.
Manchmal fragte ich mich, ob dieser Typ schon hier wohnte.

Lustlos schleppte ich mich nach unten. Eigentlich wollte ich Johnny nicht begegnen, aber das interessierte meinen Magen leider recht wenig.
Johnny saß am Tisch und aß etwas, als ich die Küche betrat. Er schaute auf und ein Lächeln, welches ich nicht deuten konnte, schlich sich in sein Gesicht.
„Hallo Frankie“, begrüßte er mich. Ich nickte ihm nur zu und ging zum Kühlschrank.
„Heute gar nicht bei deinem Freund?“, fragte er mich.
Ich verdrehte genervt die Augen, nahm mir nur etwas zu Trinken, bevor ich den Kühlschrank wieder schloss. „Wie es scheint“, gab ich eintönig zurück.
„Hast sich das junge Glück zerstritten?“, fragte er.
Ich drehte mich zu ihm um. Gleichgültig betrachtete ich ihn. „Gib dir keine Mühe“
Fragend schaute er mich an. „Wobei denn?“
Ich zuckte mit den Schultern. „Ich hab keine Ahnung was du bezwecken willst. Alles was ich weiß, dass du mich bei meiner Mutter schlecht machst, in dem du sie anlügst.“, erklärte ich ihm ruhig.
Normalerweise wäre ich sicher schon rasend vor Wut. Aber heute konnte er sagen was er wollte. Es war mir egal.
„Ach Frankie. Natürlich denkst du ich will dir etwas Schlechtes. Das denken doch alle Teenager, wenn man mal ein bisschen Autorität zeigt.“, entgegnete er mir und stand auf.
Ich lachte auf. „Natürlich und gleich sagst du, dass das alles nur zu meinem Besten ist. Meine Mutter kannst du vielleicht manipulieren. Mich aber sicher nicht. Und ich geh jetzt raus. Ich denke du hast nichts dagegen. Frische Luft ist gut für mich.“
Ich schenkte ihm noch ein gezwungenes Lächeln, bevor ich die Küche verließ. Der Appetit war mir vergangen. Noch ehe Johnny irgendwelche Einwände erheben konnte verließ ich das Haus.

Dieses Mal schlug ich eine andere Richtung ein als sonst. Ich wollte nicht Gefahr laufen auch nur irgendwie in Gerards Nähe zu kommen.
Ich ging so lange bis ein kleiner Spielplatz vor mir auftauchte. Unsicher betrat ich ihn. Er war völlig leer. Weit und breit kein Kind, was darin spielte. Es sah aber auch nicht sehr einladend aus.
Ich ließ mich auf einer morschen Schaukel nieder, die laut unter meinem Gewicht knirschte. Nur ganz leicht, aus Angst die Schaukel würde unter mir nachgeben, schaukelte ich hin und her und malte mit meinen Füßen Muster in den Sand. Und obwohl ich soweit von Gerard entfernt war, war ich dennoch bei ihm. In Gedanken.
Warum nahm mich das Ganze denn so mit? Okay ich hatte es genossen wie er mich berührt hatte. Sollte es für ihn von Anfang an nur eine einmalige Sache gewesen sein? Aber wieso wollte er dann danach, dass ich blieb? Ich verstand ihn einfach nicht. Ich hatte doch auch nur versucht Mikey die Augen zu öffnen. Er hatte mir so Leid getan, so was hatte er nun mal nicht verdient.
Aber vielleicht hat er auch endlich eingesehen, dass ich das Problem war, dass er seinen Bruder wieder haben könnte, wenn ich nicht war. Ich hatte gemerkt, wie sehr er an seinem kleinen Bruder hing. Das musste es sein.
Aber es machte mich traurig. Wieso gab ich mich überhaupt immer mit solchen Menschen ab, wenn ich früher oder später doch verletzt wurde. In diesem Falle war es wohl früher.
Konnte nicht einfach mal etwas gut in meinem Leben verlaufen?

Ein Schluchzen, holte mich aus meinen Gedanken. Verwirrt blickte ich mich um. War ich doch nicht allein?
Aber ich konnte niemanden entdeckten.
Das Schluchzen ertönte wieder. Ich wusste nicht ob ich aufstehen und nachschauen sollte.
Aber vielleicht war ja jemand in Not. Ich erhob mich, wobei wieder das laute Knirschen der Schaukel ertönte (Ein Wunder, dass diese nicht zusammengebrochen war), und machte mich auf die Suche. Ich ging in die Richtung aus der das Schluchzen kam.
Er wurde lauter. Da weinte jemand.
„Hallo?“, rief ich, da ich immer noch niemanden erkennen konnte.
Sofort verstummte das Schluchzen. Dafür hörte ich ein Rascheln, das von den Büschen kam, die ringsherum um den Platz standen.
Ich ging noch einige Schritte, bis ich eine dunkle Gestalt erkennen konnte, die zusammengekauert auf dem Boden lag. Es war ein Mädchen, die langen zersausten Haare hingen ihr ins Gesicht.
Panisch schaute sie sich um und erschrak als sie mich erblickte.
Ebenso wie ich, als ich ihr Gesicht sah.
„Frank“, rief sie und sprang auf. „Oh Gott Frank. Ich dachte schon er hätte mich gefunden“, sagte sie unter Tränen und fiel mir um den Hals.
Ich schob sie von mir weg und musterte sie. Ihre Augen waren blutunterlaufen, blaue Flecken zierten ihre Haut. Völlig verstört blickte sie sich immer wieder um.
„Jess. Was machst du hier? Was ist passiert?“, fragte ich sie.
Sie antwortete nicht, drückte sich nur wieder an mich.
„Frank. Bitte hilf mir“, schluchzte sie.


Kapitel 27 - So I'll spend my time with strangers

„Sagst du mir jetzt endlich was passiert ist?“, fragte ich Jess, nachdem sie sich etwas beruhigt hatte. Sie saß zusammengekauert auf meinem Bett.
Ich hatte sie mit zu mir genommen, da ich keine Ahnung gehabt hatte, was ich sonst mit ihr hätte tun sollen. Ich hatte sie nicht einfach zurücklassen können. So aufgelöst wie sie war. Aber ich wusste nicht wie ich ihr sonst helfen sollte, wenn sie nicht mit mir sprach. Und auch wenn sie es endlich tat. Konnte ich es überhaupt?
„David…Er“, sagte sie unter Schluchzen. Sie hatte ihr Gesicht in ihren Händen vergraben. Beruhigen strich ich ihr über den Rücken.
„Was ist mit David?“, fragte ich nach.
Wieder schluchzte sie, fing dann aber langsam an zu sprechen. „Weißt du ich bin nicht freiwillig mit ihm zusammen.“, sagte sie und schluckte.
„Er…er zwingt mich mit ihm zu schlafen.“, fügte sie hinzu und brach sie in Tränen aus.
Es dauerte eine Weile bis sie sich wieder einigermaßen gefasst hatte.
„Ich will das nicht mehr.“, schluchzte sie und sah mich hilflos an.
Es war furchtbar sie so zusehen.
„Ich liebe ihn nicht. Jedenfalls nicht so wie ich es sollte“, erklärte sie und senkte den Kopf wieder.
„Was ist heute passiert?“, fragte ich nach, strich ihr behutsam die Haare aus dem Gesicht.
„Ich hab versucht mich zu wehren. Er hat mich geschlagen. Und als er ein bisschen unaufmerksam war bin ich weggelaufen“, erklärte sie mir verhältnismäßig ruhig, bevor wieder Tränen ihre Wangen hinunterliefen.
„Frank ich will das nicht mehr“, wiederholte sie und drückte sich Hilfe suchend an mich.
Ich legte meine Arme um sie, wusste nicht was ich tun sollte.
„Es tut mir so Leid Frank. Es tut mir so Leid“, murmelte sie gegen meine Brust.
Und ich glaubte ihr sogar. Ich glaubte ihr wirklich.
„Ich hab das alles nicht gewollt. Ich wollte nicht, dass du schlecht dastehst. Aber ich wusste mir nicht anders zu helfen. Amy…Sie ist meine beste Freundin. Ich hab doch sonst niemanden.“, redete sie sich alles von der Seele und ich hörte ihr zu.
Wieder wurde sie von einem heftigen Schluchzen erfasst, ehe sie weiterreden konnte.
„Ich mag dich wirklich Frank und ich weiß, dass ich es nicht hätte tun sollen. Ich bin so feige. Aber jetzt hab ich die Strafe dafür. Das ist es wahrscheinlich was ich verdient habe“
Auf ihre Worte schüttelte ich den Kopf. „Niemand hat das verdient“, sagte ich und ich meinte es wirklich so. Egal was sie mir angetan hatte, dass mit David war weit aus schlimmer. Sie hatte es nicht verdient dafür so behandelt zu werden. Ich war wütend auf David. Reichte es ihm nicht, dass er mich verprügelt hatte, musste er es jetzt an ihr auslassen?
Sie sah zu mir auf. „Heißt das du verzeihst mir?“, fragte sie mich und schniefte.
Ich nickte. Die Sache war kein Thema mehr für mich. Und irgendwie konnte ich sie verstehen. David konnte wirklich zu allem fähig sein. Es war nur klar, dass sie Angst hatte.
„Wieso interessiert es keinen, dass er dich schlägt?“, fragte ich sie, da ich es wirklich nicht verstand. Wenn Amy ihre beste Freundin war warum half sie ihr nicht?
„Es ist nicht so, dass sich keiner dafür interessiert. Amy hat oft nachgefragt, aber ich konnte ihr doch nicht die Wahrheit erzählen. Ich hab mir dann irgendwelche Geschichten ausgedacht, aber ich denke sie und auch die anderen haben geahnt, dass es David war. Aber sie haben genau solche Angst vor ihm“, erklärte sie mir, wischte sich über ihre feuchte Wange.
Ich nickte abwesend. Natürlich wer stellte sich schon gerne David. Niemand wollte ihn freiwillig zum Feind. Also ließen sie ihn machen.
Wieder schaute sie zu mir auf.
„Hilfst du mir?“, fragte sie mich.
Unsicher blickte ich sie an. „Ich weiß nicht wie“, gab ich ehrlich zu.
Sie legte ihre Hände in meinen Nacken, richtete sich ein auf, um sich auf meinen Schoß zusetzen. Sie schaute mich direkt an. Von ihrer Traurigkeit war nicht mehr viel zu erkennen. Abwartend betrachte ich sie, wusste nicht was das Ganze sollte, ob es doch nicht vielleicht alles nur gespielt war.
Sie lehnte sich zu mir vor. „Hab mich lieb Frank“, flüsterte sie in mein Ohr.
„Bitte“, fügte sie flehend hinzu.
Erstaunt starrte ich sie nun an. Ich sah, dass sie es ernst meinte. Und ich wollte ihr helfen, aber ich war mir nicht sicher, ob dass die richtige Methode ist.
Um mich zu überzeugen legte sie vorsichtig ihre Lippen auf meine.
Zaghaft erwiderte ich den Kuss. Eigentlich hätte ich mich dagegen sträuben sollen. Ich wusste wo es das letzte Mal geendet hatte. Was ist wenn David das hier herausfinden würde? Ich wollte mir nicht vorstellen, was er dann mit mir machen würde.
Auch als ich ihre Hände unter meinem T-Shirt spürte, ließ ich sie gewähren.
Schnell hatte sie es mir über den Kopf gezogen und hinter sich geworfen.
Sie drückte mich nach hinten und lehnte sich über mich. Wieder küsste sie mich, diesmal fordernder.
Ich ließ es zu.
Sie setzte sich auf meine Hüften, während meine Hände sie nun auch von ihrer Kleidung befreiten. Wieder senkte sie ihre Lippen auf meine, ließ dabei ihr Becken kreisen.
Ich schloss die Augen als sie sich von mir löste und meinen Oberkörper mit Küssen bedeckte.
Ich half ihr, sie von den Problemen die sie hatte abzulenken. Und sie half mir, mich abzulenken, von den Gedanken an Gerard.
Das dachte ich zumindest.

Als ich ein Knarren hörte, öffnete ich meine Augen und erstarrte, da ich direkt in die von Gerard blickte. Ausdruckslos blickte er mich an, beobachtete das Schauspiel was sich ihm bot.
Jess hatte ihn nicht bemerkt und machte ich in der Zeit daran mich aus meiner Hose zu befreien. Ich schenkte dem was sie tat keine Aufmerksamkeit, blickte nur Gerard an, der immer noch wie versteinert in der Tür stand. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. Was wollte er hier?
Ich bemerkte nicht einmal, wie Jess dabei behilflich war mir meine Hose auszuziehen.
Immer noch starrte ich Gerard an, konnte nun die Enttäuschung in seinem Gesicht sehen. Wieso?
Ich erschrak, als ich Jess’ Hand an meiner Wange spürte um meinen Kopf zu ihr zu drehen.
Sie lächelte mich an und küsste mich wieder.
Als ich wieder zu Tür sah, war Gerard verschwunden.


Kapitel 28 - Thank you for the venom

Ich schloss meine Augen. Vor ihnen war Gerard noch da.
Meine Gedanken kreisten nur noch um ihn.
Was Jess machte, bekam ich nicht mehr mit. Nicht einmal, dass sie sich in der Zwischenzeit ganz von ihrer Kleidung befreit hatte.
Ich dachte an Gerard, wie er mich berührt hatte. Es hatte sich so gut angefühlt. Nicht, dass es sich schlecht anfühlte, wenn Jess mich berührte.
Aber dieselbe Wirkung hatte es nicht auf mich.
Ich schreckte aus meinen Gedanken auf, als mir Jess auch noch meine Boxershorts ausziehen wollte.
Ich umfasste ihr Handgelenk und stoppte sie. Das war nicht richtig.
Ich konnte das nicht tun, wenn ich die ganze Zeit an Gerard denken musste. Das half ihr nicht und das half vor allem mir nicht, weil sie verdammt noch mal nicht Gerard war.
Fragend blickte sie mich an. „Was?“, fragte sie mich irritiert.
„Jess. Das geht nicht. Ich kann dir so nicht helfen.“, erklärte ich ihr und schob sie sacht von mir herunter.
Ich setzte mich auf, stützte meine Ellbogen auf meinen Knien ab und verdeckte mein Gesicht mit den Händen. Immer wieder tauchte Gerards Gesicht auf. Und immer wieder die Frage warum er her gekommen war? Warum ausgerechnet in dem Moment?
„Was soll das heißen“, fragte sie und legte eine Hand auf meinen Arm.
„Dass du jetzt besser gehst“, antwortete ich ihr ohne aufzuschauen.
„Was?“ Ihre Stimme zitterte. Vermutlich würde sie gleich wieder anfangen zu heulen, aber ich konnte es nicht ändern.
„Dann stimmt das Gerücht? Du hast wirklich was mit diesem Gerard?“, fragte sie mich aufgebracht, während sie aus dem Bett sprang und ihre Sachen zusammen suchte.
Ich nickte kaum erkennbar.
Trotzdem sah sie es.
„Heißt das du bist schwul?“, wollte sie wissen.
Ich sah zu ihr auf. Tränen flossen wieder über ihre Wangen. Ich antwortete nicht.
„Sag es mir Frank“, flehte sie.
Warum wollte sie das wissen? Was ging es sie denn an, ob ich schwul war oder nicht.
Ich wusste es doch selbst nicht.
„Jetzt sag es mir doch endlich“, schrie sie verzweifelt.
„Ja verdammt. Ich bin schwul und jetzt geh“, rief ich, damit sie endlich schwieg. Ich konnte diese Frage nicht mehr hören.
Ich ließ mich wieder nach hinten auf mein Bett fallen und starrte die Decke an.
Ab und zu drang ein Schluchzer von Jess, die sich so schnell es ging wieder anzog, an mein Ohr.
Was ich eben zu ihr gesagt hatte, verwirrte mich selbst ein bisschen. Ich war nicht schwul…oder doch?
Kurz darauf ertönte, ein Zuschlagen der Tür. Sie war weg.
Noch eine ganze Weile danach lag ich gedankenverloren auf meinem Bett. Ich überlegte was ich tun sollte.
Sollte ich zu Gerard gehen und mit ihm reden? Was dachte er denn jetzt von mir?
Es dürfte nichts besonders Gutes sein.
War er wirklich hergekommen um sich bei mir zu entschuldigen? Er wäre nicht extra gekommen, wenn ihm nichts an mir liegen würde, oder? Aber woher sollte ich wissen, dass nicht doch nur mit mir spielte und das er mich nur zu seiner eigenen Befriedung brauchte?

Ich stand auf, zog meine Sachen wieder an und ging leise die Treppe hinunter. Aber so wie Johnny kannte, würde er mich trotzdem bemerken. Und ich wusste, dass das eben nicht einfach so an ihm vorbei gegangen war.
Schnell durchquerte ich den Flur und ging nach draußen.
Dort ließ ich mich, wo gestern noch Gerard saß und auf mich wartete, nieder und atmete die kühle Luft ein.
Es war bereits dunkel geworden. Stumm saß ich da und dachte über diesen Tag nach.
Ich bekam ein schlechtes Gewissen. Gerard, aber auch Jess gegenüber.
Sie war zu mir gekommen, weil sie Hilfe gebraucht hatte. Aber ich hatte sie einfach weggeschickt, weil mir die Sache wegen Gerard zu viel wurde. Ich hätte mich gar nicht erst darauf einlassen sollen. Sie war verzweifelt. Das einzige was ich jetzt gemacht hatte, war es, dass es für sie jetzt höchstens nur noch schlimmer wurde. Ich hätte versuchen müssen ihr wirklich zu helfen. Stattdessen ließ ich mich von ihr verführen. Warum? Ich wusste doch, dass es nur schief gehen konnte.
Eins wurde mir klar. Ich hatte es wegen Gerard getan. Ich war niedergeschlagen seinetwegen und wollte das alles nur vergessen.
Aber so ging, dass nun mal nicht, dass hätte ich eher wissen sollen. Auch wenn er es nicht gesehen hätte, wäre es keine Lösung.
Ich musste mit ihm reden. Er hatte mir einiges zu erklären und ich ihm. Ich wollte nicht, dass er ein falsches Bild von mir hatte.

Schritte rissen mich aus meinen Gedanken. Ich drehte meinen Kopf herum und erblickte, wie nicht anders vermutet, Johnny.
Täuschte ich mich, oder war sein Grinsen heute noch breiter als sonst.
„Darf ich mich zu dir setzten?“, fragte er mich.
Ich richtete meinen Blick wieder nach vorn. Wieso fragte er? Ein Nein würde er wohl kaum akzeptieren. Ich antwortete ihm nicht und er nahm neben mir Platz.
„Willst du eine?“, fragte er mich und hielt mir eine geöffnete Zigarettenschachtel hin.
Skeptisch blickte ich ihn an. Was wollte er nun schon wieder damit bezwecken?
„Oh nein von dir nehme ich sicher nichts. Wer weiß was du meiner Mutter erzählst.“, antwortete ich ihm und versuchte meinen Drang nach einer Zigarette zu unterdrücken.
„Was sollte ich ihr erzählen. Sie weiß doch, dass du rauchst. Und ich bin mir sicher, dass du eine brauchen kannst.“, sagte er und grinste mich noch breiter an. Ich hab doch gewusst, dass er alles mitbekommen hat.
Eigentlich wollte ich nein sagen, griff dann aber doch nach einer und zündete sie mir an.
Ich inhalierte den Rauch, spürte wie sehr ich das jetzt gebraucht hatte.
Kurze Zeit später pustete ich ihn wieder aus und beobachtete wie er sich in der Luft verteilte. Johnny ignorierte ich dabei völlig. Ich schloss die Augen und entspannte mich ein wenig.
Doch er ließ mir nicht lange meine Ruhe.
„Ja ist schon anstrengend mehrere Leute gleichzeitig glücklich machen zu wollen“, sagte er nach einiger Zeit.
Ich ging nicht darauf ein, da ich wusste, dass er mich nur provozieren wollte.
Er hatte schon genug mitbekommen. Mehr würde ich ihm sicherlich nicht sagen.
„Und morgen hast du auch noch einen freien Tag. Da wird die Klingel wohl nicht still stehen was?“
Abwertend sah er mich an.
„Was willst du?“, fragte ich ihn, damit er endlich zum Punkt kommen konnte und nicht weiter drum herum reden musste.
„Was sollte ich wollen? Na gut dir vielleicht sagen, dass du dich da in ein ganzen schönen Schlamassel reingeritten hast. Dein armer Freund war ja schon ganz niedergeschlagen als er hier ankam. Hätte ich gewusst, dass er dich mit diesem Mädchen nicht sehen durfte, hätte ich ihn doch gar nicht erst rein gelassen“, sagte er und grinste unentwegt an.
Am liebsten hätte ich ihm sein scheinheiliges Grinsen aus seiner verlogenen Visage geprügelt. Ich wusste, aber dass ich mich zusammenreiße musste.
„Hättest du nicht gewusst, dass sie bei mir war, hättest du ihn niemals hereingelassen“, erwiderte ich und versuchte ruhig zu bleiben.
Weiterhin grinsend schüttelte er den Kopf. „Was du mir immer nur für böse Dinge unterstellst. Er hat mich doch so lange gebettelt, bis ich ihn hoch geschickt habe. Er wollte unbedingt mit dir reden. Aber ich glaube zum Reden seid ihr nicht gekommen, oder? So schnell wie er wieder unten war. Oder es gab dann nichts mehr worüber ihr noch reden konntet.“
Zitternd drückte ich meine Zigarette aus. Ich konnte mir das nicht länger mit anhören. Wieso hatte sich meine Mutter nur in so ein Arschloch verliebt?
„Das muss ich mir wirklich nicht anhören“, murmelte ich und lief wieder ins Haus, mit dem Entschluss am nächsten Tag zu Gerard zu gehen.


Kapitel 29 - I'm trying to let you know just how much you mean to me

Der nächste Tag war frei. Irgendein bekloppter Feiertag, der mir im Moment ziemlich egal war.
Früh stand ich auf und zog mich an.
Schnell holte ich mir nur was aus der Küche, das ich unterwegs essen konnte. Ich konnte nicht mehr länger warten, musste ihn endlich sehen.
„Wieso hast du es denn so eilig?“, fragte mich meine Mutter, die in der Küche mit Johnny beim Frühstück saß.
„Ich muss was klären.“, antworte ich ihr und gab ihr zum Abschied einen Kuss auf die Wange.
„Wenns um deinen Freund geht wird das aber schwer“, mischte sich Johnny ein.
Ich grinste ihn an. „Lass das mal meine Sorge sein“, erwiderte ich und verschwand.

So schnell wie noch nie war ich bei Gerard angekommen. Nun da ich vor der Tür stand, kamen mir doch einige Bedenken. Was ist wenn er jetzt gar nicht mehr mit mir reden wollte? Was wenn er so sauer auf mich war, dass er mich sofort wieder wegschicken würde? Und was wollte ich ihm überhaupt sagen?
Was hatte ich mir eigentlich vorzuwerfen? Wir waren nicht zusammen oder so. Wir hatten wie er gesagt hatte, lediglich ein bisschen Spaß.
Allerdings wollte ich, dass es sich wiederholte.
Naja ich sollte nicht zu viel denken, dachte ich mir schließlich und klingelte.
Kaum hatte ich das getan, kam auch schon Mrs. Way an die Tür und öffnete mir.
„Frank“, rief sie erfreut und ließ mich herein.
„Hallo Mrs. Way“, begrüßte ich sie freundlich und fragte mich gleichzeitig ob sie irgendwas wusste.
Und wenn, dann ließ sie sich jedenfalls nichts anmerken.
„Gerard ist gerade eben ins Bad gegangen. Aber du kannst ja solange in seinem Zimmer warten“, sagte sie und lächelte mich an, bevor sie mich allein in dem kleinen Flur zurückließ.
Das hatte mir gerade noch gefehlt. Ich wollte jetzt endlich mit ihm reden. Wer weiß wie lange er im Bad brauchte.
Wohl kaum würde er so schnell wie ich heute Morgen sein.
Unsicher schaute ich mich um, bevor ich mich auf den Weg zum Badezimmer machte, anstatt in sein Zimmer. Ich wollte nicht, dass es jemand mitbekam. Aber wie es schien hatte ich Glück.
Leise schlüpfte ich hinein und schaute mich um. Sofort drang Wasserrauschen an mein Ohr. Gerard duschte. Durch die Duschwand konnte ich zwar nur seine Umrisse erkennen. Aber schon allein die Vorstellung brachte mich zum grinsen. Glücklicherweise hatte er mich nicht bemerkt, da er mit dem Rücken zu mir stand und laute Musik durch das Zimmer dröhnte.
Ohne wirklich zu realisieren was ich tat, zog ich mich aus.
Vielleicht könnte man das mit dem Reden ja auf Nachher verschieben. Ich wusste, dass das jetzt nicht der richtige Weg war, aber ich wollte ihn jetzt spüren.
Gerade als das Lied zu Ende war und kurze Stille eintrat, fiel meine Hose geräuschvoll zu Boden.
Erschrocken drehte sich Gerard um. Aber bevor er etwas sagen konnte, befreite ich mich von meinen Boxershorts und kam zu ihm in die Dusche.
Nun doch etwas unsicher stand ich ihm gegenüber. Vielleicht hätte ich doch einfach in seinem Zimmer warten sollen. Aber für diese Einsicht war es nun zu spät.
„Was willst du hier?“, ging er mich an und drehte sich von mir weg.
Ich näherte mich ihm, legte meine Hände auf seine Oberarme.
„Mit dir reden. Aber können wir das auf später verschieben?“, flüsterte ich ihm ins Ohr.
Ich schloss nun auch noch den restlichen Raum zwischen und seufzte, als ich endlich wieder seine Haut an meiner spürte. Ich legte meine Arme um ihn und genoss das warme Wasser, das auf uns beide niederprasselte.
Ich bemerkte wie er tief Luft holte um irgendetwas zu sagen, aber ich kam ihm zu vor. „Sag nichts. Lass mich dir was zeigen.“, sagte ich und senkte meine Lippen auf seine Schulter.
Er drehte sich in meiner Umarmung um, schaute mich skeptisch an. Ohne weiter darüber nachzudenken, was ich hier tat, beugte ich mich ihm entgegen und küsste ihn sanft.
Meine Hände glitten seinen Rücken hinab zu seinem Hintern. Ich umfasste ihn, drückte ihn noch näher zu mir.
Ich löste mich kurz von ihm um mich umzusehen. Ich ergriff das Duschgel hinter Gerard und gab etwas davon in meine Hand. Vorsichtig begann ich es auf seiner Haut zu verteilen, ließ dabei keine Stelle aus. Gerard hielt seine Augen geschlossen, schien meine Berühren zu genießen. Immer fordernder ließ ich meine Hände über seinen Körper gleiten, spülte ihm den Schaum wieder ab. Wieder presste ich meine Lippen auf seine, während ich ihn näher an die Wand hinter ihm drückte. Ich wollte ihm zeigen, wie sehr es mich nach ihm verlangte. Er lehnte sich gegen die Wand und drückte mich mit seinen Händen, die auf meinen Hüften ruhten näher zu sich. Zu beiden Seiten seines Kopfes stütze ich mich mit meinen Armen an der Wand ab.
Ununterbrochen umkreisten sich unsere Zungen. Seine Hände streichelten meinen Rücken. Ich verlor mich fast völlig in seinem Kuss, in seinen Berührungen. Nichts anderes nahm ich um mich herum mehr wahr. Nicht einmal das Wasser, was immer noch unaufhörlich auf uns nieder strömte.
Ich löste mich aber kurz darauf von ihm und schenkte ihm ein liebevolles Lächeln.
Ich schaute ihm tief in seine Augen, wo sich mein Verlangen spiegelte. Kurz fuhr ich ihm mit einer Hand durch seine nassen Haare, bevor ich ihm noch einen Kuss auf seine Lippen hauchte und dann die zarte Haut seines Halses sanft mit meinen Mund bearbeitete. Mal hauchte ich nur einen sanften Kuss darauf, mal ließ ich meine Zunge darüber gleiten oder reizte sie zärtlich mit meinen Zähnen.
Währenddessen streifte meine Hand wieder über seinen Oberkörper, hatte dieses Mal aber ein bestimmtes Ziel. Immer tiefer ließ ich sie sinken, streichelte dabei seine weiche Haut, neckte ihn.
„Frankie…“, wimmerte er, drückte mir seinen Unterleib entgegen.
Ich kam seiner indirekten Aufforderung nach, schloss endlich meine Hand um sein Glied. Langsam begann ich es zu massieren, was ihn gequält aufstöhnen ließ.
Ich löste mich von seinem Hals, beobachte ihn eine Zeitlang, wie er mit geschlossenen Augen gegen die Wand gelehnte war und leicht lächelte. Ab und zu öffnete er seinen Mund um leise zu stöhnen. Ich verfolgte das Wasser mit meinen Blicken, wie es seinen Körper hinunter floss.
Ich küsste ihn noch einmal intensiv, ehe ich mich komplett von ihm löste und er seine Augen öffnete und mich fragend ansah.
Ich lächelte ihn an hauchte ihm einen kurzen Kuss auf die Lippen, bevor ich mich vor ihm in die Knie begab. Begierig beobachte Gerard mich.
Wieder umfasste ich sein Glied mit meiner Hand, was ihn kurz aufkeuchen ließ.
Während ich meine Hand auf und ab bewegte, liebkoste ich seine zarte Haut in seinem Lendenbereich. Seine Hände hatten sich in meinen Haaren vergraben, drückten meinen Kopf leicht nach unten.
Ich sah ihm noch einmal tief in die Augen, bevor ich meine Lippen um seine Erektion legte und er seine schloss.
Er gab ein leises, lang gezogenes Stöhnen von sich, um einen lauteres zu verhindern. Schließlich waren wir nicht ganz so allein wie das letzte Mal.
Ein weiteres Stöhnen entlockte ich ihm, als ich zaghaft begann daran zu saugen. Gerard streckte sich mir weiter entgegen, schmiss seinen Kopf in den Nacken.
Mit meiner Zunge umspielte ich die Spitze seines Gliedes, worauf er erneut aufkeuchte.
Immer wieder ließ ich meine Zunge darüber gleiten, wollte, dass er für mich stöhnte.
Und das tat er auch. In immer kürzeren Abständen gab er genießerische Laute von sich, was mich mein Handeln nur intensivieren ließ.
„Oh…Frank“, keuchte er, krallte sich noch fester in meine Haare.
Mit einem letzten lauten Aufstöhnen, ergoss er sich in meinen Mund.

Ungern verließ ich die Dusche mit ihm. Ich wäre am liebsten ewig darin geblieben. Doch irgendwann musste ich mich dem Gespräch mit ihm stellen.
Stumm trockneten wir uns ab und zogen uns an.
„Ich glaub wir sollten uns jetzt unterhalten“, brach Gerard die Stille zwischen uns.
Ich nickte und zog mir mein Shirt wieder über den Kopf.
Gerard, der nur gewartet hatte bis ich fertig war, nickte ebenfalls und ich folgte ihm in sein Zimmer.
Mit einigem Abstand ließen wir uns auf seinem Bett nieder.
„Am besten fang ich an“, sagte Gerard. Wieder nickte ich und sah ihn abwartend an. Ich war wirklich gespannt was er mir zu sagen hatte.
„Ich wollte dich nicht verletzten, als ich dich weggeschickt habe. Das musst du mir glauben. Tust du das?“, fragte er nach.
„Ich versuchs“, erwiderte ich zögerlich, brauchte aber erst seine ganze Erklärung. Er lächelte mich ein wenig an, bevor er weiter sprach.
„Ich weiß, du musst dich gefragt haben warum ich mich erst bei dir ausheule und dann wenn du versuchst ihm klar zu machen wie blind er ist, ich dich wegschicke.“, sagte er und ich nickte. Das hatte ich mich wirklich gefragt. Und jetzt wollte ich eine gute Antwort darauf haben.
„Ich bin dir wirklich dankbar, dass du mir zu gehört hast. Und ich weiß es auch zu schätzen, dass du Mikey klar machen wolltest, wie bescheuert er sich verhält. Ich hab in dem Moment wahrscheinlich einfach überreagiert. Aber Mikey…Er ist mein und alles, verstehst du. Ich wüsste nicht was ich ohne ihn tun sollte. Als ich dich reden gehört hab, war ich dann einfach nur noch so sauer. Es gibt verdammt noch mal keine besseren Bruder“, versuchte er mir zu erklären und ich bemerkte wie mit sich rang, nicht schon wieder die Fassung zu verlieren.
Aber ich verstand ihn immer noch nicht. Mikey behandelte ihn doch wie ein Stück Scheiße und nicht wie seinen Bruder.
„Ich versteh es nicht Gerard. Du sagst es gib keinen Besseren. Wieso behandelt er dich dann bitteschön so?“, wollte ich nun endlich wissen.
Es dauerte einige Zeit bis Gerard mir antwortete. „Er denkt nun mal, dass du nicht gut für mich bist. Du hast einmal eine Person, die er liebte, verletzt. Ja ich weiß, dass es nicht absichtlich war, aber er nicht. Nun denkt er es wird wieder passieren. Er macht sich einfach Sorgen. Ich weiß auch, dass es nicht der beste Weg ist, das zu zeigen. Ich hab ja auch gar nicht gesagt, dass ich das gut finde. Ich verbringe gern Zeit mit dir. Und ich hoffe, dass er es irgendwann einsieht. Aber ich will einfach nicht, dass du dich da einmischst. Das ist eine Sache zwischen mir und ihm.“
Wieder nickte ich verständnisvoll. Irgendwo verstand ich ihn, aber eins war mir immer noch unklar. Ich zweifelte daran, dass Mikey sich so große Sorgen machte.
„Was ich aber immer noch nicht verstehe ist, warum er dieses Gerücht über uns verbreitet hat, wenn er gar nicht will, dass wir zusammen sind.“
Gerard zuckte mit den Schultern. „So genau weiß ich das auch nicht. Vielleicht hat er gedacht ich lass die Finger von dir. Er hätte mich besser kennen müssen. Aber ich denke, auch ein Grund war, sich Amy anzunähern. Weißt du, er stand immer wegen mir schlecht da. Ich denke, er dachte es ändert sich, wenn er Dinge über mich erzählt, sich an ihren Beschimpfungen beteiligt. Zudem war er auch sauer auf mich, weil ich nicht auf ihn gehört hatte und trotzdem meine Zeit mit dir verbracht habe“, erklärte er mir und betrachtete mich eingehend, wie ich die Wort aufnahm.
Ich dachte über seine Worte nach. Langsam machte es Sinn.
„Glaubst du mir jetzt, dass ich dich nicht verletzten wollte? Ich will das nur alleine mit ihm klären. Es tut mir wirklich Leid, aber ich konnte einfach nicht klar denken. Also glaubst du mir?“
Ich nickte. „Ja“, antwortete ich und ärgerte mich einwenig über meine Dummheit.
Es herrschte eine Weile Stille, bis Gerard wieder die Stimme erhob.
„Sagst du mir jetzt, warum du hier bist?“, fragte er mich und nun war er es, der mich abwartend ansah.
Ich dachte kurz nach, wie ich ihm die ganze Sache am besten erklären konnte.
„Ich wollte dir eigentlich nur sagen, dass du mich nicht für eine notgeile Person halten sollst, die jede Gelegenheit nutzt.“, sagte ich.
Verwirrt schaute mich Gerard an. „Das ist alles?“, fragte er nach.
Ich nickte, worauf er seinen Kopf hängen ließ. Was wollte er hören? Dass es mir Leid tat? Ich hatte ihn nicht betrogen oder so was in der Art.
„Ich weiß wir sind nicht zusammen. Trotzdem tat es weh dich mit ihr zu sehen, nachdem wir…du weißt schon.“, sagte er und sein Gesicht färbte sich leicht rot.
War er eifersüchtig auf sie?
„Sag mir wenigstens warum du es getan hast.“, sagte er, weil ich nichts erwiderte.
Er war wirklich eifersüchtig.
„Ich hab nicht mit ihr geschlafen, falls du das denkst.“, erklärte ich ihm.
Sofort sah er wieder auf und wenn ich mich nicht täuschte, war er erleichtert.
„Nicht?“, fragte er nach, schien gleichzeitig aber auch etwas ungläubig
Ich schüttelte zu Bestätigung den Kopf.
„Warum?“, wollte er wissen und ich atmete tief ein. Diese Frage musste früher oder später kommen. Aber ich entschied mich ihm die Wahrheit zusagen.
„Ich musste an dich denken“, antwortete ich und lächelte leicht verlegen. „Ich hatte die ganze Zeit dein Gesicht vor Augen, dachte daran wie es mit dir war, wie anders.“
„Besser?“
Ich nickte und auf Gerards Gesicht bildete sich das übliche Grinsen.
Aber schon kurz darauf wurde er ernst.
„Du glaubst mir nicht wirklich oder? Aber ich habe sie kurz nachdem du weg warst weggeschickt.“, versicherte ich ihm, da sein Gesicht immer noch einen ungläubigen Ausdruck hatte.
„Naja nachdem was ich gesehen habe. Aber…aber es verbietet dir ja niemand so etwas zu tun. Ich will nur wissen…du musst es mir nicht sagen…aber wieso war sie überhaupt bei dir?“, sagte er und stotterte ein wenig herum.
„Das ist eine lange Geschichte“, warnte ich ihn.
„Wir haben Zeit“, meinte er nur.
Daraufhin erzählte ihm alles und er hörte mir aufmerksam zu.

„Oh“, sagte er, als ich fertig war, „aber sie scheint wirklich auf dich zu stehen.“
Er kratzt sich am Kopf, ein Zeichen dafür dass er verunsichert war.
„Na toll, aber was hat sie sich denn bitte dadurch versprochen? Sie musste doch auch wissen, dass das nicht gut gehen würde.“, sagte ich ein wenig verzweifelt.
„Wahrscheinlich nichts. Sie wollte vielleicht nur Sex ohne Zwang, mit jemanden, den sie wirklich liebt.“, äußerte Gerard seine Vermutung.
„Aber wenn David das erfährt, dann ist sie noch mehr in Schwierigkeiten.“, sagte ich, wollte nicht glauben was er da sagte.
„Ich schätze, das wäre es ihr wert gewesen.“
„Meinst du wirklich? Aber ich hätte ihr wirklich helfen müssen. Nicht indem ich mit ihr schlafe. Irgendwie muss man sie doch da rausholen“, sagte ich und fuhr mir durch die Haare.
Gerard zuckte mit den Schultern.
„Will sie das denn überhaupt? Okay sie sagt es, aber was tut sie schon. Nichts. Bestimmt ist sie gleich nachdem du sie weggeschickt hast, wieder zu ihrem David gerannt und ist ihm in den Arsch gekrochen.“, vermutete er wieder.
Ich sagte nicht darauf. Wahrscheinlich hatte er Recht und ich sollte mir nicht soviel Gedanken darüber machen.

„Was hast du ihr eigentlich gesagt, damit sie geht“, fragte er nach einiger Zeit, in der wir beide geschwiegen hatten.
Etwas betreten senkte ich den Kopf. Den Teil hatte ich ihm verschwiegen.
„Sie hat mich gefragt, ob ich schwul sei“, erwiderte ich und vermied ihn dabei anzusehen.
„Was hast du geantwortet?“, wollte er sofort wissen. War ja klar, dass ihn das interessierte.
„Ja“, erwiderte ich tonlos.
Ich stellte mir das Grinsen vor, was sich auf seinem Gesicht in diesem Moment ausbreitete.
„Nur damit sie geht? Oder…“, versuchte er nach zu hacken.
„Gerard…“, unterbrach ich ihn mahnend.
„Gut ich bin ja schon ruhig. Du musst es mir nicht sagen. Aber ich will dir was sagen.“
Ich schaute auf. Was wollte er mir denn sagen.
Er kam ein Stückchen näher, bis er mir direkt gegenüber saß. Er legte seine Hand an meine Wange, strich sanft darüber.
„Weißt du die Sache hat mir etwas klar gemacht. Ich glaube ich bin es.“, sagte er.
Mit großen Augen schaute ich ihn an.
Gerard öffnete seinen Mund wieder, aber ohne einen Ton von sich zu geben. Er zögerte.
„Frank…“, begann er schließlich, „Ich glaube…Ich hab…“
Ich schüttelte mit dem Kopf, legte ihm meinen Finger auf den Mund, wollte nicht dass er diesen Satz beendete.
„Nein“, sagte ich bestimmt. Ich wusste was er sagen wollte. Ich wollte es nicht hören.
Erschrocken über meine Reaktion starrte er mich an.
„Sag so was nicht“, fügte ich leise hinzu, bevor ich meinen Finger von seinen Lippen nahm und ihn durch meine eigenen ersetzte.
Mit einer Leidenschaft, die mich zum Erzittern brachte, erwiderte er meinen Kuss, wollte mir somit zeigen, was ich ihn nicht sagen ließ.
Es machte mir Angst.


Kapitel 30 - I would drive on to the end with you

Am nächsten Morgen holte er mich wieder zur Schule ab. Hand in hand und schweigend liefen wir nebeneinander her. Ich grübelte. Seit ich gestern von ihm gekommen war, grübelte ich. Denn es war nicht mehr nur Spaß, wie er am Anfang sagte. Das hatte er zumindest versucht mir zu sagen. Aber ich wollte es nicht hören. Ich wusste nicht was es für mich war, sträubte mich regelrecht gegen den Gedanken, dass es mehr war.
„Frank was ist los?“, sprach mich Gerard darauf, da es ihm nicht entging, dass mich etwas beschäftigte.
„Ich weiß nicht so richtig“, erwiderte ich.
„Ist es wegen gestern?“, fragte er mich und blieb stehen, womit er mich auch stoppte. Ich nickte.
„Red mir Frank“, forderte er mich auf und sah mich abwartend an.
„Ich weiß einfach nicht ob das richtig ist Gee. Ich meine für uns, für mich. Du weißt warum ich keine Freunde wollte.“
Dieses Mal nickte er. „Ja das weiß ich. Aber wir sind keine Freunde“, sagte er und versuchte sein Grinsen zu verbergen.
Ich gab ihm einen leichten Stoß zwischen die Rippen. Er sollte sich nicht über meine Worte lustig machen.
„Tut mir leid. Aber stimmt doch. Wir sind viel mehr als das“, sagte er und führte seine Hand zu meinem Nacken.
Ich verdrehte genervt die Augen. Wollte er mich nicht verstehen.
„Das macht es nicht besser“, erwiderte ich nur und vermied es ihn anzusehen.
Seine Hand streichelte sanft über die Haut in meinem Nacken und spielte mit meinen Haaren.
„Frank sieh mich an“, sagte er bestimmt.
Ich schaute zu ihm. Er war ernst.
„Ich habe auch Angst. Du bist sicher der Meinung das man das nicht vergleichen kann“, sagt er und ich nickt. Ja der Meinung war ich.
„Der bin ich nicht. Aber ich bin der Meinung, dass wir das schaffen können. Denk darüber nach okay?“ Flehend sah er mich an.
Ich gab mich geschlagen und nickte wieder. Nachdenken würde ich, aber ich zum selben Ergebnis kommen würde, konnte ich nicht sagen.
Zufrieden lächelte er mich an und zog mich für einen kurzen Kuss zu sich, bevor wir weiterliefen.

Kaum hatten wir das Schulgebäude betreten, kam David auf mich zu. Er war zornig, dass konnte ich schon von weitem sehen. Sehr zornig.
Schnell ließ ich die Hand von Gerard los.
Als David vor mir zum Stehen kam, packte er mich am Kragen.
„Was hast du mit ihr gemacht?“, fragte er mich und kam mir gefährlich nah.
Ich versuchte ruhig zu bleiben, meine Angst irgendwie zu verbergen.
„Immer wieder die gleiche Frage David. Wirst du es nicht langsam leid?“, gab ich so gelassen wie möglich zurück. Gerard stand immer noch neben mir. Aber es gab nichts was er tun konnte.
„Ich weiß, dass sie bei dir war“, sagte er. Seine Augen waren zu Schlitzen geformt und funkelten mich böse an.
Also war sie doch wieder zu ihm gegangen und hatte ihm alles gestanden.
„Meinst du nicht, dass solltest du lieber mit ihr klären?“, fragte ich ihn. Aber sofort kam mir wieder der Gedanke, dass ich ihr helfen müsste. Irgendetwas musste man doch gegen ihn tun können.
„Halt mich nicht für doof“, sagte er und tat noch einen Schritt auf mich zu.
Was wollte er denn von mir?
„Das tu ich nicht“, gab ich zurück.
„Gut, dann kannst du mir ja jetzt sagen wo sie steckt.“
Irritiert schaute ich ihn an. Jetzt verstand ich gar nichts mehr.
„Wie wo sie steckt?“, wollte ich wissen.
„Zwing mich nicht es aus dir rauszuprügeln. Sag es mir einfach und stell dich nicht dumm“, drohte er mir. Was wollte er denn von mir hören? Es war seine Freundin. Wieso kam er zu mir wenn er sie suchte.
„Ich weiß nicht was du von mir willst.“, sagte ich und wollte mich aus seinem Griff befreien, vergebens.
„Seit sie bei dir war, ist sie verschwunden. Willst du sagen, du hast damit nichts zu tun.“
Erschrocken starrte ich ihn an.
„Was? Sie ist verschwunden?“, fragte ich. Das brachte mich jetzt wirklich durcheinander. War sie abgehauen, damit sie ihn nicht mehr ertragen musste?
„Ich weiß wirklich nicht wo sie ist“, versicherte ich ihm, nachdem er mir einen tödlichen Blick zu warf.
„Willst du mich verarschen?“, fragte er aus sicher vor Wut.
Schnell schüttelte ich den Kopf.
„Ich lass mich nicht verarschen. Sag es mir“, rief er und begann mich durchzuschütteln.
„Man ich weiß nichts“, erwiderte ich, der Verzweiflung nahe. Ich hatte damit doch nichts zu tun.
„Ich hab dich gewarnt“, flüsterte er gefährlich und ich sah wie er schon wie er langsam ausholte.

Doch sofort schloss sich Gerards Hand um seinen Arm.
„Ich würde das lassen“, mischte er sich ein.
Böse blickte David zu Seite. „Was willst du Schwuchtel“, ging er ihn ein.
Gerard ließ sich aber nicht beeindrucken.
„Dass du ihn loslässt. Deine Freunde sind nicht hier um die zu helfen. Also sind wir in der Überzahl.“, sprach er ruhig.
„Soll ich jetzt Angst bekommen?“, fragte David und lachte gespielt auf.
Nun erkannte ich, dass Gerard doch ein wenig zornig wurde.
„Er hat deiner verfickten Freundin nichts getan. Ich sags nicht noch mal. Lass ihn los.“
David schienen seine Worte nicht zu interessieren.
Also musste Gerard ihm zeigen, wie ernst es meinte. Ohne noch irgendwas zu sagen, schnellte seine Faust in Davids Gesicht.
Dieser taumelte überrascht zurück und ließ mich los.
Dann ergriff Gerard wieder meine Hand und zog mich zur Seite.
„Wir sollten schnellstens hier abhauen. Wer weiß zu was der in der Lage ist“, sagte er und setzte sich in Bewegung. Schnell folgte ich ihm.
„Du Hurensohn. Dafür wirst du bezahlen“, rief David entweder mir oder Gerard hinterher.

„Du hättest dich da nicht einmischen brauchen“, sagte ich, als wir in meinem Klassenzimmer angekommen waren.
„Hey ich hab einmal zugesehen, wie er dich zusammen geschlagen hat. Das muss ich nicht noch mal haben. Jetzt konnte ich dir wenigstens helfen, weil er allein war.“, sagte er und betrachtete mich eingehend.
„Oder verletzt es dich in deiner Männlichkeit?“, fragte er mich und lachte.
Ich lachte ebenfalls und schüttelte den Kopf.
„Nein ich find es unheimlich süß. Danke, mein Retter“, erwiderte ich und küsste ihn kurz.
Die Blicke die uns die anderen zuwarfen, ignorierten wir gekonnt.
Breit grinste er mich an.
„Wir sehen uns später.“
Ich nickte, küsste ihn noch einmal. „Halt dich vor diesem David fern“, sagte er noch bevor er sich umdrehte.
„Du aber auch“, rief ich ihm hinterher.
Er nickte und war verschwunden.


Nach der Schule machten wir uns zusammen wieder auf den Heimweg. David war uns bis dahin nicht mehr begegnet.
„Ich frag mich was mit Jess ist“, unterbrach ich das nachdenkliche Schweigen.
Gerard drückte meine Hand.
„Mach dir nicht so viele Gedanken darüber. Ich schätze sie ist nur irgendwo untergetaucht. Früher oder später wird sie wieder bei ihm auftauchen. Aber so lange solltest du ihm nicht allein über den Weg laufen.“, sagt er.
Ich grinste. Hatte er etwas Angst um mich?
„Heißt das du begleitest mich jetzt überall hin?“, fragte ich und lächelte ihn an.
Er erwiderte mein Lächeln.
„Wenn du das willst.“


Kapitel 31 - I'll meet your eyes, I mean this forever

Ich hatte Gerard versprochen, dass ich am Nachmittag noch mal zu ihm kommen würde.
Vorher wollte ich mich aber erst noch einmal zu Hause blicken lassen.
Doch es war niemand da.
Das wunderte mich stark. Keiner da der mich kontrollierte?
Sonst ließen sie doch keine Möglichkeit aus und nun war keiner da?
Aber umso besser.
Ich ließ mich in der Küche auf einem der Stühle nieder, stütze meinen Kopf mit meinen Armen auf dem Tisch ab.
Ich brauchte erst mal ein paar Minuten für mich selbst, bevor ich mich auf dem Weg zu Gerard machte. Ich dachte über den heutigen Tag nach, über die Worte Gerards heute morgen. Er sagte, dass wir es zusammen schaffen könnten. Ich glaubte nicht daran. Ich wusste doch wie es war, hatte es schon einige Male miterlebt. Wenn wir erst einmal hunderte Kilometer weit von einander weg wohnten, dann würde der Kontakt abbrechen. Ich wusste nicht ob ich das noch einmal verkraftete. Aber vielleicht sollte ich darüber nachdenken wenn es soweit war. Im Moment machte mir etwas anderes viel mehr Sorgen. Nämlich wo Jess abgeblieben war.
Sie war heute auch nicht in der Schule gewesen. Hatte es etwas mit dem Besuch bei mir zu tun, etwas damit, dass ich sie weggeschickt hatte?
Aber was ich mich auch fragte. Woher wusste David überhaupt, dass sie bei mir war, wenn er sie nicht noch einmal gesehen hatte? Vermutete er es oder wusste er es? Aber dann woher?

In diesem Moment hörte ich die Wohnungstür aufgehen. Es dauerte nicht lange bis Johnny den Kopf zur Küche hereinstreckte.
Und plötzlich machte alles Sinn. Hatte er nicht gesagt, dass er einen Neffen an meiner Schule hatte? Dieser Neffe…konnte dass David sein? Das würde einiges erklären. Dann hätte er ihm sagen können, dass Jess bei mir war. Und das erklärte vielleicht auch sein Verhalten mir gegenüber.
Er musterte mich. „Worüber denkst du nach?“, fragte er mich, während er zum Kühlschrank ging.
Ich überlegte ob ich ihn drauf ansprechen sollte und entschied mich dafür.
„Sag mal du hast nicht zufällig einen Neffen der David heißt oder?“, fragte ich ihn und funkelte ihn böse an.
Er drehte sich um und setzte sich dann mir gegenüber an den Tisch.
„Ja hab ich“, sagte er gelassen und grinste mich an.
Wieso war ich da nicht eher drauf gekommen.
„Ihr habt sehr viel Kontakt hm? Ach weißt du was? Mir ist es egal“, sagte ich und sprang auf. Ich hielt es nicht lange mit diesem Typen in einem Raum aus, musste endlich zu Gerard. Ich brauchte ihn einfach, damit ich nicht ausflippte.

Bei Gerard angekommen klingelte ich und wie immer öffnete Mrs. Way die Tür.
„Hallo Frank“, sagte sie und ließ mich herein. Sie sah mitgenommen aus. Nicht so fröhlich wie sonst. Ich begrüßte sie ebenfalls und schaute sie fragend an, warte darauf, dass sie mir sagte wo ich Gerard fand.
„Wohnzimmer“, sagte sie nur und verschwand in der Küche.
Verwirrt schaute ich ihr nach, kümmerte mich dann aber nicht weiter darum und ging ins Wohnzimmer.
Aber was ich da sah, verwirrte mich noch sehr viel mehr.
Gerard stand dicht bei der Tür und sah starr auf die Couch. Ich folgte seinem Blick und erkannte Amy und Mikey.
Amy schluchzte fürchterlich und Mikey versuchte sie zu trösten, wobei auch er sehr niedergeschlagen aussah.
Gerard bemerkt mich als erster. Sofort kam er auf mich zu und legte eine Hand auf meinen Oberarm.
„Komm mit“, flüsterte er und wollte mich mit sich ziehen.
Doch ich blieb stehen, fixierte weiter Mikey und Amy, wollte wissen was da los war.
Gerard verstärkte den Druck an meinen Arm.
Ich gab schließlich nach und wollte ihm folgen, als Amy ihre Stimme erhob.
„Frank“, rief sie heiser und sprang sofort von der Couch auf.
Schnell kam sie auf mich zu und fiel mir um den Hals. Irritiert sah ich ihr dabei zu, wusste nicht was in sie gefahren war. Warum hatten alle neuerdings das Bedürfnis mich zu umarmen? Ich verstand es nicht.
Ich hörte Gerard neben mir seufzen. Anscheinend hatte er nicht gewollt, dass das hier passierte.
„Es tut mir so leid“, schluchzte Amy und entfernte sich wieder von mir.
Mikey, der nun ebenfalls aufgestanden war und sich zu uns gesellt hatte, blickte mich entschuldigend an.
„Mir auch. Ich hab dir Unrecht getan“, gab er zu und senkte den Kopf.
Ich verstand gar nichts mehr. Träumte ich?
Wieso entschuldigten sie sich auf einmal bei mir.
„Kann mir mal jemand sagen, was hier los ist?“, fragte ich und schaute zwischen ihnen hin und her.
Keiner schien antworten zu wollen.
„Setz dich erstmal hin“, sagte Gerard und zog mich mit der Hand, die immer noch auf meinen Arm ruhte in Richtung Couch.
Ich ließ mich darauf nieder, schaute ihn abwartend an.
„Sag es mir“, forderte ich.
Aber es war nicht Gerard, der antworte, sondern Amy.
„Jess…Sie…sie ist tot.“ Sofort brach sie wieder in Tränen aus und Mikey nahm sie in den Arm.
Ich glaubte mich verhört zu haben. Der Schock stand mir ins Gesicht geschrieben, denn kurz darauf legte auch Gerard einen Arm um mich.
Ich konnte es nicht fassen, was ich da eben gehört hatte. Tot?
Aber… „Wieso?“, fragte ich fassungslos.
„Sie hat sich umgebracht. Mit der Waffe ihres Vater“, erklärte mir Gerard.
Mit großen Augen starrte ich ihn an.
Umgebracht? Warum? War das ganze wirklich so unerträglich für sie gewesen, dass sie keinen anderen Ausweg mehr gesehen hatte?
Warum hatte ich das nicht erkannt? Sie war zu mir gekommen, damit ich ihr half. Doch ich hatte sie einfach weggeschickt.
„Oh Gott.“, stieß ich aus und vergrub mein Gesicht in meinen Händen.
Gerard drückte mich näher an sich.
„Du darfst dir keine Schuld geben. Hörst du?“, flüsterte er mir ins Ohr.
Er hatte gut reden. Ich war der Letzte, der sie gesehen hätte. Ich hätte es verhindern können. Ich hätte ihr verdammt noch mal helfen sollen, aber stattdessen hatte ich sie in den Tod getrieben.
„Sie war verzweifelt. Und daran warst du nicht schuld. Höchstens sie selbst und David“, redete er weiter auf mich ein.
Ich schüttelte den Kopf, wollte seine Worte nicht hören.
Ich sah auf und wandte mich an Amy.
„Wann?“, wollte ich wissen.
„Gestern Abend“, sagte sie mit zittriger Stimme.
„Ihre Eltern sind heute aus dem Urlaub wieder gekommen und haben sie in ihrem Zimmer gefunden, mit einem Abschiedsbrief für Amy.“, erklärte mir Mikey.
Und jetzt erst fiel mein Blick auf das Stück Papier, das Amy fest umklammert hielt.
„Du…du kannst ihn lesen wenn du willst“, sagte sie als sie meinen Blick bemerkte und hielt mir den Brief hin.
Das wollte ich. Ich streckte meinen Arm aus, aber Gerard stoppte mich.
„Ich glaube, dass ist keine Gute Idee.“, sagte er und sah mich eindringlich an.
Ich schüttelte seine Hand ab, ergriff den Brief und begann ihn zu lesen.

Liebe Amy

Wenn du diesen Brief bekommst, bin hoffentlich schon tot. Aber ich kann nicht einfach gehen, ohne dir alles erzählt und mich bei dir entschuldigt zu haben.
Zwar wirst du mich dann hassen, aber es muss sein. Und bitte glaub mir, dass ich das so alles nicht gewollt hatte.
Aber erst einmal bitte dich darum, dass du Frank verzeihst. Er hatte keine Schuld an dem was passiert ist. Es war ganz allein meine Schuld. Ich hab ihn verführt und als ich dich in der Tür stehen sah, habe ich so getan, als ob er mich vergewaltigen würde. Du denkst dir jetzt sicher, eine beste Freundin macht so was nicht und da hast du auch vollkommen Recht. Aber ich konnte es nicht mit ansehen. Du hast es nicht ernst mit ihm gemeint und das konnte ich nicht ertragen. Denn ich…Ich liebe ihn wirklich.
Ich wollte nicht, dass du ihn nur ausnutzt. Das hätte er nicht verdient. Ich wollte ihn für mich und dass er mich auch liebt. Ich habe alles falsch gemacht.
Aber hätte ich gewusst, was ich damit anrichte, dann wäre ich sicher nicht so weit gegangen. Jetzt habe ich die Strafe dafür bekommen.
Ich halte es nicht mehr aus. Ich kann damit nicht mehr leben.
David, er liebt mich zwar, sagt er zumindest. Aber ich ertrage es nicht länger. Er ist so eifersüchtig. Vor allem auf Frank. Er ahnt was ich für ihn fühle und lässt es an mir aus. Er war es, der mir die ganzen blauen Flecken zugefügt hat. Ich liebe ihn nicht, aber ich kann ihn nicht verlassen. Er sagt, das würde er nicht zulassen.
Ich hatte so sehr gehofft Frank könnte mir helfen, mir wenigstens ein bisschen Liebe schenken. Ich weiß, dass ich selbst daran schuld bin, dass er das nicht kann. Er liebt mich nicht, dass habe ich eingesehen. Aber ohne ihn möchte ich nicht leben.
Sag ihm, dass mir alles schrecklich Leid tut.
Es tut wirklich mir leid Amy.
Ich hoffe du kannst mir irgendwann verzeihen.
Und bitte wein nicht um mich. Es ist besser so. Für alle.
Leb wohl
In Liebe Jessica

Zitternd hielt ich das Stück Papier in meinen Händen. Ich wusste nicht was ich denke sollte. „Sie hat mich wirklich geliebt“, sagte ich an Gerard gerichtet, der mich fest in seine Arme geschlossen hatte.
Beruhigend strich er mir über den Rücken.
„Dich trifft trotzdem keine Schuld“, entgegnete er und küsste meine Wange.
Er hatte doch keine Ahnung. Etwas unsanft schob ich von mir weg und sprang auf.
„Ich hätte ihr helfen müssen. Hast du das nicht gelesen. Sie hat sich umgebracht, weil ich sie weggeschickt habe.“
Unruhig lief ich hin und her.
Ich fühlte mich so hilflos, es machte mich verrückt.
Gerard sprang ebenfalls auf und kam auf mich zu. Er nahm mein Gesicht in seine Hände.
„Es hilft jetzt nichts mehr, wenn du dir Vorwürfe machst. Du kannst nichts mehr tun“, sagte er und zwang mich ihn anzuschauen.
Das wusste ich selbst und das war es ja gerade. Ich hätte etwas tun können.
Tränen bildeten sich in meinen Augen und rannen unaufhaltsam meine Wangen hinab.
Sofort spürte ich wieder Gerards Arme um mich, gaben mir halt.

Ich hatte die Nacht bei Gerard verbracht. Ich konnte nicht ohne ihn sein.
Immer wieder versuchte er mir meine Schuldgefühle auszureden. Die ganze Nacht über hatte er das getan. Langsam fing ich an ihm zu glauben.
Ich hätte ihr nicht helfen könne. Sie hätte sich niemals von David getrennt. Auch wenn ich sie nicht weggeschickt hätte, wäre es früher oder später passiert. Ich hätte sie nicht lieben können.
Soviel hatte ich eingesehen. Trotzdem blieb ein Rest von diesem schrecklichen zermürbenden Gefühl.
„Versuch an etwas anderes zu denken“, sagte Gerard und strich mir durch die Haare. Wir saßen gerade mit Mikey beim Frühstück. Sie hatten sich unterhalten. Ich hatte ihnen nicht zugehört. Aber ich wusste wie sehr es Gerard freute.
Allerdings wusste ich nicht ob ich mich freuen sollte.
„Ich bin mal kurz für kleine Gees“, entschuldigte sich Gerard grinsend und verschwand aus der Küche.
Gedankenverloren schaute ich ihm nach. Er war ein wunderbarer Mensch, so viel hatte ich inzwischen mitbekommen. Ich wusste nicht wie ich je denken konnte, dass er nur mit mir spielen würde. Wenn es drauf ankam war er für mich da.
Mikey war meinem Blick gefolgt.
„Du machst ihn glücklich“, sagte er und blickte mich an.
Ich schaute ebenfalls zu ihm, sagte aber nichts.
„Ich habe dir wirklich unrecht getan Frank“, sagte Mikey und sah mich wieder entschuldigend an.
„Schon gut Mikey. Ich bin nicht nachtragend“, erwiderte ich, wollte nicht, dass er sich noch einmal bei mir entschuldigte. Ich hatte ja verstanden, dass es ihm Leid tat.
„Danke. Ich weiß, das wirklich zu schätzen. Ich war ein blinder Idiot. Ich hätte wissen müssen, dass wenn Gerard dir vertraut, dass ich das auch kann.“
Ich nahm einen Schluck von meinem Kaffee. Essen konnte ich nichts.
„Vergessen wir das Ganze einfach“, sagte ich dann und Mikey nickte.

Zu dritt machten wir uns kurze Zeit später auf den Weg zur Schule. Eigentlich wollte ich nicht gehen. Aber Gerard hatte mich überredet.
Weiterhin nachdenklich lief ich neben den beiden her.
„Worüber denkst du nach“, fragte mich Gerard als wir auf dem Schulhof ankamen und Mikey schon vorgegangen war.
„Ich weiß nicht. Ich kann damit nicht umgehen. Ich weiß du freust dich, dass dein Bruder so zur Vernunft gekommen ist. Aber dafür musste ein Mensch sterben, Gee“, erklärte ich ihm meine Situation.
Er senkte den Kopf.
„Ich bedauere es auch, dass es soweit kommen musste. Aber verdammt wir können daran nichts mehr ändern. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass es anders kommen würde. Ich freue mich sicher nicht so, wie ich es tun würde, wenn das nicht geschehen wäre. Und du solltest wenigstens ein bisschen erleichtert sein, dass der ganze Scheiß endlich vorbei ist.“, entgegnete er, doch er wusste genau, dass ich nicht konnte.
„Bin ich aber nicht verdammt.“, ging ich ihn an.
Ich riss mich von ihm los, wollte nichts mehr davon hören.
Zwar hatte er mir meine Schuld ausgeredet. Trotzdem konnte ich mich darüber keineswegs freuen oder erleichtert sein.

Schnell überquerte ich den Schulhof und verschwand im inneren des Gebäudes.

Als ich gelangweilt im Unterricht saß, wurde mir klar, dass ich Gerard nicht so hätte stehen lassen dürfen. Er tat alles für mich um mir die Situation erträglicher zu machen und was tat ich?
Ich musste mich in der Pause bei ihm entschuldigen gehen.

Ich musste zugeben es war angenehm wieder neben einem Mikey zu sitzen, der mit einem redete.
Dennoch war ich in Gedanken ganz woanders.
Es hatte sich schnell herum gesprochen, dass Jess Selbstmord begangen hatte. Doch nur wenige wussten wieso und deshalb wurde sehr viel herumgerätselt.
Ich hörte nicht darauf, fragte mich nur immer wieder, wieso niemand vorher bemerkt hatte, wie schlecht es ihr ging.
Aber ich konnte ihnen keinen Vorwurf machen. Schließlich hatte ich auch nicht geahnt, dass sie sich im nächsten Moment die Birne wegknallen würde.

Als es zur Mittagspause klingelte, packte ich schnell meine Sache und stürmte aus dem Klassenzimmer. Ich musste jetzt endlich Gerard suchen und mich für mein Verhalten für vorhin entschuldigen. Eigentlich hatte er ja Recht. Aber um das wirklich einzusehen, brauchte ich noch einige Zeit.
Ich begab mich nach draußen, da ich sicher war, dass er seine Pause hier verbringen würde. Mit großen Schritten überquerte ich den Schulhof.
Ich hatte den Blick nach unten gerichtet, dachte darüber nach was ich Gerard sagen sollte. Aber er war mir sicher nicht einmal böse.
Ich wurde aus den Gedanken gerissen, als ich gegen ein Hindernis lief.
Schnell hob ich meinen Blick und erkannte David.
„Hallo Frank. Ich hab schon auf dich gewartet.“, sagte er und blickte mich kalt an.
Seine Stimme klang anders als sonst. Es machte mir irgendwie angst.
Ich wich einen Stritt zurück.
„Du bist schuld, dass sie sich umgebracht hat.“, rief er und auf einmal erkannte ich die Traurigkeit in seinen Augen.
Aber er erzählte mir etwas von Schuld? Ich war nicht der, der ihr Tag für Tag zugesetzt, das Leben zur Hölle gemacht hatte.
„Ich habe ihr mit Sicherheit nicht das Leben zur Hölle gemacht. Das warst du.“, entgegnete ich, wusste aber auch dass es nichts bringen würde. Er würde es nicht einsehen.
„Du hast sie mir weggenommen“, schrie er außer sich vor Wut. Es bildeten sich Tränen in seinen Augen, die stumm seine Wangen nässte. Er kümmerte sich nicht darum, schien sie nicht einmal zu bemerken.
„Du hast sie mit deiner Eifersucht in den Tod getrieben.“, versuchte ich noch einmal ihm von Gegenteil zu überzeugen, aber er schien mich gar nicht wahrzunehmen.
Apathisch starrte er mich an.
„Ich hatte dir gesagt, dass du die Finger von ihr lassen sollst. Du hast nicht auf mich gehört und dafür wirst du bezahlen“, sagt er mit kalter Stimme, frei von irgendwelchen Emotionen.
Ich schüttelte nur den Kopf, wollte mir das nicht länger mit anhören.
„Ich geh jetzt. Lass mich in Ruhe okay?“, schrie ich ihn an, ging an ihm vorbei um meinen Weg fortzusetzen.
Im nächsten Moment ging alles so schnell, dass ich gar nicht genau realisierte was geschah.
Die Menge die sich während unseres Streites um uns herum versammelt hatte, kreischte auf einmal auf.
„Fraaaaaaank. Pass auf“, hörte ich Gee von einer Seite schreien.
Ich wollte mich umdrehen, als ich einen Schuss vernahm, aber sofort zu Boden gedrückt wurde.
Kurz darauf ertönte ein zweiter Schuss. Das Kreischen schwoll an.
Irritiert versuchte ich mich aufzurappeln, um festzustellen was geschehen war.
Ich drehte meinen Kopf und blickte in Gerards vor Schock geweitete Augen. Er lag neben mir auf der Seite und hatte einen Arm auf meinen Rücken liegen.
„Gee…Was ist…“, wollte ich fragen, stoppte aber als ich Gerards Blick folgte. Er nahm seine Hand von seinem Bauch. Darunter kam ein Blutfleck zum Vorschein, der von Sekunden zu Sekunde größer wurde.
„Oh mein Gott Gerard“, kreischte ich angstvoll und schlug mir vor Entsetzten die Hand vor den Mund. Das durfte doch nicht wahr sein.
Schnell zog ich ihn in meine Arme und spürte schon wie Tränen meine Wangen hinunter rinnen.
„So holt doch jemand Hilfe“, schrie ich, bevor ich mich ihm zu wandte.
Ich strich ihm durch die Haare, zwang ihn mich anzuschauen.
„Gerard“, schluchzte ich. Er war kreidebleich.
„Halte durch“, flüsterte ich, „Du darfst mich nicht allein lassen. Hörst du?“
So große Angst, wie in diesem Augenblick, hatte ich in meinen ganzen Leben noch nicht. Ich durfte ihn nicht verlieren. Was sollte ich denn ohne ihn machen?
Ich liebte ihn doch.


Epilog

Ich schlage die Augen auf, bin geblendet von dem Tageslicht, das durch das Fenster scheint. Verschlafen reibe ich mir die Augen.
Dann fällt mein Blick auf dich. Friedlich schlafend liegst du neben mir.
Wieder neben dir aufzuwachen, war das Schönste auf der ganzen Welt.
Ich träume noch oft davon, wie es war, als ich dich fast verloren hätte, für immer. Wenn ich daran denke, läuft mir noch immer ein kalter Schauer den Rücken herunter.
Ein paar Monate sind seitdem vergangen. Deine Wunde ist geheilt. Vorsichtig lasse ich meinen Finger über die Narbe gleiten, die noch daran erinnert.
Ich betrachte dich einige Zeit lang beim schlafen.
Fast wärst du meinetwegen nie wieder aufgewacht. Die Kugel war für mich bestimmt, nicht für dich. Nie hätte ich mir das verzeihen können.
Warum muss man immer erst durch so etwas bemerken, wie sehr man einen Menschen brauch. Und ich brauche dich wirklich. Ich weiß nicht, was ich getan hätte, wenn du diesen Tag nicht überlebt hättest.
Ich war keine einzige Sekunde von deinem Krankenbett gewichen. Ich betete, flehte und hoffte, dass du es schaffen würdest.
Und du hast es geschafft.
Deine Augenlider begannen zu flattern und langsam öffnest du sie. Sofort als du mich erblickst, bildet sich dein unschlagbares Lächeln in deinem Gesicht.
„Morgen Honey“, flüsterst du und legst deine Hand auf meine Wange.
Eine Weile schauen wir uns nur schweigend in die Augen, bis du dich zu mir beugst und mich zärtlich küsst.
„Hast du gut geschlafen?“, frage ich dich, nachdem du dich wieder von mir gelöst hast. Tief schaust du mir in die Augen und nickst.
„Solange ich dich in meinen Armen halte, kann ich gar nicht schlecht schlafen“, antwortest du und grinst mich breit an.
Ich erwidere das Grinsen und kuschle mich nah an dich heran.
„Schatz wir müssen aufstehen“, flüsterst du und küsst meine Stirn.
Genervt stöhne ich auf. „Ich will noch nicht“, erwidere ich und lege meinen Kopf auf deine Brust. Am liebsten würde ich ewig mit dir so liegen bleiben und es einfach nur genießen. Ich schließe meine Augen und atme deinen Geruch ein. Ich liebe ihn, wie alles an dir.
Ich ergreife deine Hand, drücke sie fest, weiß aber auch, dass ich sie irgendwann wieder loslassen muss. Aber das hatte noch etwas Zeit.



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